Debatte um Konföderierten-Denkmäler Robert E. Lee: Für die einen Idol, für die anderen Sklavenhalter

Südstaaten-General Robert E. Lee (in der Mitte dieses Reliefs im Stone Mountain Park im US-Bundesstaat Georgia; links Konföderierten-Präsident Jefferson Davis, rechts General Stonewall Jackson) gilt als zwiespältige historische Figur.

(Foto: AP)
  • An der Frage, ob eine Statue von Robert E. Lee abgebaut werden soll, hatte sich der Neonazi-Aufmarsch von Charlottesville entzündet.
  • Der Südstaaten-General symbolisiert das zwiespältige Verhältnis einiger Amerikaner zur Sklaverei: Er sprach sich stellenweise dagegen aus, profitierte aber davon.
  • Viele Konservative definieren sich heute wieder über ihre Hautfarbe. Sie sehen in Lee vorrangig einen Unabhängigkeitskämpfer.
Von Johannes Kuhn

Der Künstler Clyde Broadway hat die Perspektive der konservativen weißen Südstaaten-Bewohner einmal in einem Gemälde festgehalten: "Trinity" (Dreifaltigkeit) zeigt drei Heilige, umgeben von Blumen und rosa Wolken: Elvis Presley, Jesus Christus und den Konföderierten-General Robert E. Lee. Dabei ist der vermeintliche Held eine historisch ambivalente Figur, an dem sich eine landesweite Debatte entzündet hat.

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Pläne zur Demontage einer Statue Robert E. Lees waren der offizielle Anlass für den Neonazi-Aufmarsch in Charlottesville, Virginia. Am Dienstag stellte sich US-Präsident Donald Trump auf die Seite der sogenannten "Monument-Befürworter" und wagte den Vergleich: Wenn Lee und sein treuer Untergebener Thomas "Stonewall" Jackson abmontiert würden, was komme danach? Auch George Washington und Thomas Jefferson hätten schließlich Sklaven gehalten.

Für das Verständnis der Debatte über Lee, Jackson und andere historische Figuren wie den Konföderierten-Präsidenten Jefferson Davis hilft eine Zahl: 1500. So viele Denkmäler, Straßen, Institutionen und Gebäude tragen in den USA die Namen ehemaliger Konföderierter, die im Bürgerkrieg zwischen 1861 und 1865 gegen den Norden kämpften. Alleine 70 Schulen im Süden der USA sind nach Robert E. Lee benannt.

Arbeiter in Baltimore entfernen die Statuen der Südstaaten-Generäle Robert E. Lee und Thomas "Stonewall" Jackson.

(Foto: AP)

Spätestens seit 2015 aber gibt es eine heftige Debatte über die Bürgerkriegs-Symbolik. Damals ermordete Dylann Roof, ein weißer Rassist, in einer Baptistenkirche in South Carolina neun afroamerikanische Gemeindemitglieder. South Carolina hängte die Konföderierten-Flagge, mit der sich der Mörder gerne gezeigt hatte, von offiziellen Plätzen ab. Es begann eine Debatte darüber, für was die Konföderierten wirklich stehen: Für den Kampf um Unabhängigkeit (so die südlich-konservative Interpretation) von Virginia bis Texas oder für einen Kampf für die Erhaltung der Sklaverei.

Lee und der Bürgerkriegs-Mythos

Robert E. Lee steht auch deshalb im Mittelpunkt, weil er als zwiespältige historische Figur gilt. Amerikanische Historiker vergleichen seine Wahrnehmung manchmal mit der von Hitlers Feldmarschall Erwin Rommel im Nachkriegsdeutschland, wo dieser als "Gentleman-Krieger" betrachtet wurde (und wird).

Lee galt als Gegner der Sezession Virginias und bezeichnete die Sklaverei in einem Brief von 1856 an seine Frau einmal als "moralisch und politisch böse", wollte aber für seinen Heimatstaat kämpfen. Er galt als gewiefter Stratege, der mit hoffnungslos unterlegenen Truppen lange dem Norden standhielt. "Der Soldat, der die meisten Menschen im Kampf tötet, auch für eine schlechte Sache, scheint der beste Christ zu sein, berechtigt zum höchsten Ort im Himmel", kommentierte Frederick Douglass, ehemaliger Sklave und afroamerikanischer Denker, die wohlwollenden Nachrufe auf Lee nach dessen Tod 1870.

Lees Verhältnis zur Rassenfrage ist allerdings bei genauerem Hinsehen weniger nobel, als es den Anschein macht. Er hatte in eine reiche Sklavenhalter-Familie eingeheiratet, sein (wenig) dokumentiertes Verhalten als Vorsteher des Anwesens unterscheidet sich nicht von anderen Zeitgenossen: Flüchtige Sklaven wurden ausgepeitscht, eine andere Beziehung zwischen Weiß und Schwarz als die von Meister und Sklave stand für ihn niemals zur Debatte.

Kampf um die "Unabhängigkeit"

In seinem Brief von 1856 schrieb er auch, dass Schwarze es in den USA doch deutlich besser als in Afrika hätten - wo sonst würden sie so ausgiebig "Disziplin gelehrt"? Auch der von Trump genannte General Thomas "Stonewall" Jackson sah Sklaverei wohl als unmoralisch, aber in der Bibel verankert an. Er selbst besaß Sklaven, unterrichtete als überzeugter Christ aber versklavte Kinder in der Sonntagsschule.

Im Süden wurde der Lee-Mythos schnell zur allgemeinen Erinnerung an den Bürgerkrieg: Die Konföderierten hätten letztlich für ihre Unabhängigkeit gekämpft, und aus Prinzip die "verlorene Sache" trotz militärischer Unterlegenheit bis zum Schluss verteidigt.