"Augen zu und durch": Die Reform der Bundeswehr hat viele Fehler, doch die Union fürchtet die notwendige Debatte. Denn eine Aussetzung der Aussetzung der Wehrpflicht wäre eine politische Bankrotterklärung.
Mit schwierigen Reformen, so hat es weiland der wortgewandte Sozialdemokrat Ludwig Stiegler gesagt, verhalte es sich wie mit Pullovern: Wenn man eine Masche einreißen lasse, dann löse sich schnell der ganze Pullover auf. Genau diese Sorge ist jetzt in der Union mit Blick auf die Reform der Bundeswehr erkennbar. Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer und Unions-Fraktionschef Volker Kauder haben deshalb am Wochenende versucht, eine Debatte über Veränderungen an der Reform gar nicht erst entstehen zu lassen.
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Die Aussetzung der Wehrpflicht ist noch nicht beschlossen, doch seit Beginn des Jahres werden keine Wehrpflichtigen mehr einberufen. (© dapd)
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Diese Entschlossenheit entbehrt nicht der Ironie: Kauder und Seehofer waren jene zwei Führungsleute in der Union, die am längsten brauchten, um die faktische Abschaffung der Wehrpflicht zu akzeptieren, jenes Kernstück der Reform, an dem alle anderen Veränderungen sich ausrichten müssen. Wenn Kauder und Seehofer jetzt nach der Devise vorgehen "Augen zu und durch", dann verschließen beide die Augen vor allem vor ihren eigenen Zweifeln. Sie haben Angst vor sich selbst. Und sie wissen, dass es hinter ihnen noch mehr Skeptiker in ausreichender Zahl gibt, um der Union mit einer neuen Debatte Ungemach zu bereiten.
Das Problem der Bundeswehrreform besteht darin, dass sie bisher eigentlich noch gar nicht mit einem Pullover zu vergleichen ist, sondern allenfalls mit einem völlig verknoteten Wollknäuel. Erster Knoten: Die Aussetzung der Wehrpflicht ist noch gar nicht beschlossen, der Bundestag hat den Gesetzentwurf gerade zum ersten Mal gelesen. Wohl aber ist die Wehrpflicht faktisch bereits ausgesetzt, weil seit Beginn des Jahres keine Wehrpflichtigen mehr einberufen werden. Diese Ignoranz gegenüber dem Parlament kommt auch nicht alle Tage vor. Sie ist Ausdruck der blinden Gefolgschaft schwarz-gelber Koalitionäre, die sich auf die Versprechungen des Ministers Karl-Theodor zu Guttenberg verließen.
Zweiter Knoten: Die Bundeswehr setzt auf Freiwillige, von denen es aber einstweilen zu wenige gibt, was nicht überraschend ist, weil noch gar nicht entschieden wurde, wie die Bundeswehr künftig für Freiwillige attraktiver gemacht werden soll. Das ist ungefähr so, als versuche ein Autohändler einen Wagen zu verkaufen, von dem er noch nicht weiß, ob er am Ende auch vier Räder haben wird.
Das führt zwangsläufig zum dritten Knoten: Die Reform der Bundeswehr sollte eigentlich Einsparungen bringen. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass die Umstellung auf die Freiwilligenarmee erst einmal teurer wird. Und zwar immer noch teurer, je unattraktiver die Bundeswehr erscheint, weil immer noch mehr Anreize gesetzt werden müssen, um das zu ändern.
Akuter Notstand bei der Zahl der Freiwilligen
Vierter Knoten: Die Idee, die Reform zu verschieben und die einzelnen Schritte endlich in die richtige Reihenfolge zu bringen, klingt vernünftig. Der neue Minister Thomas de Maizière hätte ausreichend Autorität, um diese Notbremse zu ziehen. Aber er ist sehr wahrscheinlich auch loyal genug, seine Bundeskanzlerin und ihre ganze Koalition nicht in Verlegenheit zu stürzen. Schwarz-Gelb wird die noch nicht beschlossene Aussetzung der Wehrpflicht nicht aufhalten wollen, weil eine Aussetzung der Aussetzung eine politische Bankrotterklärung wäre, die sich eine ohnehin schon angeschlagene Kanzlerin nicht leisten kann.
Die Bundesregierung wird also weiter an der Reform stricken. Weil sich zum Beispiel an der Zahl der Freiwilligen schon jetzt ein akuter Notstand ablesen lässt, müsste sie sogar ein bisschen schneller stricken. Dem steht entgegen, dass ein neuer Minister zu Recht Zeit zur Einarbeitung fordert. Dem steht auch entgegen, dass dieser Minister als Erstes seinen Staatssekretär gefeuert hat, was seine eigene Einarbeitungszeit nicht verkürzen wird. Dieser Staatssekretär war einer der Architekten der Reform. So viel lässt sich also sagen: Seine Pläne sind offenbar nicht von einer Qualität, die ihn unentbehrlich gemacht hätte.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 07.03.2011/juwe)
wäre angesagt.
Inzwischen weiß jeder, das Konzept Guttenbergs zu einer Bundeswehrreform ist schlecht, basta! Könnte der geneigte Leser vielleicht einmal ganz sachlich erfahren, wie das Konzept im Einzelnen überhaupt aussieht und in welchen Punkten es schlecht sein soll und wo es vielleicht auch ganz ausgezeichnet ist.
Guttenberg war nur ein Schaumschläger und war nur mit seiner eigenen PR beschäftigt. Ihn überhaupt zum Verteidigungsminister "gemacht" zu haben, wird der Kanzlerin noch schwer auf die Füße fallen.
Dass Guttenbergs Nachfolger De Maiziére als Erstes den beamteten Staatssekretär in den einstweiligen (wahrscheinlich fortwährenden) Ruhestand schickte, weil die Bundeswehrreform noch nicht einmal halbwegs eingeleitet war, spricht Bände.
Und der Bundespräsident sprach dem "Freiherrn" KTvuzG bei dessen Entlassung seinen "besonderen Respekt" aus und wünschte für seine zukünftigen Aufgaben "weiterhin viel Erfolg". Ts,ts,ts,ts,ts.......
Nun es geht weiter das Spiel mit der Reform,auch wird zu schnell vergessen das diese Reformversuche schon fast 30 Jahre alt sind. Mit der Wiedervereinigung begann man mit dem grossen Umbau. Die NVA wurde Abgewickelt und die BW auf unter 380.000 Soldaten verkleinert. Das war der Anfang,nun kahmen die Finanzprobleme dazu,es musste gespart werden,dass durch alle Koaliationen hindurch. Heute steht die Zahl von in etwa 185.000 Soldaten zur Debatte. Das die Wehrpflicht ausgesetzt werden soll,dass wurde in fast allen Parteien verlangt. Das lag auch daran das nicht alle Wehr und Wehrersatzdiensleistenden einen Platz dort bekommen haben. ( Wehrgerechtigkeit ) Karlsruhe haette da so wieso eine rasche Aenderung verlangt. Das zu Guttenberg von der Regierung den Auftrag bekahm die BW zu verkleinern und umzubauen waren die Vorgaben gewesen. Der Reformplan und die Gestalltung des Umbaues sind keine Schnellschuesse,da muss man sich auch etwas mehr Zeit nehmen als 6-8 Wochen. Das er der Herr von und zu Guttenberg erst am Anfang dieses Umbau gestanden hatte sollte auch klar sein. Der neue hat nun den Staatssekritaer gefeuert,und will sich fuer die Reform Zeit nehmen,es bleibt ihm ja auch nichts anderes ueberig. Ob der Reformplan der Staatssekritaeres so gut war wie gedacht ? Da er ihn nicht uebernommen hatte kann man davon ausgehen,dass dem nicht der Fall gewesen ist. Aber liebe Presse,nicht vergessen die Saege am Stuhlbein vom neuen Minister rechtzeitig zu legen.
..aber es wird wie gehabt etwas anderes drin sein.
Ich hoffe nur, Herr de Maiziere wird sich nicht mit so einem Bloedsinn wie Kitas in der Kaserne befassen - es gibt vielleicht Wichtigeres.
Nämlich sowohl die Rechtsgrundlage in Gestalt eines vom Bundestag beschlossenen Gesetzes als auch der Spiritus Rector, der Staatssekretär, den der Neue soeben entlassen hat!
Letzteres zeigt immerhin eine Gemeinsamkeit zwischen dem Vorgänger und dem Nachfolger im Ministeramt: Beide entlassen, kaum im Amt, den jeweils noch vom Vorgänger stammenden Staatssekretär! Fehlt jetzt nur noch, dass auch der vom Vorgänger installierte neue Generalinspektor in die Wüste geschickt wird!
DAS ist wahre Kontinuität! Oder eher Akte der Verzweiflung, Aktionismus am falschen Objekt?
Wie dem auch sei, die Abschaffung des Bürgers in Uniform scheint bei Schwarz-Gelb beschlossene Sache, obwohl selbst den treuesten, erblindesten Bewunderern des v&zG zumindest Zweifel an der Weisheit des Entschlusses gekommen sein müssten!
Denn die de facto beschlossene Berufsarmee "passt" eindeutig nicht mehr zu der Bundesrepublik, die sich vor inzwischen über 60 Jahren geschworen und verpflichtet hatte, von nun an d.h. "auf ewig" ein friedliches Mitglied der Völkergemeinschaft zu sein!
Mit dem "Bürger in Uniform" war DAS trotz kriegseinsatz in Afghanistan noch einigermassen glaubhaft, mit einer Berufsarmee dagegen gewiss nicht mehr. Denn jede Berufsarmee ist "von Berufs wegen" ein agressives Instrument in der Hand des/der jeweiligen Machthaber, was auch nicht dadurch ausser Kraft gesetzt werden kann, dass es eine "Parlamentsarmee" bleibt. Denn der insbesondere bei Rechten vorbildlich funktionierende "Fraktionszwang" macht aus nur ihrem Gewissen verpflichteten Abgeordneten ausnahmslos allzeit willige Befehlsempfänger!
Das aber bedeutet: Eine Berufsarmee wird die Bundesrepublik Deutschland nachhaltig verändern. Aus der nicht souveränen Bundesrepublik Deutschland wird endgültig eine "fünfte Kolonne" des Hegemon!
Deutschland erwache! Bevor es dazu -wieder- "zu spät" ist!
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