Die Vorgänge rund um das Atomendlager Asse sind ein einziger Skandal - und ein wichtiges Lehrstück.
Forschung ist zum Lernen da - im Falle des maroden "Versuchs-Endlagers" Asse II hat das einen besonders bitteren Beigeschmack.
Zurück an die Oberfläche: Die radioaktiven Abfälle im Atommülllager Asse sollen wieder herausgeholt werden. (© Foto: AP)
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Dort sollte ursprünglich herausgefunden werden, ob und wie sich Atommüll in Salz einlagern lässt. Doch in den Siebzigern verkam Asse II zur Deponie für alles Mögliche: für Reaktormüll, für Pestizide, kontaminierte Tierabfälle. Was irgendwie weit weg musste, verschwand im Erdreich unter Wolfenbüttel. Mit 125.787 Fässern "erforschten" die Betreiber so die Endlagerung.
Die Öffentlichkeit erfuhr nichts davon. 30 Jahre mussten ins Land gehen, bis der Bund endlich Lehren aus dieser Art Experiment zieht. Etwa die, dass es eine billige Endlagerung nie und nirgends geben kann, weil sie Probleme nur verschiebt, aber nicht löst. In diesem Fall ist es schon die nächste Generation, die mit Milliarden büßen muss für die Leichtfertigkeit von Experten und Regierenden. Und womöglich ist das noch günstig - verglichen mit einer Vergiftung des Grundwassers, falls die Fässer geblieben wären, wo sie sind.
Wichtiger noch sind aber die Lehren für den Umgang mit der Öffentlichkeit, insbesondere mit jener vor Ort. Verdunkelung war über Jahre die Strategie von Betreiber und Regierenden, die Asse sollte sich mit der Zeit still selbst erledigen. Zwar wurden ganze Schulklassen durch die Stollen geschleust - aber Probleme? Keine Spur.
Noch vor drei Jahren plädierte ein Unions-Abgeordneter im Bundestag wörtlich für die Lösung "Klappe zu, Affe tot". Fast wäre es so gekommen. Nur wäre die kritische Öffentlichkeit damit nicht verstummt, im Gegenteil.
Wer mit Langzeit-Risiken wie dem Atommüll verantwortungsvoll umgehen will, wird so im 21. Jahrhundert nicht mehr agieren können. Er wird Bürger in alle wesentlichen Entscheidungen einbeziehen müssen. Vertrauen, nicht Vertuschung ist die Grundlage für Akzeptanz. Der Bund wird sehr bald zeigen können, ob er diese Lektion aus der Asse gelernt hat - wenn er die Arbeiten am Salzstock Gorleben wieder aufnimmt. Die Vorgeschichte Gorlebens ist in mancher Hinsicht nicht besser als die der Asse.
Insofern ist die Entscheidung, die strahlende Fracht aus der Asse wieder herauszuholen, ein wichtiger Schritt. Eine Bundesregierung hat die Entscheidung für die Asse in den Sechzigern getroffen, eine Bundesregierung muss nun die Konsequenzen ziehen.
Der Bund allerdings ist nicht der Einzige, der Verantwortung trägt. Auch die deutsche Energiewirtschaft profitierte über Jahre von der billigen Entsorgung im Salzstock. Sie an den Kosten nachträglich zu beteiligen, wird nicht leicht - aber es wäre folgerichtig.
Ob es gelingt, die Versäumnisse in der Asse zu tilgen, wird sich allerdings erst zeigen müssen. Zu ungewiss ist der Zustand der Fässer, ganz zu schweigen von ihrem Inhalt. Menschen werden diese Fässer bergen müssen, sie werden sich damit womöglich in Gefahr bringen. Schade, dass die Experten von einst nicht mehr mithelfen können.
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(SZ vom 16.1.2010)
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Politiker und ihre Pannen
"Schade, dass die Experten von einst nicht mehr mithelfen können."
Manche könnten schon, z.B. die damalige Umweltministerin, Frau Dr. Merkel.
Die "wissenschaftliche" Erforschung der Endlagerung war genau so wissenschaftlich wie der japanische Walfang - nur mit dem Unterschied, dass man radioaktive Abfälle nicht essen kann.
Achwas, "Lehrstück". Seit ich bewusst Zeitung lese, also seit 50 Jahren, hab ich dies Wort schon so oft... Schon mal bemerkt, Herr Bauchmüller, dass niemand daraus jemals "Lehren" zog?
BZ, 9. Juli 1964
Leserbrief von Walter Randig, Lehrer in Gr. Vahlberg
Ahnungslose Fachleute
In Ihrer Niedersachsenschau vom 13. und 14. Juni berichten Sie in dem Artikel Salzbergwerk soll Atommüll aufnehmen zum Schluß: Seit hunderttausend Jahren ist hier keine Wasser hineingekommen, also wird man auch in Zukunft nicht damit rechnen brauchen, sagen die Fachleute von der hannoverschen Bundesanstalt.
Wie ahnungslos sind doch diese Fachleute. Die beiden Nachbarschächte der Asse (Schacht 1 und 3) sind bereits abgesoffen. Viele Quellen sind stark salzhaltig. Auch der in Frage kommende Asseschacht hat bereits einen kleinen Wassereinbruch, der bisher laufend unter Kontrolle gehalten werden mußte.
Hoffentlich werden die Gemeinderäte der Assedörfer und die Aufsichtsorgane des Landkreises Wolfenbüttel sehr gewissenhaft dieses Projekt verfolgen. Wenn das Grundwasser durch den Atommüll verseucht ist, dürfte es für Überlegungen zu spät sein.
www.spurensuche-meinung-bilden.de/index.php?id=4&topic=1&key=2
hochinteressante Seite, die die Vertuschungspolitik der sogenannten Experten, der unbedingte Wille, die Technologie gegen den Widerstand der Bevölkerung durchzusetzen und ihre anhaltende Verdummungsstrategie aufzeigt
Vor über hundert Jahren trieben Bergleute einen ersten Schacht in die Asse, um Salz abzubauen. Der erste Schacht soff, wie die Kumpels sagen, bald ab, weil Wasser ins Bergwerk kam. 1906 trieben die Bergleute an anderer Stelle einen neuen Schacht in den Hügel, eben Asse II. Zuerst holten sie Kali¬salz aus dem Boden, das sich als Dünger verkaufen liess, später gewannen sie Steinsalz. 1964 rentierte auch das nicht mehr, die Zeche wurde geschlossen.
Da kaufte die Gesellschaft für Strahlenschutz im Auftrag des Bundes das Salzbergwerk mit allem Drum und Dran und dem Ziel, die sogenannte «Tiefenlagerung» auszuprobieren. 1967 kamen die ersten gelben Fässer an - man nannte es «Versuchseinlagerung von schwachradio¬aktiven Abfällen». Offiziell war die Asse nie ein Endlager, sondern immer nur ein Bergwerk. Und das ist sie bis heute geblieben, was zur kuriosen Situation führt, dass das Endlager, das rechtlich keines ist, nicht dem Atomrecht, sondern dem Bergrecht untersteht.
Bis 1978 wurden 125 000 Fässer mit schwachaktiven und 1300 Fässer mit mittelaktiven Abfällen in die unterirdischen Hallen gestellt. Platz hat es genug im Salzstock, der einem Hochhaus im Berg gleicht: 3,5 Millionen Kubikmeter Hohlraum auf zwanzig Etagen.
1976 trat in Deutschland das revidierte Atomgesetz in Kraft, das den Begriff Endlagerung erstmals juristisch fasste. Damit war klar: Ein Endlager muss ein Bewilligungsverfahren durchlaufen - ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren -, bei dem die Bevölkerung ein beschränktes Mitspracherecht geniesst.
Die GSF hatte noch die Bewilligung, bis 1978 Atommüll in der Asse einzulagern. Danach hätte auch die Asse das übliche Atomverfahren durchlaufen müssen. Die GSF verzichtete darauf und beschloss, die Asse stillzulegen - unter Bergrecht, nicht unter Atomrecht. ..... woz.ch vom 17.07.08
Ich frage mich, wo bei diesem Artikel die Atomenergie Verfechter sind. Wie passt das in die Bilanz der sauberen und vor allem billigen Atomenergie?
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