Coca-Cola Klebrige Argumente

Coca-Cola spricht sich von der Verantwortung für Fettleibigkeit frei. Nicht die Limo mache dick, sondern der Bewegungsmangel. Ernährungsexperten kritisieren die Botschaft.

Von Kathrin Zinkant

Man kann vieles über die klebrig-braune Brause namens Coca-Cola sagen. Dass sie jemals einer für gesund gehalten hätte, eher nicht. Geliebt und getrunken wurde - und wird - sie trotzdem. Doch die Zeiten sind härter geworden für Coca-Cola, vor allem wegen des hohen Zuckergehalts. Die Diskussion über Werbeverbote und Limonadensteuern lässt die Umsätze sinken. Das öffentliche und politische Bewusstsein für die Gesundheit wächst.

Wohl deshalb betreibt der Konzern in den USA jetzt eine neue Strategie, um seine Klientel bei Trinklaune zu halten: Statt bloß die Marke zu pflegen, sponsert das Unternehmen ein Forschungsgremium. Es heißt Global Energy Balance Network. Und wie es der Zufall will, propagieren die honorigen Experten des Forschungsverbundes eine brausefreundliche Botschaft: Nicht die Limo macht nämlich dick, sondern der Bewegungsmangel. Wer würde das nicht gerne glauben? Viele Leute möchten guten Gewissens ihr Fast Food futtern und ihre Coke trinken, die je Liter immerhin 420 Kilokalorien liefert. Aus purem Zucker. Dafür müssen sich diese Menschen halt etwas mehr bewegen. Schon stimmt die Energiebilanz.

Leider haut diese Rechnung nicht ganz hin. Erst recht nicht, wenn es um überflüssige Pfunde geht. Die betreffen nicht mehr nur die übergewichtigen zwei Drittel der US-amerikanischen Bevölkerung, sondern auch mehr als die Hälfte der Deutschen. "Wer abnehmen möchte, dem kann Bewegung zwar helfen", sagt Matthias Schulze, Professor am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke. "Aber es funktioniert vor allem, wenn auch die zugeführte Energiemenge reduziert wird." Zum Beispiel, indem man auf zuckerhaltige Getränke verzichtet - mit denen die Europäer nach Aussage von Schulze längst ein ähnliches Problem haben wie die Amerikaner. Weshalb auch sie immer dicker werden.

Mit Bewegung lässt sich das Problem also nicht lösen. Das sagt auch Marion Nestle, eine der angesehensten Ernährungsforscherinnen weltweit. "Unsere Erkenntnisse sind da eindeutig. Normaler Sport ist nicht genug, um eine übermäßige Energiezufuhr auszugleichen", sagt die Professorin von der New York University. Nicht zuletzt zeigen das Studien, in denen Übergewichtige durch Sport versuchten abzunehmen. Vergeblich. Und dass zuckerlastige Getränke dick machen, haben gerade jene Untersuchungen belegt, die nicht von der Industrie finanziert waren.

Dabei hat Coca-Cola den Zusammenhang zwischen Zucker und Dicksein längst anerkannt. Mit seinen Produkten. So sind auch deutsche Supermarktregale seit dem Frühjahr mit Cola-Cola life bestückt, einer Variante des Klassikers, die mit Süßstoff ergänzt ist und laut Konzern "für den typisch erfrischenden Coke-Geschmack" steht - "jedoch mit weniger Kalorien". Aber wozu, wenn die Kalorien eh nicht das Problem sind?

Nestle und Schulze jedenfalls warnen sowohl vor der irreführenden Botschaft des Global Energy Balance Network, als auch vor der irrigen Annahme, ein bisschen weniger Zucker verwandle die Kalorienbombe Cola in ein Gesundheitsgetränk. "Diese Getränke sind immer noch sehr energiereich", sagt Schulze. "Und sicher sind sie keine gesunde Alternative."