Burkina Faso Afrikanische Union stellt Militärjunta Ultimatum

Soldat in Ouagadougou.

(Foto: dpa)
  • Afrikanische Union gibt Burkina Faso zwei Wochen Zeit, eine zivile Regierung einzusetzen und droht mit Sanktionen.
  • Nach dem Umsturz in Burkina Faso hat die Armee baldige Wahlen versprochen.
  • Tausende demonstrieren am Wochenende gegen die Machtübernahme des Militärs. Dabei kommt ein Mensch ums Leben.

Afrikanische Union droht mit Sanktionen

Nach der Machtübernahme durch das Militär in Burkina Faso hat die Afrikanische Union (AU) dem westafrikanischen Land ein Ultimatum gestellt. Wenn nicht innerhalb von zwei Wochen eine zivile Regierung eingesetzt werde, dann drohten dem Land Sanktionen - darunter eine Aussetzung der Mitgliedschaft in der Staatengemeinschaft. Dies teilte der AU-Friedens- und Sicherheitsrat (PSC) nach einem Treffen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba mit.

"Wir sind überzeugt, dass der Wechsel an der Regierungsspitze nicht demokratisch vollzogen wurde. Das Militär hat den Druck der Bevölkerung dazu genutzt, die Macht zu übernehmen", sagte Simeon Owono Esono, der dem PSC derzeit vorsteht.

International hatte der Putsch für Kritik gesorgt: Washington forderte umgehend freie und faire Präsidentenwahlen. In einer Erklärung der Europäischen Union heißt es, dass in Burkina Faso über eine zivile Übergangsregierung dafür sorgen müsse, dass "schnellstmöglich demokratische Wahlen" abgehalten werden. Die deutsche Bundesregierung appellierte an die Armee, die Macht unverzüglich an die verfassungsmäßigen Staatsorgane zurückzugeben.

Militär in Burkina Faso verspricht Wahlen

Nach dem Umsturz in Burkina Faso hat die Armee einen "friedlichen, demokratischen Übergang" versprochen. Das kündigte der Militärmachthaber Oberstleutnant Isaac Zida, der das westafrikanische Land als Übergangspräsident führen soll, in einer Mitteilung an.

Der Oberst Auguste Barry sprach von einer Einheitsregierung: Ein "Übergangsgremium" werde einberufen, um die Neuordnung zu organisieren, erklärte er nach Gesprächen mit Oppositionsvertretern.

Toter bei Demonstrationen

Am Sonntag waren Tausende Menschen in der Hauptstadt Ouagadougou auf die Straßen gegangenen, um gegen den Aufstieg eines weiteren Militärvertreters an die Spitze der Regierung zu protestieren. Sie forderten die Wiedereinführung einer zivilen Regierung.

Soldaten gaben laut Medienberichten Warnschüsse ab, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Am Abend wurde am Sitz des nationalen Rundfunks ein junger Mann erschossen. Die Hintergründe waren zunächst unklar. Die Armeeführung erklärte, vermutlich sei dies auf einen Querschläger zurückzuführen. Die Armee hatte zuvor die Rundfunkanstalt besetzt.

Zorn der frustrierten Jugend

Indiz für einen "afrikanischen Frühling"? Der Ausgang des Umsturzes in Burkina Faso ist noch ungewiss - aber das dortige demokratische Selbstbewusstsein und die Überwindung von Obrigkeitsdenken sind beeindruckend. Von Tobias Zick mehr ... Kommentar

Rücktritt nach 27 Jahren, Machtübername der Armee

Der bisherige Staatschef Blaise Compaoré war am Freitag nach Protesten gegen eine geplante Verfassungsänderung zurückgetreten, die ihm nach 27 Jahren an der Macht eine weitere Amtszeit ermöglichen sollte. Der 63-Jährige setzte sich in die benachbarte Elfenbeinküste ab. Die Verfassung in Burkina Faso schreibt vor, dass im Fall eines Rücktritts des Präsidenten der Parlamentspräsident dessen Amt übernimmt. Oberstleutnant Zida hatte allerdings die Verfassung am Freitag für ausgesetzt geklärt und sich am Samstag selbst zum Staatschef erklärt.

Von den 17 Millionen Einwohnern in Burkina Faso lebt die Hälfte unter der absoluten Armutsschwelle. Das Land ist fast ausschließlich auf die Landwirtschaft angewiesen. Jugendarbeitslosigkeit und Analphabetismus sind weit verbreitet.