Bundeswehr-Einsatz in Türkei Wehrbeauftragter klagt über Missstände

Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte am 24. Februar die rund 300 deutschen Soldaten im südtürkischen Kahramanmaras.

(Foto: dpa)

Maßregelungen, Schimmel in den Unterkünften, unhaltbare Zustände im Sanitärbereich. Der Wehrbeauftragte der Bundesregierung sieht erhebliche Missstände beim Bundeswehr-Einsatz in der Türkei. Besonders die Zusammenarbeit mit der türkischen Seite werde "überwiegend als problematisch empfunden".

Von Christoph Hickmann, Berlin

Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus sieht erhebliche Missstände beim Bundeswehr-Einsatz in der Türkei. In einer der Süddeutschen Zeitung vorliegenden Unterrichtung des Verteidigungsausschusses schildert er Eindrücke von einem Truppenbesuch vor wenigen Tagen.

Die Zusammenarbeit mit der türkischen Seite werde "überwiegend als problematisch empfunden" heißt es darin. Während des Besuchs von Verteidigungsminister Thomas de Maizière habe ein türkischer General eine deutsche Soldatin geschubst, die den Verkehr der Delegationsautos habe regeln wollen. Sie habe danach über Prellungen geklagt.

Die türkische Armee unterbinde nach dem Eindruck der deutschen Soldaten zudem systematisch den Kontakt zwischen ihren Soldaten und den Deutschen. Wer Kontakt aufnehme, werde "gemaßregelt", heißt es in dem Bericht über die Zustände in Kahramanmaras, wo derzeit Bundeswehrsoldaten stationiert sind, um die Türkei mit Patriot-Flugabwehrraketen vor Angriffen aus dem benachbarten Syrien schützen.

Die Zustände im Sanitärbereich der türkischen Kaserne bezeichnet der Wehrbeauftragte als "unhaltbar". Zudem habe ein Soldat von "streunenden Hunden" berichtet, "die durch die türkischen Soldaten erschossen, aber nicht geräumt würden". Bei der Besichtigung einer für die deutschen Soldaten renovierten Unterkunft sei aufgefallen, "dass in manchen Stuben Schimmel an der Wand nicht beseitigt, sondern nur übertüncht worden war".