Bundespräsident wegen Privatkredit in Bedrängnis Wulff weist Vorwurf der Täuschung zurück

Ja, er hat sich Geld geborgt. Nein, er will das Parlament nicht getäuscht haben: Bundespräsident Christian Wulff bestätigt, als Ministerpräsident von Niedersachsen ein Privatdarlehen bei einer Unternehmergattin aufgenommen zu haben. Dass er im Landtag eine "geschäftliche Beziehung" zu der Firma verneint habe, sei jedoch korrekt gewesen, sagt sein Sprecher.

Christian Wulff bereist die Golfstaaten, zum Abschluss steht ein Besuch in Kuwait auf dem Programm. Niedersachsen ist weit weg, und doch muss sich der Bundespräsident an diesem Dienstag zu seiner Vergangenheit als Ministerpräsident des Bundeslandes äußern.

Es geht um den Vorwurf, er habe 2010 im Landtag eine Frage der Opposition nicht wahrheitsgemäß beantwortet. Einem Bericht der Bild-Zeitung zufolge soll Wulff dem Parlament verschwiegen haben, dass er und seine Frau Bettina von der Gattin des Osnabrücker Unternehmers Egon Geerkens ein Darlehen über eine halbe Million Euro erhalten hatten.

Wulffs Sprecher Olaf Glaeseker bestätigt in Kuwait, dass "eine Vereinbarung mit Frau Edith Geerkens über ein Darlehen aus ihrem Privatvermögen" bestanden habe. "Geschäftliche Beziehungen" zum Unternehmen ihres Mannes habe es aber nicht gegeben. Insofern habe Wulff die damalige Anfrage der Opposition "korrekt beantwortet".

Umstrittener Urlaub

2009 hatte Wulff seinen Weihnachtsurlaub in Florida in der Villa des mit ihm lange befreundeten Unternehmers Egon Geerkens aus Osnabrück verbracht. Der Flug dorthin brachte Wulff die Air-Berlin-Affäre ein, weil er und seine Frau Bettina sich von der Fluggesellschaft kostenlos von der Economy- in die Business-Class hatten hochstufen lassen.

Zwei Landtagsabgeordnete der Grünen fragten Wulff daraufhin, ob er zu Geerkens oder dem damaligen Air-Berlin-Chef Joachim Hunold geschäftliche Beziehungen unterhalten habe. Daraufhin ließ dieser am 18. Februar 2010 im Landtag erklären: "Zwischen Ministerpräsident Wulff und den in der Anfrage genannten Personen und Gesellschaften hat es in den letzten zehn Jahren keine geschäftlichen Beziehungen gegeben."

Der Bild-Zeitung zufolge hatte Wulff mit Geerkens Ehefrau im Oktober 2008 einen privaten Kreditvertrag über 500.000 Euro zu einem Zinssatz von vier Prozent geschlossen. Wulffs Sprecher Glaeseker machte über die Höhe des Kredits keine Angaben, er bestätigte aber die Angaben zum Zinssatz. Mit dem Geld hätten die Wulffs ein Einfamilienhaus gekauft.

Die fälligen Zinsen seien fristgerecht gezahlt worden. Im Frühjahr 2010 sei das Privatdarlehen durch eine Bankfinanzierung mit niedrigerem Zinssatz abgelöst worden, erklärte Glaeseker.