Bürgermeister Herbert Napp Nichtraucher stoppen den "Vesuv von Neuss"

Herbert Napp wurde das Rauchen in seinem Büro verboten.

(Foto: Stadt Neuss)

Seit 15 Jahren raucht der Bürgermeister von Neuss in seinem Amtszimmer. Sehr zum Ärger einer Nichtraucherinitiative, die sich darüber bei der Bezirksregierung Düsseldorf beschwerte - und Recht bekam. Doch Herbert Napp will sich das Qualmen nicht verbieten lassen.

Von Josh Groeneveld

An der Tür des Bürgermeisterbüros hängt seit kurzem eine Plakette mit der Aufschrift: "Herberts Havanna Lounge". In dieser Lounge sitzt, arbeitet und vor allem qualmt CDU-Mann Herbert Napp - seit 15 Jahren schon. Der Bürgermeister von Neuss liebt das Rauchen so sehr, dass er aus seinem Dienstzimmer ganz offiziell ein Raucherzimmer machte. Der Initiative "Pro Rauchfrei" gefiel das überhaupt nicht, sie verpasste dem 66-Jährigen kurzerhand den Namen "Vesuv von Neuss" und reichte Beschwerde bei der Bezirksregierung Düsseldorf ein.

Besucher des Bürgermeisterbüros seien erheblichen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt, beklagte die Nichtraucher-Initiative. Die Anmeldung des Bürgermeisterzimmers als Raucherzimmer empfinden die Lobbyisten gar als gesetzeswidrig. Die Bezirksregierung gab der Beschwerde statt: Dem Bürgermeister soll das Rauchen in seinem Arbeitszimmer jetzt verboten werden.

Siegfried Ermer, Vorsitzender von "Pro Rauchfrei", freut diese Entscheidung: "Wir haben nichts anderes in einem Rechtsstaat erwartet. Entweder Gesetze gelten für alle, oder wir haben eine Zweiklassengesellschaft, in der König Napp auch über rote Ampeln fährt."

Napp, leidenschaftlicher Raucher seit 49 Jahren, will das Verbot nicht hinnehmen und die Entscheidung aus Düsseldorf rechtlich prüfen lassen. In der Neuss-Grevenbroicher Zeitung kündigte er an, wohlmöglich einen Teil seiner Arbeit aus dem "raucherfreundlichen Eigenheim" zu erledigen. "Ich habe ein freies Mandat", sagte er dem Blatt, "aber das kapieren die bei der Bezirksregierung nicht."

Ein Ende der Neusser Lokalposse scheint noch lange nicht in Sicht. Vielmehr droht ein Rechtsstreit, der sich auf unbestimmte Zeit hinziehen könnte. Napp kündigte an, das Rauchen nicht auf den Balkon verlegen zu wollen. Stattdessen machte er einen anderen Vorschlag: "Eine rheinische Lösung, bei der ich mich bei offenem Fenster ans Stehpult stelle, um meine Akten zu bearbeiten und genüsslich eine Zigarette zu rauchen."