Botschafterin im Vatikan Konservative Katholiken sehen Schavans Berufung als "Provokation"

Soll neue Botschafterin im Vatikan werden: die ehemalige Bildungsministerin Annette Schavan (CDU).

"Ein Affront": Das konservative "Forum Deutscher Katholiken" wettert gegen die geplante Ernennung von Ex-Bildungsministerin Schavan zur deutschen Botschafterin beim Heiligen Stuhl. Vor allem Schavans Haltung zur Pränataldiagnostik erregt die Konservativen.

Die Mitteilung aus dem Bundestagsbüro von Annette Schavan war kurz und sachlich: "Ja, ich bin gefragt worden und habe der Bundesregierung gesagt, dass es mir eine Freude und Ehre wäre, die Aufgabe einer Botschafterin beim Heiligen Stuhl zu übernehmen." Die ehemalige Bundesbildungsministerin (CDU) soll als Botschafterin in den Vatikan wechseln. Ein "förmlicher Beschluss" des Bundeskabinetts stehe dem Regierungssprecher Steffen Seibert zufolge aber noch aus.

Auf harsche Kritik stößt die Personalie beim konservativen "Forum Deutscher Katholiken": Die geplante Ernennung sei "eine Fehlentscheidung" und "ein Affront gegenüber dem Heiligen Stuhl", heißt es in einer Presseerklärung, die Hubert Gindert, der Vorsitzende des Forums Deutscher Katholiken unterzeichnte hat. Die katholische Kirche und viele Bürger würden eine solche Entscheidung "als Provokation" empfinden.

Sie habe als Vizepräsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken in wichtigen Fragen Entscheidungen gegen die Lehre der katholischen Kirche gefällt: Unter anderem habe sie die "Forschungsfreiheit über das Lebensrecht von Embryonen gestellt". Schavan befürworte "Donum vitae" und die "pränatale Diagnostik". Darüber hinaus sei ihr der Doktorgrad "wegen massiver Täuschungen aberkannt worden".

Das "Forum Deutscher Katholiken" gilt als rechtsklerikal. Es hatte sich beispielsweise hinter den früheren Augsburger Bischof Walter Mixa gestellt, als dieser seine umstrittenen Äußerungen zu Frau und Familie tätigte. Im Kuratorium sitzen unter anderem der Kölner Kardinal Joachim Meisner sowie der CSU-Politiker Norbert Geis.

Schavans Klage gegen Titelentzug läuft noch

Schavan hatte vor einem Jahr wegen einer Plagiatsaffäre ihren Doktortitel verloren. Die Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trat damals als Ministerin zurück, obwohl sie den Vorwurf bestritt. Ihre Klage gegen die Aberkennung ihres Titels läuft noch immer - am 20. März wird ihr Fall vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht verhandelt.

Wann Schavans Wechsel zum Vatikan beschlossen werden soll, steht noch nicht fest. Mit dem Ausscheiden des derzeitigen Botschafters Reinhard Schweppe im Sommer soll die 58-jährige CDU-Politikerin nach Rom gehen. Damit kehrt Schavan dem Bundestag den Rücken.

Schavan ist katholische Theologin und war 14 Jahre lang bis 2012 stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU. Sie sitzt seit 2005 im Bundestag und war von da an bis 2013 Bundesbildungsministerin. Zuvor war sie zehn Jahre lang Kultusministerin in Baden-Württemberg.

Regierungssprecher Seibert hatte Schavan als engagierte und profilierte Katholikin bezeichnet, "deren Stimme in allen Diskussionen um Glaube und Kirche heute zu vernehmen war". Dass sie Deutschland künftig beim Heiligen Stuhl vertreten soll, sei bei den Koalitionsgesprächen besprochen worden. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, es gebe "keine Zweifel, dass es sich um einen guten Plan und eine gute Wahl handelt".