Wechsel nach Rom Schavan soll deutsche Botschafterin im Vatikan werden

Annette Schavan soll als Botschafterin in den Vatikan wechseln

Neue Aufgaben für Annette Schavan: Die ehemalige Bildungsministerin soll neue "Botschafterin beim Heiligen Stuhl" werden. Der derzeitige Vertreter im Vatikan geht im Sommer in den Ruhestand - dann wäre der Weg frei für die CDU-Politikerin.

Von Robert Roßmann, Berlin

Es gibt deutlich unattraktivere Posten als die deutsche Vertretung im Vatikan. Man residiert im schönen Rom. Der Titel ist einzigartig: "Botschafter beim Heiligen Stuhl". Und in Franziskus hat man es mit einem der interessantesten Staatschefs der Welt zu tun. Dieser Papst schmückt inzwischen ja sogar das Cover des Rolling Stone. Annette Schavan hat also allen Grund zur Freude.

Die ehemalige Bildungsministerin soll nach Informationen der Süddeutschen Zeitung neue Botschafterin beim Vatikan werden. Der derzeitige Vertreter Deutschlands, Reinhard Schweppe, wird im April 65. Er soll im Sommer in den Ruhestand versetzt werden. Dann ist der Weg frei für Schavan. Ein Jahr nach ihrem Rücktritt wegen der Plagiatsaffäre hätte sie eine neue Aufgabe.

Offiziell bestätigen will die Regierung den Wechsel Schavans nach Rom noch nicht. Das Kanzleramt und das Auswärtige Amt geben auf Nachfrage nur ausweichende Antworten. Und Schavan selbst will öffentlich gar nichts dazu sagen.

Dass sich Bundesregierung und Ex-Ministerin so verschwiegen geben, liegt an dem komplizierten Prozedere, das einer Ernennung vorausgeht. Ein Botschafter ist der persönliche Vertreter des Bundespräsidenten beim Staatsoberhaupt im Gastland. So jemand wird nicht leichtfertig ausgewählt. Zunächst muss das Auswärtige Amt einen Vorschlag machen. Dann entscheidet das Bundeskabinett. Zu dieser Entscheidung holt es das Plazet des Bundespräsidenten ein. Außerdem fragt das Auswärtige Amt im "Empfängerstaat" nach, ob dieser der Berufung zustimmt. Wenn dieses "Agrément" vorliegt, ernennt der Bundespräsident den Botschafter.

Schavan müsste ihr Bundestagsmandat niederlegen

Vorschnelle öffentliche Erklärungen stören bei derart komplexen Abläufen nur. Außerdem soll die CDU-Basis in Schavans Wahlkreis Ulm nicht aus der Zeitung von den Plänen erfahren. Schavan müsste ihr direkt errungenes Bundestagsmandat wegen der neuen Funktion ja niederlegen.

Als Botschafterin wäre Schavan eine ungewöhnliche, aber vermutlich keine schlechte Besetzung. Die Frau ist zwar keine gelernte Diplomatin. In ihren 18 Jahren als Ministerin in Land und Bund zeichnete sie sich aber durch ein gehöriges Maß an Diplomatie aus. Anders hätte sie sich auch nicht so lange halten können. Der deutsche Bildungsföderalismus ist an Fallstricken mindestens so reich wie die römische Kurie.

Ein Jahr nach ihrem Rücktritt als Bildungsministerin warten nun neue Aufgaben auf die CDU-Politikerin Schavan.

Schavan ist - anders als die letzten vier deutschen Vatikan-Botschafter - Katholikin. Bis zu ihrer Wahl in den Bundestag war sie sogar Vizepräsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken. Das gute Verhältnis zur Kanzlerin dürfte Schavan auch nicht schaden, die beiden gelten als enge Freundinnen. Angela Merkel ist ihrer ehemaligen Ministerin dankbar, dass sie in der Plagiatsaffäre nach einigem Zögern doch noch von sich aus gegangen ist.

Eine Pionierin wird Schavan allerdings nicht sein. Vor ihr durfte schon einmal ein zurückgetretener CDU-Politiker einen zweiten Frühling als Botschafter erleben: Ex-Bundestagspräsident Philipp Jenninger wurde in den Neunzigerjahren erst deutscher Vertreter in Österreich - und dann im Vatikan.