Ein Kombi-Bahnhof statt S21? Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer spricht sich für den Vorschlag von Heiner Geißler aus, den Stuttgarter Hauptbahnhof nur teilweise unter die Erde zu verlegen. Der Wortführer der S21-Gegner lobt, das Konzept des Schlichters sei "leistungsfähiger und pünktlicher".
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hat 174 Zeilen zur Mittwochsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beigetragen - und die Diskussion um Stuttgart 21 um eine Meinung reicher gemacht. Palmer befasst sich in einem Gastbeitrag mit der Idee des Schlichters und des Züricher Verkehrsexperten SMA, statt Stuttgart 21 einen kombinierten Kopf- und Tiefbahnhof zu bauen. Das Fazit des Grünen-Politikers: Der Kompromiss des Schlichters sei "billiger und doppelt so gut".
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Tübinger Oberbürgermeister, Grünen-Politiker und Wortführer der S21-Gegner: Boris Palmer votiert für den von Heiner Geißler vorgeschlagenen Kombi-Bahnhof. (© dpa)
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Der Kombi-Bahnhof biete "fünfzig Prozent breitere Bahnsteige, fast doppelt so viele nutzbare Gleise und ist pünktlicher und leistungsfähiger als Stuttgart 21", schreibt Palmer. "Im Gegensatz zum Projekt der Bahn bieten SMA und Geißler vertaktete Anschlüsse für das ganze Land und wirklich schnelle Fahrten durch Stuttgart, statt Wartezeiten im Tunnel." Es würde "sich lohnen, die Gutachten aus der Schweiz genauer zu studieren".
Am Ende der Präsentation der Stresstest-Ergebnisse von Stuttgart 21 hatte Geißler zur Verblüffung von Projektgegnern und -befürwortern ein Papier mit dem Titel "Frieden für Stuttgart" vorgelegt. Darin plädiert er dafür, einen Kombi-Bahnhof als Alternative zu S21 in Betracht zu ziehen. Gemeinsam mit den Stresstest-Gutachtern aus der Schweiz stellte er sein Konzept vor, wonach der Fernverkehr unter die Erde verlegt, Regionalzüge jedoch weiterhin in einen verkleinerten Kopfbahnhof einfahren sollen.
Weniger Gleise und geringere Kosten
Das auch als "Züricher Modell" bekannte Konzept hat halb so viele unterirdische Gleise wie S21 (vier statt acht), der bestehende Kopfbahnhof soll von aktuell 16 auf zehn oder zwölf Gleise zurückgebaut werden. Die Kosten werden mit 2,5 bis drei Milliarden Euro angegeben (statt 4,1 bei S21), die Zahl der "unterirdischen Verzweigungsbauwerke" sinkt von zwölf auf vier. Der Südflügel könne bestehen bleiben, es würden weniger Parkflächen beansprucht und das heutige Bahnhofsgebäude behalte seine Funktionen, heißt es in dem Papier.
Die Reaktionen waren verhalten. Volker Kefer, Technik-Vorstand der Bahn, betonte, S21 habe den Stresstest bestanden und der Konzern werde "jetzt ganz normal in unserem Projekt weitermachen". Landesverkehrsminister Winfried Hermann von den Grünen kündigte eine "ernsthafte Prüfung" an, während der Koalitionspartner SPD ablehnend reagierte. Das Aktionsbündnis gegen S21 verlangte einen unmittelbaren Bau- und Vergabestopp, was Geißler als "indiskutabel" zurückwies.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nannte den Vorschlag "uralt" und erinnerte daran, dass ein ähnlicher Vorschlag in den neunziger Jahren verworfen wurde. An den Gegenargumenten hat sich seit damals tatsächlich nichts verändert: Die von den S21-Gegnern befürchteten Probleme etwa beim Tunnelbau und beim Grundwasser blieben gleich, sagte der ehemalige S21-Projektsprecher Wolfgang Drexler der Süddeutschen Zeitung. Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) monierte, die "städtebauliche Chance" sei beim Kombi-Bahnhof gering, weil im Vergleich zum Tiefbahnhof nur ein kleines Gleisfeld frei werde.
Viel Kritik an der Bahn
Palmer ist somit der erste Teilnehmer der Schlichtungsrunde, der sich ausschließlich positiv zum Vorschlag des Schlichters äußert. Allerdings nimmt sein Votum in dem FAZ-Gastbeitrag eine eher kleine Rolle ein. Den meisten Platz verwendet der Grünen-Politiker und Wortführer des S21-Widerstands darauf, der Bahn Schummelei beim Stresstest vorzuwerfen - was die Bahn stets vehement zurückgewiesen hat.
Der Konzern habe die Leistung des künftigen Tiefbahnhofs "um fast jenes Drittel nach oben geschraubt, das sie als Zuwachs gegenüber dem bestehenden Kopfbahnhof nachweisen sollte", klagt Palmer. Zudem habe die Bahn "vorab eigenmächtig die Bewertungsskala für den Test" verändert. Um die Differenzen zwischen der Realität und dem Modell zu überwinden, unterstelle sich die Bahn selbst "eine Präzision, die man gern auch nur einen Tag als Kunde erleben würde".
Im Hinblick auf den von Geißler und SMA vorgeschlagenen Kombi-Bahnhof schlussfolgert Palmer: "Mit so einem ausgereiften Projekt hätte sich die Bahn nicht durch den Stresstest schummeln müssen."
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(sueddeutsche.de/mikö/woja)
Protest gegen dritte Startbahn
... das man in der schweizer Presse detailiertere und objektivere Informationen über S21 finden kann, als in der deutschen Presse.
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/geisslers_plan_als_test_fuer_die_deutsche_streitkultur_1.11709295.html
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/wie_geissler_zu_seinem_kompromiss_kam_1.11760465.html
Und eine Gegenüberstellung:
http://www.ingenieure22.de/publikationen/S21K21_Gegenueberstellung.pdf
http://www.ingenieure22.de/
Das leuchtet mir sofort ein, denn 1. man muss weniger in der Erde rumbohren und 2. auf dem Kopfbahnhof blieben mehr als genug Gleise übrig, daß eine Verspätung an einer Stelle nicht gleich große Auswirkung auf die anderen Verbindungen hätte und weitere Verspätungen nach sich zieht. Es ist sogar möglich, meine ich, dass es an dem Kopfbahnhof zu überhaupt keinen Verspätungen kommt, vorausgesetzt, die Bahn macht vernünftige Fahrpläne.
Die sonstigen Gegenargumente halte ich allesamt für irrelevant und an den Haaren herbeigezogen.
Ramsauer: "das ist ein alter Hut und von der Bahn bereits abgelehnt."
Das ist nicht überzeugend, denn die Bahn verfolgt schon lange nicht mehr die Interessen der Bahnkunden sondern die der großen und besten Geschäftemacher.
"Der ganze Planungs- und Genehmigungsprozess müsse von vorn anfangen und würde wieder Jahre dauern."
Alles Quatsch! Wenn die Genehmigungen für ein großes Tunnel jetzt endlich vorliegen, dann dürften sie doch wohl für ein kleineres, welches weniger Einschränkungen der Anlieger bedeutet, auch gelten. Und nachdem die jahrelangen milliardenschweren Boden- und Grundwasseruntersuchungen gemacht sind, brauchen sie für ein kleineres Projekt wohl nicht nochmals durchgeführt werden.
Und die Planung eines 2-gleisigen Tunnels mit einem 4-gleisigen Bahnhof kann dann doch wohl keine allzu große Sache mehr sein.
"Man verliert das erwartete Baugelände auf den alten Gleisen."
Na und! Ein Neubaugebiet mitten im Zentrum, das vom Autoverkehr sowieso schon zugestunken ist und durch eine weitere Bebauung noch mehr Verkehr anziehen würde, braucht sowieso niemand -- außer den paar Immobilienmaklern, welche gerne bequem nochmals einige hundert Millionen Provisionen verdienen wollen.
Noch ein Vorschlag: man könnte auf den jeweils äußeren Gleiskörpern attraktive Radwege ins Zentrum der Stadt anlegen. Das ist gesund und schon die Umwelt.
Warum wurde dieser Plan, wenn er doch so schon vor Jahren einmal auf dem Tisch lag, damals eigentlich nicht ernsthaft in Erwägung gezogen?
War den Großkopferten vielleicht zu kleinkariert? Hat für die, die sich daran gesund stoßen wollen nicht genug abgeworfen?
"Ich verdiene in meinem Job mehr als die beiden Herren zusammen. "
Mit Ihren Areva Aktien, gell? Muuuhahahaha....
Gute Nacht.
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