Tony Blair in Bedrängnis: Die Eltern gefallener Soldaten wollen ihn leiden sehen. Doch der britische Ex-Premier lässt alle Vorwürfe vor dem Irak-Untersuchungsausschuss von sich abperlen.
Die Geschichte ist nie wählerisch in der Auswahl ihrer Schauplätze, aber einen banaleren Ort als Raum 2/17 im Queen Elizabeth Conference Centre hätte man kaum finden können für ein Ereignis von historischer Tragweite.
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Es braucht lange, bis Tony Blair bei der Befragung seine Nervosität ablegt. So souverän wie gewohnt wird er dennoch nicht. (© Foto: Reuters)
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Es gibt Wohnzimmer, die sind größer als dieser fensterlose, stickige Verhandlungsraum, und es gibt Verhörzellen, die in freundlicheren Tönen gehalten sind als in diesem niederdrückenden Graublau. Unverputzt hängt das Rohrgeflecht der Klimaanlage unter der Decke. Die beiden Fremdenverkehrsschnappschüsse der Londoner Skyline an den Wänden vertiefen eher die Depression, als die Stimmung zu verbessern.
Der Mann, der an den beiden zusammengeschobenen Schulpulten Platz nimmt, hat den Mantel der Geschichte schon immer gespürt. Und historisch ist das Ereignis an diesem Freitag allemal: Tony Blair, einer der erfolgreichsten Premierminister der britischen Geschichte, ist hierher gekommen, um Rechenschaft abzulegen für einen Krieg, der nach Überzeugung vieler Landsleute ungerechtfertigt und unrecht war und für den er maßgeblich Verantwortung trägt.
Seit November tagt die nach ihrem Vorsitzenden benannte "Chilcot Inquiry" in diesem schmucklosen Konferenzzimmer. Ihre Aufgabe, wie sie der pensionierte Regierungsbeamte Sir John Chilcot formuliert, ist es, eine "glaubwürdige Zusammenfassung" all jener Maßnahmen, Entscheidungen und Schritte im Zusammenhang mit der angloamerikanischen Intervention im Irak zu erstellen - von den ersten Plänen und Absprachen 2001 bis zum Abzug des letzten britischen Soldaten im vergangenen Frühjahr. Ein Tribunal, so Chilcot, sei sie nicht.
Keiner im Raum ist so fit wie Blair
150 Sitzungsstunden hat die Kommission schon hinter sich. Blair ist Zeuge Nummer 69, und er hat sich den ganzen Tag freinehmen müssen für die Fragen der fünf Ausschussmitglieder. Niemand im Raum ist so braungebrannt und fit wie er, und kein anderer trägt einen ebenso teuren Anzug: Nüchtern dunkelblau mit weißem Hemd und roter Krawatte. Aufrecht sitzt er da, als wolle er seine Unbeugsamkeit ausdrücken. Es dauert jedoch eine ganze Weile, bevor er seine Nervosität ablegt und nicht mehr fahrig an der Lesebrille nestelt und in seinem Leitzordner blättert, den er mitgebracht hat.
Zu der gewohnten souveränen Selbstsicherheit findet er nie, geschweige denn zu einer großen historischen Geste. Er tritt nicht demütig auf wie sein ehemaliger Außenminister Jack Straw, der es damals Blair und jetzt dem Komitee recht machen will. Aber er stellt auch nicht jene trotzige Arroganz zur Schau, mit welcher sein ehemaliger Spin-Doktor Alastair Campbell der Kommission und der britischen Öffentlichkeit den Atem stocken ließ. Blair ist zurückhaltend, ja fast ein wenig befangen.
Das mag an der Atmosphäre im Raum liegen. Nur 60 Zuschauern bietet er Platz, ein Hohn, wenn man bedenkt, wie sehr der Krieg die Nation gespalten, aufgewühlt und erschüttert hat. Von diesen Plätzen sind 20 reserviert für Soldatenfamilien, die einen Sohn, einen Bruder oder einen Ehemann verloren haben. Die wenigen Plätze mussten in einer Lotterie vergeben werden, der Andrang war so groß gewesen wie für ein Rockkonzert.
Feindseligkeit strömt wie giftiges Gas
Die Regeln verlangen, dass sich die Zuschauer jeder Gefühlsregung enthalten. Zwischenrufe, so steht es auf dem Zettel, den jeder beim Betreten ausgehändigt bekommt, werden mit sofortiger Entfernung aus dem Raum geahndet. Doch die Atmosphäre lässt sich nicht so einfach entfernen. Latente Feindseligkeit strömt das Publikum aus, und sie verbreitet sich wie ein giftiges Gas, das nicht nur Blair zu lähmen scheint, sondern auch seine Inquisitoren.
Blair kann zwar die Zuschauer nicht sehen, die hinter ihm sitzen; aber er wird es spüren, wie sich ihre Blicke in seinen Rücken bohren. Einer von ihnen ist Peter Brierley. Sein Sohn ist bei Basra gefallen, und er ist zu gewisser Berühmtheit gelangt, weil er sich einmal öffentlich weigerte, Blair die Hand zu schütteln. Brierley zieht bittere Befriedigung aus der Tatsache, dass er nun mit dem Premier im selben Raum sitzt.
"Ich will ihm ins Gesicht sehen, und ich will sehen, wie sich Schweißtropfen auf seiner Nase bilden", sagt er vor Beginn der Anhörung.
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Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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Frage, ob es sich um ein Kriegsverbrechen hndelte. Denn die Gemütslage des Herrn Blair interessiert die Leser doch wohl eher weniger.
Wenn es sich aber um Lügen und verbrechen handelte - dann hat das Auswirkungen auf die rotgrüne Regierung, die mit
- Logistik
--AWACS
-Fuchs-Spürpanzern
-Überflugsrechten
- Ersatz-Aktionen wie z.B. bewachung von US-Jasernen
also schlicht als logistischer background an diesem Krieg voll und umfänglich beteiligt war. nur eben nicht mit Fußsoldaten, weil Schröder eine Wahl noch gewinnen wollte.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31964/1.html
Link von Kantorowicz:
Details über den Tod des britischen Mikrobiologen Kelly, der die Berichte der britischen Regierung über die irakischen Massenvernichtungswaffen als aufgebauscht bezeichnete, sollen für 70 Jahre geheim bleiben
Im Mai 2003, nach Beginn des von Bush und Blair herbei gezwungenen Kriegs gegen den Irak, hatte der BBC-Korrespondent Andrew Gilligan berichtet, ein Waffenexperte mit Zugang zu Geheimdienstinformationen habe ihm gesagt, dass die von der britischen Regierung verbreiteten Informationen aufgebauscht (sexed up) worden seien. Besonders ging es um die schon damals eigentlich allen rational denkenden und einigermaßen informierten Menschen grotesk klingende Behauptung in einem Bericht aus dem Jahr 2002, Saddam Hussein könne innerhalb von 45 Minuten Massenvernichtungswaffen zum Einsatz bringen ( Beweise jenseits allen Zweifels ...). Noch schlimmer wurde es allerdings bei dem eilig zusammengeschusterten Bericht vom Februar 2003 ( Geheime Cut-and-Paste-Informationen).
Während heute den Menschen klar ist, wie Bush und Blair die Weltöffentlichkeit belogen haben, um den Irakkrieg in Folge der Anschläge vom 11.9. und über den Umweg des Afghanistan-Kriegs zu legitimieren, hatte diese Information kurz nach Beginn des Krieges für erhebliche Unruhe gesorgt. Das Lügenkonstrukt war zwar deutlich sichtbar ( Nichts als die Wahrheit oder Onkel Powells Märchenstunde?), aber viele Regierungen kuschten vor der Supermacht und spielten mit. Der britische Verteidigungsministerium übte Druck auf die BBC aus, den Informanten zu nennen, was der Sender auch machte. Kelly wurde vor einem Untersuchungsausschuss zitiert, kurz danach wurde der Mikrobiologe David Kelly, der als UN-Waffeninspektor nach dem ersten Irak-Krieg tätig war, tot aufgefunden mit einer durchschnittenen Arterie und einer leeren Schachtel von Schmerzmitteln. .................
Natürlich perlt von Tony B-liar alles ab. Schuld und Scham sind Kategorien, die in den Köpfen solcher Wesen nicht stattfinden. ...
und die solche Charaktere um so geeigneter machen für die grossen Drahtzieher der Kriegsgeschäfte der Eliten
Ist dieser Artikel eine Information? Für mich sind das persönliche Eindrücke eines Menschen, der der Verhandlung inhaltlich nicht hat folgen wollen oder können.
Keine konkreten Aussagen, keine konkreten Fragen, nichts wird wiedergegeben vom Inhalt der Befragung. Nur Atmosphärisches, das ja stets subjektiv ist.
Das ist ein Illustriertenartikel, kein Artikel, der unter dem Namen "Süddeutsche" etwas verloren hat, und schon gar nicht an erster Stelle der Online-Nachrichten.
...aus dem Jahre 2004.Da möchte Angela Merkel George Double-Null Bush in den Allerwertesten kriechen...sie konnte es aber nicht! Denn darin steckte schon der Kopf von Tony Blair!
Paging