Betreuung von Kleinkindern Auf zum nächsten Kraftakt

Untergebracht, aber nicht richtig gefördert: Zwar darf sich Deutschland über viele neue Kita-Plätze freuen, doch die Qualität bleibt dabei oft auf der Strecke. Nun ist der nächste Kraftakt nötig. Die vielen neuen Krippen müssen besser ausgestattet werden. Warum nimmt man nicht jene mit einer Abgabe in die Pflicht, die ebenfalls von dem neuen Rechtsanspruch profitieren?

Ein Kommentar von Ulrike Heidenreich

Krippengipfel - welch klangvollen Namen hatten die Verantwortlichen aus Bund, Ländern und Kommunen ihrer Zusammenkunft 2007 gegeben. Das ganz Kleine bekam so eine große Bedeutung. Das Problem mit der Kinderbetreuung blieb nicht mehr dem Mikrokosmos Vater-Mutter-Kind überlassen. Nein, nun strengten sich alle gemeinsam an, damit es nicht mehr so kompliziert sein würde, beides zu haben: Beruf und Baby.

In den vergangenen sechs Jahren ist tatsächlich Beachtliches erreicht worden, 813.000 Betreuungsplätze für Ein- und Zweijährige gibt es nun. Auch wenn in den Großstädten noch große Lücken klaffen, es im Osten zu viele, im Westen zu wenige Plätze sind - es ist gut, dass überhaupt etwas geschehen ist. Nun gilt es, Besseres daraus zu machen.

Schlechtere Bedingungen

Die Vorsätze von 2007 waren nur mit Zwang durchzusetzen, also mit dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Mit der Drohung vor Augen, unzufriedene Eltern könnten sie mit Klagen überziehen, haben die Kommunen einen Kraftakt geleistet. Dass dabei vieles auf der Strecke geblieben ist, überrascht nicht. Kleinkinder werden erst einmal mit Bedingungen leben, die oft schlechter sind, als sie es zuvor schon waren: Weil Erzieher fehlen, müssen Gruppen in vielen Fällen vergrößert werden; um neu bauen zu können, müssen Spielflächen gleichzeitig verkleinert werden. In vielen Kindertagesstätten wird es richtig eng und ungemütlich. Mit der viel gepriesenen frühkindlichen Förderung hat das nur noch wenig zu tun. Nun ist der nächste Kraftakt nötig. Die vielen neuen Krippen müssen gut ausgestattet werden. Mit mehr Zeit für die Kinder, also mit mehr Erziehern. Doch gute Betreuung und bessere Arbeitsbedingungen für die Erzieher kosten Geld.

Bislang finanzieren meist der Staat und die Eltern die Krippen. Warum nimmt man nicht jene mit einer Abgabe in die Pflicht, die ebenfalls von dem neuen Rechtsanspruch profitieren? Es sind die Wirtschaftsunternehmen und die Sozialversicherungsträger. Die Unternehmen, weil ihnen durch das größere Betreuungsangebot viel mehr gut ausgebildete Frauen als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Die Sozialversicherungen, weil sie bei mehr Erwerbstätigen auch mehr Geld einnehmen.

Der Staat macht das schon

Die Gefahr ist groß, dass der Rechtsanspruch die Untätigkeit der Wirtschaft befördert - getreu dem Motto, der Staat macht das schon. Nur ein Prozent der Kindertagesstätten in Deutschland sind betriebliche Einrichtungen; Fördergelder des Bundes für deren Ausbau werden kaum abgerufen. Dabei muss es ja nicht unbedingt ein Betriebskindergarten sein. Eine Firma könnte eine zusätzliche Erzieherin in einer bereits existierenden Einrichtung bezahlen, Belegplätze kaufen oder die Betreuung während der Ferienzeiten finanzieren. Das ist kein großer Aufwand.

Alle würden davon profitieren, die Kleinen wie die Großen. Ein nächstes Krisentreffen ist nötig, die Wirtschaft muss mit am Tisch sitzen. Der Name Krippengipfel soll bleiben: Er entspricht der Bedeutung.