Berlusconi vor politischem Comeback Kandidatur eines Albtraums

Und wieder geistert er durchs Land: Italiens ehemaliger Premier Silvio Berlusconi schwadroniert von einer erneuten Spitzenkandidatur. Mit Vorwürfen an die Regierung Monti und einem möglichen Euro-Austritt trifft er bei seinen Anhängern einen Nerv. Europa muss schnell ein klares Signal nach Italien schicken.

Ein Kommentar von Andrea Bachstein

Der Spuk schien vorbei, ganz Europa zutiefst erleichtert zu sein, dass der peinliche Premier in Rom auf Nimmerwiedersehen vertrieben worden war - doch nun geistert er wieder durch Italien: Silvio Berlusconi will nicht länger nur eine Nebenrolle spielen, sondern zurück unter die Hauptdarsteller auf der politischen Bühne. Bei der nächsten Parlamentswahl möchte er zum sechsten Mal als Spitzenkandidat für das Amt des Regierungschefs antreten. Die Vorstellung, er könnte wieder regieren, macht schaudern - die meisten Italiener ebenso wie die Partnerregierungen der EU.

Dennoch sollte man mit der ganz großen Aufregung noch etwas warten. Berlusconi hat schon sehr viel angekündigt, und ziemlich wenig davon gehalten. So hat er bis vor wenigen Wochen noch kategorisch ausgeschlossen, je wieder Premier werden zu wollen. Und es kann noch viel passieren, bis Italien wählt, was spätestens kommendes Frühjahr sein wird.

Unter welchen Umständen dann, mit welchem Wahlgesetz abgestimmt wird und wie der Wahlkampf verläuft, ist derzeit nicht absehbar. Und selbst wenn Berlusconi und seine Partei PDL jene bis zu 30 Prozent an Stimmen bekämen, die ihnen heute Umfragen vorhersagen, wäre damit noch nicht die Regierungsmehrheit gesichert.

Zwar hat der fast 76 Jahre alte Berlusconi seinem Ruf, für jede Überraschung gut zu sein, wieder einmal alle Ehre gemacht. Doch die Ankündigung eines Comebacks sieht eher nach einer Verzweiflungstat aus, schwimmen doch seiner PDL derzeit sämtliche Felle davon. Denn es ist nicht so, dass die Italiener kollektiv an Amnesie litten und sich nicht erinnerten an die schamlose Eigennutzpolitik, an den Stillstand und das Versagen Berlusconis angesichts von Staatsverschuldung und Euro-Krise.

Wenn jemand unter Gedächtnisproblemen leidet, dann ist das Berlusconi. Regierungschef Mario Monti, der sich mit Berlusconis Hinterlassenschaft herumschlagen muss, hat erst jüngst daran erinnert, wie der Ex-Premier noch vor acht Monaten beim EU-Gipfel in Cannes isoliert und geächtet war, als unglaubwürdiger Sprücheklopfer, der zu jedem Sanierungsschrittchen gezwungen werden musste. Er sehe keine Krise in Italien, hatte Berlusconi damals getönt, die Restaurants seien doch voll. Wenn die Politik Italiens wieder auf dieses Niveau zurückfiele, wäre das wirklich ein Albtraum.

Kurz nach Cannes war Berlusconi erledigt, aus dem Amt getrieben von Europa und den Märkten. Wie Letztere auf Berlusconis Rückkehr reagieren würden, nun, da sich die Euro-Krise noch zugespitzt hat und Italiens Bonität gerade heruntergestuft worden ist, kann man sich leicht vorstellen. Der Kandidat in spe faselt jetzt von Euro-Austritt und ergeht sich in Vorwürfen an Monti und die EU. Das trifft die Stimmung beim harten Kern seiner Anhänger. Damit die nicht mehr werden, wäre es gut, wenn der Rest Europas jetzt das klare Signal nach Italien schickte, dass das Land mit Berlusconi wieder ganz nah an den Abgrund geraten würde.