Jede Panne wird von der Bahn freundlich entschuldigt, doch es ändert sich nichts. Bahnchef Grube sollte die Lippenbekentnisse einstellen - und jetzt endlich die Fehler im System abstellen.
Zugfahren war noch nie jedermanns Sache. Viele verbinden mit der Deutschen Bahn nur Unpünktlichkeit, Unfreundlichkeit und Unsauberkeit. Und doch setzen sich jeden Tag sieben Millionen Menschen in Züge des Unternehmens. Seit seinem Dienstantritt im Mai 2009 weist Bahn-Chef Rüdiger Grube immer wieder gern darauf hin, dass der Staatskonzern in zwei Tagen so viele Menschen bewegt wie die Lufthansa in Deutschland im ganzen Jahr.
Bild vergrößern
In Schieflage: Mit dem Image der Bahn und dem ihres bei jeder Panne abwiegelnden Chef Grube steht es nicht zum Besten. (© dpa)
Anzeige
Es gibt sie also, die überzeugten Bahnkunden. Doch man muss einschränkend hinzufügen: noch. Denn das, was sich zuletzt abgespielt hat, ist geeignet, selbst treueste Kunden zu verunsichern. Wenn bei unerträglich schwülen Außentemperaturen in ICEs die Klimaanlagen versagen, in Zügen also, in denen es gar nicht möglich ist, ein Fenster zu öffnen - dann ist das nicht nur eine lästige Beeinträchtigung wie eine Verspätung. Wer in einem Waggon eingeschlossen ist, bangt um die Gesundheit. Wenn nicht um die eigene, dann um die der Kinder um ihn herum oder der älteren Mitreisenden.
Der Bahnchef wirkt stets glaubhaft zerknirscht
Und wie reagiert die Bahn? Leider muss man sagen: so wie man es inzwischen von ihr gewohnt ist. Grube entschuldigt sich, verspricht Entschädigung, alles lückenlos aufzuklären und die Missstände abzustellen. Das hat er gesagt, als massenhaft ICE-Züge wegen Problemen mit der Achse ausfielen, als bei der Berliner S-Bahn das Chaos ausbrach, als im Winter Schnee die Elektronik lahmlegte, und er sagt es jetzt, da die Temperatur in einzelnen Zügen auf 50 Grad und mehr steigt.
Der Bahn-Chef wirkt stets glaubhaft zerknirscht, auch am Donnerstag, als er im Verkehrsausschuss des Bundestags auftrat. Das ist immerhin ein Vorzug im Vergleich zu seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn, der bei Beschwerden häufig pampig reagierte. Das Problem ist nur: Man mag es trotzdem nicht mehr hören. Selbst eine noch so aufrichtig gemeinte Entschuldigung nervt, wenn sie ständig vorgetragen wird. Die Kunden wollen einfach wissen: Wann funktioniert Bahnfahren endlich wieder reibungslos?
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Die Nuba: Leni Riefenstahls Bilder machten sie einst bekannt. Heute sucht das Volk aus Sudan Schutz in Höhlen und Felsspalten – vor den Bomben des Regimes in Khartum. Ein Frontbericht. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Bahn Anzeige gegen Bahnchef Grube 22.07.2010
- Interne Prüfung nach ICE-Hitzeschock Über 70 Grad im Zuginneren 20.07.2010
- Bahn: Defekte Klimaanlagen im ICE Bahnchef Grube übt sich in Demut 22.07.2010
- Bahn-Studie Dreckige Toiletten, mangelnde Auskunft 30.11.2011
- Deutsche Bahn Zugtickets werden deutlich teurer 13.10.2011
- Anschlagsserie auf Bahn SPD warnt vor Panikmache 13.10.2011
- Weitere Anschläge auf die Bahn in Berlin Strecke nach Hannover lahmgelegt 12.10.2011
Single Awareness Day
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
Zur Zeit der guten alten Bundesbahn war der Reisende ein s. g. Beförderungsfall, aber die Züge waren nicht Überhitz, sie waren auch im Winter pünktlich und der Schaffner, oder Zugführer war in der Regel freundlicher und Kompetenter als heute. Die Freundlichkeit war ehrlich und nicht so ein Dienstleistergeschleime wie heute, die Preise waren moderat und ich erinnere mich gerne an die Bahn. In der Gegenwart ist der Regionalverkehr auch auf der Ost/West-Magistrale eine mittlere Katastrophe, die Toiletten nicht geleert, Unpünktlichkeit ist an der Tagesordnung und die Wagons sind derart verdreckt das es kaum erträglich ist. Selbst wenn es noch gewollt wäre, wer würde Aktien eines solchen Unternehmens kaufen, es sei denn die Gurkentruppe in Berlin zwingt uns diese Viehtransporte über den Geldbeutel auf. Leider ist dies meine Befürchtung, denn die meisten, die eine Alternative haben wenden sich vom Unternehmen Zukunft ab, über die Gründe mag Herr Grube nachdenken.
@cinderella01 bei Ihrer Kritik empfehle ich Ihnen den Jasagerjournalismus der Springerpresse und ganz besondern der Bild, die ist immer am Puls der Zeit und ein Synonym für Objektivität
SZ lesen war noch nie jedermanns Sache. Viele verbinden mit der SZ linken Kampagnenjournalismus, der mit Recherchearbeit und journalistischer Ethik nun überhaupt nichts mehr zu tun hat. Und doch ist die SZ immer noch der Meinung, sie sei eine der führenden deutschen Zeitungen. Aktuell 439.000 Leser sehen ja auch auf den ersten Blick ganz super aus. Es gibt sie also noch, die treuen Leser der SZ, die aber wahrscheinlich nur aus Gewohnheit zur SZ greifen, oder weil sie sich beim Lesen so schön intellektuell vorkommen. Aber das, was sich die SZ in den letzten Monaten geleistet hat, Diffamierungen, Lügen, gemeinsame Sache mit Intriganten (Bis heute fehlen leider immer noch die Beweise im Fall Mixa), das ist nicht nur vielen Lesern ein Dorn im Auge, sondern eine echte Frechheit.
Ist der Sparkurs Teil des Problems?
Wenn man sich die Entwicklung der Verkaufszahlen der SZ in den letzten beiden Quartalen betrachtet (minus ca. 4500 Abonnenten, minus ca. 7000 Käufer, vom Anzeigenvolumen ganz zu schweigen), kann man vermuten, dass die schwindende Qualität eine Folge des Kostendrucks ist. Neue Journalisten müssen her, eine bessere Recherchearbeit und ein Hang zur Wahrheit.
Doch damit ist es nicht getan. Überhaupt sollte bei der SZ mal wieder ein bisschen Anstand einziehen.
Hier unterscheidet sich nämlich die SZ ganz deutlich von der Bahn. Während man sich bei der Bahn für aufgetretene Fehler und Beeinträchtigungen entschuldigt und Wiedergutmachung anbietet, ist dieses menschlich vorbildliche Verhalten bisher in der SZ-Redaktion nicht auszumachen. Vielleicht sollten Sie jetzt mal mit dem Lernen anfangen. Entschuldigen Sie sich bei Ihren Lesern, denen Sie in den letzten Wochen mit schlecht recherchierten Artikeln, übler Polemik, Diffamierungen und Lügen den Qualitätsjournalismus vorenthalten haben, für den sie bezahlen. Fangen Sie damit an, Ihre Mitarbeiterin eigenständig arbeiten zu lassen, damit Sie sich bei der Bahn und allen Bahnmitarbeitern, die täglich für die Mobilität von Millionen Bürgern sorgen, für diesen polemischen Kommentar entschuldigt.
Ganz ehrlich: kann die SZ eigentlich auch noch was anderes als Boulevard- und Negativberichterstattung.
Es gab Zeiten, da war es ein Vergnügen die SZ zu lesen!
höfliche entschuldigungen statt konsequenter problemlösung + transparenz, so macht das zb auch die sz mit diesem forum. der bewertungszähler funktioniert immer noch nicht.
wenn die bahn als dienstleistungsunternehmen von deutschen für deutsche hoch profitabel werden soll, dann muß man eben sparen. es freun sich die anleger, es bluten die nutzer. da die regierung das offensichtlich will ist ja alles in ordnung.
am besten, wir bringen auch noch unser straßennetz an die börse. dann werden nur noch die autobahnen und bundesstraßen gepflegt und unrentable land- und dorfstraßen stillgelegt.
es ist schon erstaunlich wie es die Eigentümer der Bahn, hier der Bund, immer wieder fertig bringen, solche Sprechblasen produzierende, nur heiße Luft verbreitende Manager
an die Spitze des Konzerns zu hiefen. Und das für Unsummen, was diese Blender und Blöffer erhalten, doch da sind sie mit unseren Machtinhabern und Berufspolitikern in sehr guter Gesellschaft, leider.
Paging