Aussage im Prozess gegen Zschäpe Strohmann für die NSU-Wohnung

Carsten R. mietete für das NSU-Trio eine Wohnung und hinterlegte die Kaution. Warum Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt untertauchen mussten, interessierte ihn angeblich nicht. Richter Götzl hat Zweifel.

Aus dem Gericht von Annette Ramelsberger

Ein Mann mietet eine Wohnung, eine Wohnung, die er nicht kennt. Die er noch nie gesehen hat. Er mietet diese Wohnung für drei Menschen, die er ebenfalls nicht kennt. Die er nie zuvor gesehen hat. Aber er zahlt für diese drei Menschen die Miete und hinterlegt eine Kaution. Einmal im Monat besucht er die Drei und fragt, ob es Probleme gibt. Aber er fragt nie, warum sie diese Wohnung brauchen, warum sie ihn als Strohmann brauchen. Und am Ende, als die drei ausziehen, renoviert er die Wohnung noch ordentlich für sie.

So berichtet das der Zeuge Carsten R. am Montag im NSU-Prozess. Man kann das glauben, aber man muss es nicht glauben. Den Zeugen hat im Fall dieser Wohnung ein intensiver Gedächtnisverlust befallen. Denn die drei Personen, für die er 1998 die Wohnung mietete, waren Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Die drei mutmaßlichen NSU-Terroristen brauchten nach ihrem Untertauchen einen Unterschlupf und sie wandten sich an rechte Kameraden in Chemnitz. Dort wurden sie fündig.

Der Zeuge Carsten R. spielte den Strohmann und mietete unter seinem Namen die Wohnung für das Trio an. Es reichte ihm zu erfahren, dass die drei Kameraden seien und einen Wohnungsgeber brauchten, der nicht polizeibekannt war. Carsten R. war zwar rechtsradikal, vielleicht ist er es bis heute, aber polizeibekannt war er nicht. Er lebt heute in München und arbeitet als "Personaler".

Schweigephalanx der NSU-Freunde

Offensichtlich war er der richtige Mann für die Aufgabe: Warum die Drei diese Wohnung brauchten, warum sie untertauchen mussten, was ihnen vorgeworfen wurde - das alles wollte Carsten R. angeblich nicht wissen. "Hat mich nicht interessiert", sagt er immer wieder. Und als Richter Manfred Götzl ungläubig nachfragt, sagt er, eigentlich wisse er gar nichts mehr. Auch nicht, wer damals auf ihn zukam. "Auch Sprache ist etwas Verräterisches", sagt der Richter. "Meine Wahrnehmung ist, dass Sie mir ausweichen wollten. Warum?" - "Das war nicht meine Absicht", sagt der Zeuge. "Sie haben Ihre Fragen so vage gestellt."

Die Schweigephalanx der NSU-Freunde steht. Immer wieder treten scheinbar bürgerliche Männer vor Gericht auf, die sich nicht mehr so richtig an ihre Vergangenheit erinnern wollen. Auch Carsten R. ist so einer. Er ist nun 36 Jahre alt, trägt einen wohlgestutzten Haarkranz und Brille und hat seine Winterjacke ordentlich vor sich auf den Tisch gelegt. Er kann sich angeblich nur an Harmloses erinnern: dass die Wohnung zwei Zimmer hatte, dass er sie weiß gestrichen hat, dass die Miete etwa 400 Mark betrug. Aber über was er sich mit Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos unterhalten hat - das weiß er natürlich nicht mehr. Und er sagt dann, es seien ganz normale Sachen gewesen. "Zum Beispiel das Wetter."