Ausländerhass in Griechenland Geprügelt wie ein Hund

Im März demonstrieren Mitglieder der rechtsradikalen Partei "Goldene Morgenröte" vor der deutschen Botschaft in Athen

(Foto: AFP)

Griechenland hat nicht nur mit seinen Staatsschulden zu kämpfen. In dem Land wächst die Fremdenfeindlichkeit, doch gewaltsame Übergriffe werden kaum registriert oder bestraft. Das darf Europa nicht ignorieren - auch Deutschland nicht.

Ein Gastbeitrag von Hugh Williamson

Das letzte Jahr war hart für Griechenland - und es sieht nicht danach aus, dass sich die Lage in diesem Jahr bessert. Millionen Menschen sind unmittelbar von den umfangreichen Sparmaßnahmen betroffen, mit denen die Regierung gegen die Wirtschaftskrise kämpft. Politische Spannungen erschüttern das Land; besonders beunruhigend ist der Erfolg der rechtsradikalen Partei Goldene Morgenröte. Dazu kommen massive gesellschaftliche Probleme, die teilweise mit den zahllosen Migranten zusammenhängen, die in den vergangenen Jahren aus Ländern außerhalb der Europäischen Union nach Griechenland gekommen sind.

Bei all diesen Schwierigkeiten wird eine andere Krise leicht übersehen. Die fremdenfeindliche Gewalt gegen Migranten und Asylsuchende in Athen und anderswo droht, außer Kontrolle zu geraten. Massenausschreitungen gegen Menschen aus Afghanistan und Afrika sind an der Tagesordnung, die meisten werden nicht einmal offiziell registriert.

Dagegen muss Griechenland in diesem Jahr unbedingt etwas tun, gemeinsam mit Deutschland und den anderen EU-Mitgliedstaaten. Die Übergriffe selbst sind massive Menschenrechtsverletzungen. Allerdings wiegt noch schwerer, dass die Verantwortlichen normalerweise nicht bestraft werden. Weder die Polizei noch andere staatliche Organe bemühen sich ernsthaft darum, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Diese Straflosigkeit zerstört die Illusion, dass in dem mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Europa Toleranz und Frieden regieren.

Human Rights Watch hat zwischen November 2011 und dem ersten Halbjahr 2012 Dutzende rassistische Übergriffe dokumentiert. Die Welle der Gewalt reißt nicht ab. Im November 2012 forderte der Ägypter Waleed Taleb, der ohne Papiere in Griechenland lebt und in einer Bäckerei arbeitet, von seinem Arbeitgeber den unbezahlten Lohn. Daraufhin banden ihm sein Chef und dessen Freunde eine Kette um den Hals, zerrten ihn wie einen Hund durch die Gegend und verprügelten ihn, wie er Journalisten berichtete.

Nachdem er sich in ein Krankenhaus gerettet hatte, haben ihn Polizisten wegen seiner fehlenden Ausweispapiere festgenommen. "Ich dachte, ich würde sterben", sagt er. "Das Problem war doch nicht, dass ich keine Papiere hatte, sondern, dass ich zusammengeschlagen wurde." Gegen die Täter wurde wegen geringfügiger Vergehen ermittelt, bislang sind sie nicht verurteilt worden.

Viele Menschen in Griechenland, auch einige in führenden Positionen, würden diesen Aspekt der Krise gerne ignorieren. Ihrer Ansicht nach hat das Land ohnehin schon zu viele Probleme. Sie glauben, die rassistische Gewalt würde von alleine abebben, wenn das defekte Asylsystem endlich reformiert ist und die Wirtschaft wieder wächst. Diese Ausflüchte mögen nachvollziehbar sein. Aber sie verschleiern, dass die Intoleranz zunimmt. Immer stärker richtet sie sich auch gegen andere verletzliche Gruppen, zum Beispiel gegen Homosexuelle.