Aufnahmen aus Flüchtlingslager EU entsetzt über Lampedusa-Video

Die Bilder seien "inakzeptabel": EU-Kommissarin Cecilia Malmström rügt Italien für den Umgang mit Flüchtlingen auf der Insel Lampedusa und kündigt juristische Schritte an. In einem Video ist zu sehen, wie die Menschen im Freien geduscht werden. Politiker sprechen von "KZ-ähnlicher Behandlung".

Die EU-Kommission hat sich erschüttert über den Umgang mit Flüchtlingen auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa geäußert und juristische Schritte angedroht. "Wir haben eine Untersuchung zur entsetzlichen Behandlung in zahlreichen Auffanglagern eröffnet", erklärte Innenkommissarin Cecilia Malmström über den Kurznachrichtendienst Twitter. Ihre Behörde werde "nicht zögern, ein Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten", warnte sie.

Die EU-Politikerin reagiert auf ein Video aus dem Aufnahmezentrum der Insel, das ganz Italien schockiert. Bilder in italienischen Medien zeigen, wie sich Migranten in dem Zentrum reihenweise im Freien nackt an einer Wand aufstellen müssen, um dann in der winterlichen Kälte - angeblich aus hygienischen Gründen - mit einem Desinfektionsmittel abgespritzt zu werden. Die Aufnahmen hatte ein Flüchtling mit versteckter Kamera gefilmt.

Die Staatsanwaltschaft von Agrigent ermittelt nun wegen des gewalttätigen Vorgehens, meldet die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Missstände in dem zumeist überfüllten Aufnahmelager auf der kleinen Insel zwischen Tunesien und Italien hatten bereits mehrfach für negative Schlagzeilen gesorgt. In Rom prangerte Italiens Regierungschef Enrico Letta die "schlimmen Bilder" von Lampedusa an. Er will klären lassen, wer für das Vorgehen verantwortlich sei. Fehlverhalten werde bestraft, kündigte Innenminister Angelino Alfano an.

"KZ-ähnliche Behandlung"

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR sagte, die permanente Überfüllung des Zentrums sei unhaltbar. Das Personal könne trotz aller Bemühungen nur unzulänglich helfen. Die respektlose Behandlung der Flüchtlinge sei erniedrigend.

Seit Jahren sei Rom gebeten worden, Migranten rascher von Lampedusa zu verlegen. In dem TV-Bericht beklagte sich ein namentlich nicht genannter Flüchtling, wie ein "Tier" behandelt zu werden. Er habe mindestens 65 Tage in dem Zentrum verbracht, wobei Migranten doch innerhalb von 48 Stunden in ein anderes Zentrum gebracht werden sollten, hielt das UNHCR fest.

Die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini, hat das Innenministerium in Rom für die Situation verantwortlich gemacht und von "KZ-ähnlicher" Behandlung gesprochen. Massive Flüchtlingswellen aus Afrika und dem Nahen Osten sorgen immer wieder für Chaos auf der Insel, oft sind dann 1000 oder mehr Migranten in dem Zentrum untergebracht, das nur für 250 geeignet ist.