Material ermüdet und Technologien ändern sich: Deshalb ist es fahrlässig, die Laufzeiten für Atomkraftwerke zu verlängern. Es gibt energiepolitisch Wichtigeres zu tun.
Ein Kernkraftwerk ist kein Fahrrad. Ein Fahrrad lässt sich flicken, schweißen, beliebig oft überholen; und würde es nicht vorher ausgetauscht oder geklaut - womöglich würde es ewig halten.
Auslaufmodell: das Atomkraftwerk Brunsbüttel. (© Foto: AP)
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Bei Kernkraftwerken liegen die Dinge anders. Es mag sich vieles daran reparieren und modernisieren lassen. Aber seine Struktur bleibt immer gleich: Aus einem alten Siedewasserreaktor wird eben keine moderne Druckwasseranlage. Seine Wände lassen sich nicht mal eben so sehr verdicken, dass es jeden Flugzeugabsturz überlebt. Ein Atomkraftwerk ist nichts für die Ewigkeit, auch wenn mancher in der Union das nicht glauben mag.
Auf Drängen der Unionsfraktion wird die Koalition nun prüfen, ob sich die Laufzeiten der deutschen AKWs auch auf insgesamt 60 Jahre verlängern lassen. Für die Kraftwerke, von denen die ältesten übrigens die meisten Störungen aufweisen, wäre das keine besonders beruhigende Dimension. Material ermüdet, Technologien ändern sich - was die Koalition da treibt, ist nuklearer Leichtsinn.
Vor allem aber verstellt die Debatte den Blick aufs Notwendige. Denn ungeachtet ihrer Laufzeiten wird sich eines nicht ändern: Deutschlands Reaktoren sind Auslaufmodelle.
Neue werden angesichts der Widerstände nicht mehr errichtet werden; zumal es längst bessere Technologien gibt. Aufgabe dieser Koalition wäre es, über die Zeit nach der Kernkraft nachzudenken, die Weichen für eine alternative, klimafreundliche Stromversorgung zu stellen.
Mit immer neuen Plänen für die Atomkraft aber hintertreibt die Koalition diese Aufgabe. Anstatt Konzepte für ein neues Energiesystem auf den Weg zu bringen, gibt sie Garantien für ein altes. Zumindest bis zum ersten ernsten Zwischenfall.
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(SZ vom 26.03.2010/gba)
Natürlich gibt es energiepolitisch wichtigeres, aber da wird halt nicht so gut geschmiert, da macht es Sinn, wenn umweltfreundliche Technologien nicht mehr gefördert werden. Selbst, wenn es einen Störfall gibt, schert das unsere Politiker nicht, die faseln weiter von dem preiswerten Atomstrom. Der nur deshalb so preiswert ist, weil keine Versicherung bereit ist die Risiken zu versichern. Alle Risiken werden vom Steuerzahler getragen , inklusive der Müllentsorgung. Den Dreck werden wir erst dann los, wenn die Politfuzzis, die diesen Dreck vehement befürworten, neben die Atomkraftwerke ziehen müßten.
Obwohl diese Entscheidung bereits mit dem Wahlsieg im Bund gefallen war, so ist es doch kaum zu fassen.
Es braucht offenbar tatsächlich einen richtigen Störfall, bevor Vernunft über Geldgier siegt.
Ich sagte es schon oft und ich sage es wieder:
Es liegt an der Nachfrage, ob das Angebot am Markt bestehen kann. Es liegt an den Haushalten, an jedem einzelnen Kunden, ob die Konzerne weiterhin fette Profite einstreichen.
Kein Kunde- kein AKW.
Dass der Umwelt-Schönschwätzer Röttgen kürzlich noch für eine Kürzung der AKW-Laufzeiten zugunsten der erneuerbaren Energien "warb", hatte ich sofort als Ablenkungsmanöver vor schlimmen Rückfällen der Union in der Energiepolutik erkannt.
Nun lassen die Unionisten die Katze aus dem Sack und wollen der Atomlobby eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten auf bis zu 60 Jahren (!!) zugestehen.
Die NRW-Wähler sollten dieser Atomclique am 9. Mai kräftig in die Suppe spucken.
Da kann man den Menschen vorgaukeln alle Probleme seien gelöst. Man setzt sich einfach an einen Tisch mit den Stromkonzernen und verkündet danach ein paar große Entscheidungen.
Die Alternative? 1. Strom sparen 2. Netze für dezentrale Versorgung ausbauen 3. Verbraucher motivieren in alternative Energien zu investieren 4. Für jede Anwendung die richtige Energiequelle wählen - kompliziert!!!
Ich kann ja noch nachvollziehen, wenn manche die Gefahr eines Zwischenfalls verdrängen, die Problematik mit der Entsorgung des Atommülls ist aber bereits Realität und sollte als Totschlagargument gegen die Atomkraft geeignet sein.
Die gleichen Atomkraftbefürworter geraten in Panik, wenn auf einmal in ihrer Umgebung die Errichtung eines Endlagers diskutiert wird, z.B, wenn es um ein mögliches Endlager an der Grenze Tschechien/Bayern geht.
Die Frage ist nicht, dass Deutschland so schnell wie möglich aus der Atomkraft aussteigt, sondern dass es als hochtechnologisiertes Land Vorbildfunktion und somit eine Sogwirkung-weltweit-hin zu alternativen Energien haben kann-diese Chance sollte nicht auf die lange Bank geschoben werden!
Paging