Industriekonzerne kritisieren die Entscheidung der schwarz-gelben Regierung für einen Atomausstieg. Dabei ist es Zeit, das Ende der Kernkraft als Chance zu begreifen, und nicht als Verlust. Der Ausstieg bietet enorme Möglichkeiten, wenn er als Umstieg verstanden wird - als Einstieg in das potentiell auch ökonomisch lohnende Solarzeitalter.
Die Reaktion war erwartbar: Die Chefs der deutschen Industriekonzerne, insbesondere der Stromversorger, nörgeln an der Entscheidung der schwarz-gelben Koalition für einen beschleunigten Atomausstieg herum wie Kinder, die nicht auf einen Wandertag mitgehen wollen. Das haben sie schon vor dem Beschluss getan, und das werden sie wohl noch eine Weile lang tun. So lange, bis auch die mit Quartalszahlen sozialisierten Firmenlenker begreifen, welch riesige Chancen sich in einer Welt bieten, in der man als first mover auf regenerative Energie gesetzt hat und deshalb bei der zugrundeliegenden Technologie der Marktführer ist.
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Reaktor in Neckarwestheim: Gegen die Kernkraft sprach schon vor Fukushima viel mehr als nur die Sorge vor einem GAU. (© dapd)
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Bloß keine Veränderung - das ist nicht nur ein urmenschlicher Instinkt, es ist auch die Haltung der seit Jahren von bequemen Energiepreisen verwöhnten deutschen Industrie. Die sich über Jahre akkumulierenden Risiken werden dabei gerne verdrängt. Schon ist sie wieder zu hören, die unsägliche Phrase vom "bezahlbaren Strom", als habe die Politik für unbezahlbaren Strom votiert. Und wenn die Chefs von Autokonzernen plötzlich mit der Klimafreundlichkeit der Kernkraft argumentieren, dann steigt ein übler Geruch von Heuchelei auf, gemessen daran, wie die gleichen Firmen einst Katalysatoren verhinderten und die ersten Hybridfahrzeuge aus Japan verspotteten.
Es stimmt schon: Viel Emotion war im Spiel in den Wochen nach dem Unglück von Fukushima - Emotion, die über Nacht manchen Kernkraftfreund auf befremdliche Weise zum Ausstiegsfanatiker werden ließ. Dabei ist Angst, und auch das Kalkül mit der Angst anderer, bekanntermaßen kein guter Ratgeber. Zumal wenn es um die Zukunft der viertgrößten Industrienation der Welt geht. Doch manchmal kann auch ein Bauchgefühl den richtigen Weg weisen. Gegen die Kernkraft sprach schon vor Fukushima viel mehr als nur die Sorge vor einem GAU. Die Frage der Endlagerung radioaktiven Mülls ist ungeklärt wie eh und je, und weil zivile Nukleartechnik jederzeit auch waffentaugliches Spaltmaterial liefern kann, sollte sich kein Kernkraftbefürworter über Atomarsenale in Pakistan, Iran und künftig vielleicht auch in Syrien oder Venezuela wundern.
Nach dem - vergleichsweise - klaren Koalitionsbeschluss vom Wochenende ist es Zeit, das Ende der Kernkraft in Deutschland als Chance zu begreifen, und nicht nur als Verlust, als Gift für die Industrie oder als bizarren Alleingang inmitten einer von Atomreaktoren befeuerten Weltwirtschaft. Der Ausstieg bietet enorme Chancen, wenn er als Umstieg verstanden wird, ja als Einstieg in das potentiell auch ökonomisch lohnende Solarzeitalter. Wenn es richtig angepackt wird, bildet Deutschland die Avantgarde bei einer Wende, die jede Nation der Erde aufgrund der Beschränktheit dieses Planeten irgendwann vollziehen muss. Eine Wende, die am Ende nicht nur Schluss macht mit deutschen Atommeilern, sondern überhaupt mit rohstoff-verbrauchender Energie.
Angesichts der Größe der Aufgabe wirkt es fast lächerlich, wenn Politiker nun darüber zanken, ob drei der Kernkraftwerke womöglich bis 2022 statt bis 2021 laufen dürfen. Und ob vielleicht ein Meiler als "kalte Reserve" erhalten bleiben soll (wobei unklar ist, wie das funktionieren könnte).
Offen gesagt: Das exakte Ausstiegsdatum ist weniger wichtig als die begleitenden, viel größeren Aufgaben. Deutschland muss den eigenen Energieverbrauch nun effizienter gestalten und den bereits stattlichen Anteil regenerativer Energie weiter erhöhen. Dabei geht es keineswegs um erzwungenen Verzicht oder grüne Wollpullover-Ideologie, sondern um moderne Hochtechnologie.
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Weil es so schön (und so einfach) ist, sie zu widerlegen, hier eine Analyse der FDP-nahen (!) Friedrich-Naumann-Stiftung, die das genaue Gegenteil Ihrer Behauptungen feststellt...
"Wählerwanderungsbilanz: Wähleraustausch zwischen den Parteien
Die CDU hat (laut Wählerwanderungsbilanz von Infratest dimap) gegenüber der Landtagswahl 2006 insgesamt netto ca. 195.000 Wählerstimmen hinzu gewonnen. Am stärksten verlor sie an die Grünen (-87.000) und an die SPD (-39.000), aber auch an die Linke (-5.000) und an andere Parteien (-6.000). Von der FDP gewann die CDU 66.000 Stimmen hinzu, vom Lager der ehemaligen Nichtwähler 221.000, im Saldo aus Zu- und Fortzug 100.000; sie verlor allerdings 55.000 Stimmen im Zuge des Generationenwechsels zwischen Erstwählern und Verstorbenen.
(...)
Die Grünen gewannen insgesamt 744.000 Stimmen von allen Parteien hinzu, so von der CDU 87.000, von der SPD 140.000, von der FDP 61.000 und von der Linkspartei 33.000. Von den ehemaligen Nichtwählern kamen 266.000 Stimmen, im Zuge des Generationenwechsels kamen 68.000 und im Rahmen von Zu- und Fortzug 64.000 Stimmen hinzu."
In der gleichen Quelle auch folgende interessante Analyse
"Zeitpunkt der Wahlentscheidung
Dass sie sich erst am Wahltag entschieden hätten, die jeweilige Partei zu wählen, sagten bei allen Wählern 15% (-2); dass sie sich in den letzten Tagen vor der Wahl entschieden hätten, sagten 18% (+2); dass sie sich in den letzten Wochen entschieden hätten, sagten 20% (+4). Dass sie ihre Entscheidung bereits vor längerer Zeit getroffen hätten, sagten 30% (-3), dass sie immer die gleiche
Partei wählten, sagten 15% (-2).
Bei den CDU-Wählern haben sich 17% (+3) haben sich am Wahltag entschieden, 17% (+6) in den letzten Tagen vor der Wahl, 14% entschieden sich in den letzten Wochen, 27% (-9) vor längerer
Zeit; 23% (+1) gaben an, immer die CDU zu wählen.
(...)
Die Grünen verzeichneten deutlich mehr langfristig entschlossene Wähler: 9% gaben an, immer die Grünen zu wählen, 38% (+10) sagten, sie hätten sich bereits vor längerer Zeit entschieden.
26% (+7) hatten ihre Entscheidung in den letzten Wochen getroffen, 15% in den letzten Tagen und 10% am Wahltag."
Vollständig nachzulesen hier:
http://freiheit.org/files/62/BaWue_2011_Analysebericht.pdf
"Die Wiederholungen kommentiere ich nicht."
Sie kommentieren sie nicht, weil Sie darauf inhaltlich nichts zu erwidern haben.
Stattdessen greifen Sie lieber den Mitdiksutanten persönlich an.
"Schauen Sie doch mal in Wahlanalyse, wieviel [sic!] Nichtwähler (Lieschen Müllers) aus lauter Paniknun [sic!] das erste Mal wählen waren."
Na, welche Wahlanalyse meinen Sie denn? Wo ist denn Ihre Quellenangabe?
Die Forschungsgruppe Wahlen sagt folgendes:
"Bei Männern kommen die Grünen auf 23, bei Frauen auf 27 Prozent; insbesondere wählen mit 35 Prozent die 30- bis 44-jährigen Frauen grün. Stärkste Partei werden die Grünen unter anderem bei Wählern mit Hochschulabschluss (36 Prozent) oder in Großstädten mit über 100.000 Einwohnern (31 Prozent). Bei Selbstständigen sind die Grünen mit 27 Prozent (plus 16) dreimal so stark wie die FDP, die hier auf neun Prozent (minus zehn) einbricht."
http://www.forschungsgruppewahlen.de/Aktuelles/Wahl_Baden-Wuerttemberg/
Oder hier für Sie auch nochmal mit Bildern, damit Sie nich do viel lesen müssen:
http://www.forschungsgruppewahlen.de/Aktuelles/Wahl_Baden-Wuerttemberg/Newsl_BaW11.pdf
Bei "Kurzentschlossenen" schnitten die Grünen übrigens unterdurchschnittlich ab - genauso wie die CDU.
"Unterschlagenes Wissen ist doch kein Argument."
Da haben Sie Recht. Wo ist denn Ihr Wissen? In Bezug auf die B-W-Wahl liegen Sie offensichtlich falsch. In Bezug auf die östereichische und italienische Wahl sogar noch offensichtlicher.
"Wie hoch ist denn Ihr monatlicher Parteibeitrag?"
Für welche Partei soll der denn sein?
Ich bin in keiner Partei, weil ich mit keiner Partei zu 100% "chloroform gehe".
"Zitat - Ahben Sie es endlich begriffen?
Das war doch an Sie gerichtet. "
Ohnein, hab ich Sie und Ihren Intellekt schon wieder überschätzt? Das tut mir wirklich leid.
Zitat - Ahben Sie es endlich begriffen?
Das war doch an Sie gerichtet.
Die Wiederholungen kommentiere ich nicht. Schauen Sie doch mal in Wahlanalyse, wieviel Nichtwähler (Lieschen Müllers) aus lauter Paniknun das erste Mal wählen waren. Unterschlagenes Wissen ist doch kein Argument. Wie hoch ist denn Ihr monatlicher Parteibeitrag?
Sie sollten sich künftig nicht mehr so aufregen, mancher hat sich danach nicht mehr geregt.
"Einbildung hat nichts mit Bildung zu tun"
Das sage ich Ihnen doch schon seit mehreren Beiträgen.
Ahben Sie es endlich begriffen?
Aber Sie sollten nicht von den Inhalten ablenken, weil Sie Ihren Horizont übersteigen...
Hier nochmal einiges Grundmaterial, worauf Sie dann inhaltlich eingehen können anstatt nur wieder persönlich-beleidigend zu werden:
"In Baden - Württenberg sind soviele davon nun endlich gegangen, dass selbst die farbige Partei überrascht war."
Das ist FALSCH. Der Prozentanteil ist gestiegen weil a) weniger Leute zur Wahl gegangen sind und weniger dieser Leute Schwarz oder Rot gewählt haben und weil b) viele der Leute, die früher z.B. Schwarz oder Rot gewählt haben nun Grün gewählt haben.
Gerade die Wähler, die von Rot zu Grün gewechselt sind, sind durchaus zu verstehen - ist die SPD doch seit 2002 nur noch ein in sich zerstrittener Witzhaufen.
"Nun müssen sie allerdings zeigen, dass sie regieren können, was ich grundsätzlich bezweifle."
Das kann nur die Zukunft zeigen.
"Italien und Österreich sind allerdings auch nicht in Panik geraten."
Italien und Österreich müssen ja auch keinen Atomausstieg beschließen, da sie entweder noch nie Atomenergie nutzten (Österreich) oder 1986 "in Panik gerieten" und von heute auf morgen ihre KKW abstellten (Italien).
"Da haben Sie etwas verwechselt."
FALSCH: Ihnen würde ein bisschen Hintergrundwissen nicht schaden.
Mittelmäßige Geister verurteilen gewöhnlich alles, was über ihren Horizont geht.
François VI. Duc de La Rochefoucauld
französischer Autor
1613 - 1680
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