Der IWF-Chef und aussichtsreichste Kandidat für die kommenden französischen Präsidentschaftswahlen Dominique Strauss-Kahn könnte über seine Geilheit stolpern. Vor der Anklage wegen versuchter Vergewaltigung war der Kaviar-Sozialist gerade erst Opfer einer Kampagne wegen seines extravaganten Lebensstils. Präsident Nicolas Sarkozy dürfte es freuen: Die oppositionellen Sozialisten haben kein Schwergewicht, das "DSK" ersetzen könnte.
Dass sein größter Schwachpunkt der Genitalbereich ist, war bekannt. An der Spitze des Internationalen Währungsfonds war er schon mal in den Verdacht einer Sex-Affäre geraten. Aber ist Dominique Strauss-Kahn (DSK) tatsächlich so triebgesteuert und machtversessen, dass er sich von seinen Hormonen die Karriere vermasseln lässt? Oder verbirgt sich dahinter ein Krimi, wie ihn sich nur Geheimdienstler oder die in Frankreich reichlich vertretenen Verschwörungstheoretiker ausdenken könnten?
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Strauss-Kahn: – IWF-Chef stimmt gerichtsmedizinischer Untersuchung zu (© reuters)
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Wenn man sich die alte Juristenfrage "cui bono?" - "wem nützt das?" - stellt, kommt man schnell auf Nicolas Sarkozy. Der amtierende Präsident lag in Umfragen weit hinter DSK, die letzte datierte von diesem Sonntag, und nun hat er plötzlich wieder beste Aussichten, doch wiedergewählt zu werden. Das alles ohne sein Zutun. Nicht weil er bessere Argumente gehabt hätte. Zu einer politischen Auseinandersetzung kam es gar nicht. Sondern weil DSK in einem New Yorker Hotel versucht haben soll, ein Zimmermädchen zu vergewaltigen.
Natürlich haben auch parteiinterne Rivalen von DSK Interesse daran, den Kaviar-Linken zu Fall zu bringen. Aber weder Ségolène Royal noch François Hollande oder Martine Aubry ist zuzutrauen, dass sie ein Zimmermädchen beauftragt haben, den heimlichen Hoffnungsträger der Franzosen an seiner empfindlichsten Stelle zu treffen. Sarkozy wäre es zuzutrauen, derartige Fallen zu stellen. Aber es ist unwahrscheinlich, dass er es wirklich getan hat. Zwar wird umgehend aufgekommene Verschwörungstheorie noch eine Weile kursieren, aber zu halten wird sie nicht sein. Es sei denn es tauchen irgendwann nicht von der Hand zu weisende Belege auf.
Viele Merkwürdigkeiten
Merkwürdig bleibt das Ganze trotzdem: Warum holte sich der Hoffnungsträger vieler Linker einen Kommunikationsberater aus dem Hause Lagardère? Ramzi Khiroun gilt zwar als das Ass der Asse. Doch der Medienkonzern zählt wie der gleichnamige Firmenerbe eindeutig zum Sarkozy-Lager. Warum entblödet sich DSK zudem, in den Porsche dieses Kommunikationsberaters zu steigen, um zu einem Termin mit seinen sozialistischen Freunden zu fahren? Wenn es in diesem Fall nicht Dummheit war, dann muss es Unbedachtsamkeit oder Leichtsinn gewesen sein. Und auch dies gehört bestraft, wenn DSK es ernsthaft vorhatte, 2012 der zweite sozialistische Präsident Frankreichs der Nachkriegszeit zu werden.
Eben jene Presse war es, die in den vergangenen Tagen die Mülltonne über DSK leerte und dessen Luxusleben in allen Einzelheiten zerlegte: Seine Immobilien, unter anderem ein großes Apartment an der Place de Vosges, dem schönsten Platz von Paris. Dazu angeblich sein Faible für Anzüge im Wert von 35.000 Dollar. Das meiste davon war bekannt, der Rest ein Sammelsurium unbewiesener Behauptungen.
Die Karten werden neu gemischt
DSK war zum Opfer einer Kampagne geworden, im entscheidenden Augenblick: Als er seine Kandidatur bekannt geben wollte. Noch bevor es dazu kommen konnte, droht ihm nun die Sex-Affäre das Genick zu brechen. Zwar gilt die Unschuldsvermutung, aber die Anklage schwächt DSK so sehr, dass nun infrage steht, ob er überhaupt für die Vorwahlen bei den Linken im Oktober antritt.
Wäre er erst einmal Präsident gewesen, hätten sich die Franzosen wohl eher über seine Triebe amüsiert. Das Schwerenöter-Image gehört zu allen Präsidenten der fünften Republik, mit Ausnahme von Charles de Gaulle. Am ausuferndsten waren die Eskapaden von François Mitterrand und Giscard d'Estaing, der auch heute noch im hohen Alter schwer an den Reizen junger Weiblichkeit vorbeischauen kann. In einem Buch dichtete er sich selber eine Affäre mit Lady Di an. Eine Vergewaltigung ist oder wäre jedoch etwas anderes als eine amouröses Abenteuer.
Ihren amtierenden Präsidenten haben die Franzosen solcherlei Gebaren nie verübelt. Im Vorfeld einer Wahl könnten sie es aber ahnden. Gewiss ist das nicht. Nicht ausgeschlossen, dass DSK mit einem blauen Auge davon kommt, wenn sich die Sex-Geschichte als Luftnummer erweist. Wahrscheinlicher aber ist, dass er über sich selbst und diese Sache da im Hotelzimmer stolpert.
Wenn das so ist, werden die Karten im Wahlkampf neu gemischt. Der neue Herausforderer von Sarkozy auf der Linken wäre dann aller Voraussicht nach François Hollande, auch wenn er erst noch die Vorwahlen überstehen muss. Er hat das Charisma eines Olaf Scholz, ist aber einer unter den Linken geachteter Politiker mit einer flinken Zunge. Diejenigen unter den Sozialisten, die DSK eh nicht für einen echten Sozi halten, bevorzugen Hollande. Gegen Sarkozy hat er nicht die gleichen Chancen wie DSK. Aber er wird nun alles daran setzen, um die Franzosen vom Gegenteil zu überzeugen.
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(sueddeutsche.de/jab/lala)
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Ich stelle fest, dass der Satz "Dominique Strauss-Kahn könnte über seine Geilheit stolpern", den ich zunächst für einen Ausrutscher hielt, immer noch diesen Artikel "ziert". Also ist davon auszugehen, dass es sich hier um eine bewusste Herabsetzung des Ex-IWF-Chefs handelt, der die Chance gehabt hätte, das erste jüdische Staatsoberhaupt Frankreichs zu werden. Was vielen Menschen gewiss nicht gepasst hätte.
Wie die Jüdische Allgemeine schrieb, "macht nun der Hype um DSK das politische Lager Sarkozys zunehmend nervös. So schoss jüngst der konservative Fraktionsvorsitzende Christian Jacob Giftpfeile, indem er den Wahlkampf mit den Worten eröffnete, der IWF-Chef sei ungeeignet, da er nicht das ländliche Frankreich und die Verbundenheit mit dem französischen Boden repräsentiere. Diese Auslassungen führten zu einem Sturm der Entrüstung, da sich viele an die antisemitische Hetze gegen die früheren Ministerpräsidenten Léon Blum (1872–1950) und Pierre Mendès-France (1907–1982) erinnert fühlten."
Schade, dass hier so wenig Sensibilität auf Seiten der SZ vorhanden ist.
Es liegt in diesem Satz von Kläsgen eine gefährliche "Selbstverständlichkeit", mit der hier eine negative Eigenschaft einem Menschen zugeordnet wird, so als ob sie , ja, was eigentlich: in seinen "Genen" oder seiner "Rasse" begründet liegt ? Ist sie männerspezifisch (dann müsste es aber heißen "männerspezifischen Geilheit") oder ist sie "rassetypisch" (eine beliebtes Stereotyp der antisemitischen Presse) ?
HERR KLÄSGEN, NEHMEN SIE STELLUNG !
"Dominique Strauss-Kahn könnte über seine Geilheit stolpern" - ich empfehle dringend, diesen für eine Zeitung von SZ-Format unglaublichen Satz, der nichts anderes als eine Vorverurteilung ist und gegen das banalste journalistische Ethos verstößt, umgehend zu streichen. Hier werden übrigens auch "rassespezifische" Vorurteile bedient, die in einer gewissen dunklen Epoche Deutschlands sehr verbreitet waren...
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Ich sage nur einen Satz: Sie-und Ihre Sicht der Welt- tun mir furchtbar leid.
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