Angebliche Selbstporträts des Ex-Präsidenten Ein echter Bush

Nach einem Hacker-Angriff auf Computer der Ex-Präsidenten-Familie Bush sind verschiedene Indiskretionen an die Öffentlichkeit gelangt. Darunter mehrere Selbstporträts von George W. Die amerikanische Kunstkritikerszene stellt fest: Für einen Amateur sind die Werke gar nicht mal so übel und die sonderbaren Motive erinnern gar an die sexuell aufgeladenen Bilder Hockneys.

Von Peter Richter

Für die deutsche Redeweisheit, wonach jemand, der einen Schaden erleidet, für den Spott nicht zu sorgen braucht, gibt es im Englischen eine mitleidlosere Entsprechung: "The laugh is always on the loser." Den Schaden haben in diesem Fall die beiden früheren US-Präsidenten Bush: Nach einem Hacker-Angriff auf Computer der Familie sind neben Indiskretionen über den Gesundheitszustand und die Begräbnispläne von George Bush d. Ä. auch drei Beispiele für die Malkünste seines Sohnes an die Öffentlichkeit gelangt. Das Gelächter wiederum ist nun dort am lautesten, wo George W. Bush immer schon am meisten verachtet wurde - bei den liberalen Ostküsten-Intellektuellen.

Am allerlautesten war es im Haus des New Yorker Ehepaars Jerry Saltz und Roberta Smith, den beiden emsigsten Kunstkritikern des Landes. "W. malt!", prustet Smith in der New York Times. "Schweine können fliegen", kommentiert Saltz auf der Webseite des New York Magazine. Beide kommen zu dem Ergebnis, dass Bush gar nicht so ungeschickt male für einen Amateur - besser jedenfalls als Adolf Hitler und Winston Churchill, findet Saltz.

Die sonderbaren Motive provozieren erregte Exegesen

Wie bei allen anderen Fachleuten sind es vor allem die sonderbaren Motive, die erregte Exegesen provozieren. Eines der mutmaßlichen Selbstporträts zeigt den Ex-Präsidenten unter der Dusche, was an gewisse (homo-)sexuell aufgeladene Bilder von David Hockney erinnert. Ein anderes zeigt seine Knie und Füße in der Badewanne, wodurch es an ein ähnliches Gemälde der feministischen Ikonenmalerin Frida Kahlo denken lässt. In den Psychoanalysen seiner amerikanischen Kritiker zeigt sich der Kriegspräsident Bush hier möglicherweise beim Versuch, Schuld abzuwaschen.

Erstaunen lässt auch ein Foto, das einen Mann, vermutlich Bush, beim Malen zeigt, denn die Staffelei steht neben einer Hantelbank, die zumindest die angeberischen Rückenmuskeln auf dem Duschbild erklären helfen würde. Das Bild auf der Staffelei in diesem Kraftraum zeigt eine Kirche, die Jerry Saltz als die von Kennebunkport in Maine identifiziert, wo die Bushs ein Anwesen besitzen.

Das, wie auch die seltsame Körperlichkeit der anderen Bilder, wird als Beleg für die introvertierte Selbstbezüglichkeit gedeutet, die man Bush auch als Präsident immer attestiert hatte. Saltz, Smith und die meisten anderen kommen zu dem Schluss, dass jetzt eine große Ausstellung fällig sei. Dann müsste Bush sich immerhin zu den Bildern bekennen. Nicht dass am Ende noch jemand über die Kritiker lacht, die auf Fälschungen im Internet hereingefallen sind.