Altkanzler vs. Ute Ohoven Kohl ohne Kohl - Streit um eine Stiftung

Die Stiftung seiner Frau Hannelore war dem Altkanzler Helmut Kohl eine Herzensangelegenheit - jetzt zieht er sich dort überraschend zurück. Es gab Streit um eine "unfreundliche Übernahme". Im Blickpunkt: die blonde Society-Lady Ute-Henriette Ohoven.

Von Franz Baden

Die schönste publizistische Kooperation der Eheleute Kohl gab es im Jahr 1999. Da erschien das Buch "Kulinarische Reise durch deutsche Lande" - mit ihm, dem Altkanzler, als Autor, und mit ihr, der Frau an seiner Seite, als Herausgeber. Hier wurden heimische Kochrezepte ausgebreitet, und es erschienen dazu textliche Miniaturen unter dem Namen Helmut Kohl, der weit über Saumagen hinaus die heimische Küche lobte.

Spektakulär kündigte der einstige CDU-Chef Helmut Kohl an, die Hannelore-Kohl-Stiftung zu verlassen.

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Die Einnahmen aus dem Verkauf des im Fernsehen tüchtig promoteten Buch flossen der "ZNS - Hannelore-Kohl-Stiftung für Verletzte mit Schäden des Zentralen Nervensystems" zu. Der Vorläufer der gemeinnützigen Stiftung in der früheren Bundeshauptstadt Bonn, in der Helmut Kohl viele Jahre residierte, wurde 1983 von Hannelore Kohl als "Kuratorium ZNS" ins Leben gerufen.

Jetzt aber gibt es Ärger um diese Einrichtung: Spektakulär kündigte der einstige CDU-Chef Kohl an, die Hannelore-Kohl-Stiftung zu verlassen. Er will seine Ämter, unter anderem als Ehrenvorsitzender des Stiftungskuratoriums, niederlegen. Kohl ohne Kohl - geht das?

Der Christdemokrat schrieb einen Brief an die Mitglieder des Kuratoriums und des Vorstandes der Stiftung. In dem Schreiben begründete er seinen Rückzug mit einer "unerfreulichen Übernahme" der Stiftung durch Personen, "die in keiner Beziehung zu meiner verstorbenen Frau standen". Die Mehrheitsverhältnisse hätten sich während Kohls eigener schweren Erkrankung im vorigen Jahr verschoben, so dass seine Vorschläge für eine neue Satzung abgelehnt wurden.

Die Stiftung repräsentiere "in ihrer derzeitigen Verfassung nicht mehr die Interessen meiner verstorbenen Frau", resümiert Kohl.

Diese gepfefferte Stellungnahme kann man gar nicht anders verstehen als eine Kampfansage an Ute-Henriette Ohoven (63). Sie war 2002 zur Präsidentin der Stiftung aufgestiegen - nach dem Tod von Hannelore Kohl im Jahr 2001.

Die Frau des etwas öligen Investmentbankers Mario Ohoven hat sich einen Ruf als charity queen oder auch als "Mutter Teresa in Chanel" redlich erworben. Spezialität: Aufwendige Galas für Besserverdienende, die sich einen Abend lang in Spendierlaune am eigenen Portemonnaie vergreifen. Große Limousinen fahren vor, Stargäste werden mit dem Hubschrauber eingeflogen, die Marbella-Connection tanzt - und über allem thront "Ute, die Gute", wie sie der Klatschjournalist Michael Graeter leicht ironisch nennt.

Ute-Henriette Ohoven ist seit Langem als Unesco-Sonderbotschafterin unterwegs und hat eine eigene Stiftung. Auch darf sich die Dame aus Düsseldorf Honorargeneralkonsulin der Republik Senegal für Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen nennen.

Mit so viel "Klimbim" und "Bimbes" kann Helmut Kohl inzwischen womöglich wenig anfangen. Und doch ist sein Rückzug aus der von seiner Frau Hannelore gegründeten Stiftung auf Unverständnis gestoßen. Die "ZNS - Hannelore-Kohl-Stiftung" jedenfalls zeigte sich komplett überrascht. Dafür habe es "keine Signale" gegeben, sagt die Vizepräsidentin der Stiftung, Annegret Ritz. Sie könne die Vorwürfe, die über Kohls Leib- und Magenblatt Bild bekanntwurden, nicht nachvollziehen. Die Kritik träfe auch nicht zu.

"Namen der verstorbenen Ehefrau nicht fortführen"

Kohl hat offenbar darum gebeten, "den Namen meiner verstorbenen Ehefrau Hannelore als Stiftungsnamen nicht fortzuführen". Dabei habe der Altkanzler seinerzeit Ohoven selbst vorgeschlagen, erklärt Ritz. Über ein persönliches Zerwürfnis zwischen dem Altkanzler und der Stiftungspräsidentin sei ihr nichts bekannt. "Es gab in letzter Zeit zwar strittige Diskussionen, aber einen solchen Schritt hätte ich nicht erwartet."

Im Kuratorium sitzen Kohl-Gefolgsleute wie der Ex-Bundesbankchef Hans Tietmeyer und der Handelskammer-Geschäftsführer Franz Schoser. Bild-Chefredakteur Kai Diekmann wird im letzten online verfügbaren Geschäftsbericht 2007 als Mitglied des Beirats geführt. Ohoven müsse "wohl mit weiteren Rücktritten rechnen", vermutet sein Blatt.

Über die Bitte Kohls, den Namen seiner verstorbenen Frau zu streichen, will die Stiftung demnächst beraten.