Nach der Präsidentenwahl in Afghanistan wird Amtsinhaber Karsai "Wahlbetrug im großen Stil" vorgeworfen. Jetzt fordern USA und UN offenbar eine Überprüfung des Urnengangs.
Angesichts massiver Fälschungsvorwürfe im Zusammenhang mit der Präsidentenwahl in Afghanistan haben die USA und die Vereinten Nationen Präsident Hamid Karsai nach Medienberichten zu einer gründlichen Überprüfung des Urnengangs gedrängt.
Das Foto zeigt Hamid Karsai nach der afghanischen Präsidentschaftswahl im August. (© Foto: dpa)
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Wie der US-Sender CNN unter Berufung auf Mitarbeiter des US-Außenministeriums berichtete, trafen der US-Botschafter in Kabul, Karl Eikenberry, und UN-Vertreter am Montagabend mit Karsai zusammen. Dabei hätten sie ihn aufgefordert, der unabhängigen Wahlkommission eine eingehende Überprüfung der Vorwürfe zu gestatten. Erst danach könne geklärt werden, ob ein zweiter Wahlgang nötig ist.
Ein namentlich nicht genannter Vertreter des Außenministeriums in Washington sprach von einem "Schuss vor den Bug der afghanischen Regierung". Damit solle sichergestellt werden, dass die Wahlkommission ihrer Aufgabe ungehindert nachgehen könne. Botschafter Eikenberry habe nach dem Treffen mit Karsai US-Außenministerin Hillary Clinton Bericht erstattet, hieß es weiter.
Am Montag hatte die New York Times unter Berufung auf Diplomaten von massiven Betrugsvorwürfen gegen Karsai-Anhänger berichtet. So sollen bei der Abstimmung am 20. August bis zu 800 "Phantom-Wahllokale" eingerichtet worden sein, aus denen Tausende Stimmen für Karsai registriert wurden. Auch die stellvertretende Leiterin der EU-Wahlbeobachtermission in Afghanistan, Dimitra Ioannou, sprach im Tagesspiegel von "Wahlbetrug im großen Stil".
200.000 Stimmen für ungültig erklärt
Der Leiter der Wahlkommission, Daud Ali Nadschafi, erklärte, etwa 200.000 Stimmen seien wegen Betrugs für ungültig erklärt worden. Eine zweifache Prüfung habe ergeben, dass diese Stimmen nicht gewertet werden könnten. "In einigen Regionen war die Beteiligung höher als die Zahl der Stimmzettel, die wir an die Wahllokale geschickt haben."
Nach Auszählung von drei Viertel der Wahllokale führt Karsai nach Angaben der Wahlkommission mit 48,6 Prozent der Stimmen. Sein wichtigster Herausforderer Abdullah Abdullah folgt mit 31,7 Prozent. Für einen Erfolg bereits im ersten Wahlgang ist die absolute Mehrheit der Stimmen nötig.
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(dpa/AP/af/odg)
Iranische Verhältnisse in Afghanistan... wer sich wundert ist selber schuld...
Diese Spitzendemokraten in Afghanistan bauen im Land Potemkinsche Wahllokale, wie durch Zauberhand entstehen virtuelle Wähler, Urnen werden beim Maultiertransport weggezaubert, Stimmzettel auf dem Basar gehandelt und die normalen Afghanen scheints nicht zu stören.
Ja warum auch. Weil denen die Demokratie den Buckel herunterrutschen kann. Es herrschen eben in Afghanistan ganz eigene Willensbildungssysteme und Gesellschaftsstrukturen.
Gegen Karsai ist Achmadinetschad noch ein Musterdemokrat und die Bürger im Iran sind überaus bewußte Demokraten, wenn die sogar ihr Leben und Freiheit für faire Wahlen einsetzen.
Doch was ist in Afghanistan? Dort sind die Wahlen ein reines Kasperletheater um mal Peter Scholl Latour zu zitieren.
Bin ja mal gespannt, wann man in der ARD oder der SZ vom "Regime" in Afghanistan spricht, so wie man es in Bezug auf den Iran tut. Darf ich raten? Man wird weiterhin von der Regierung Karsai sprechen.
dass man in einem Land, in dem seit jahren erfolglos versucht wird, demokratische Strukturen einzuführen, eine "freie und demokratische" Wahl durchführen will, finde ich schon reichlich seltsam...
dass man sich nun wundert, dass es dabei nicht ganz so "frei und demokratisch" wie geplant zustatten ging, zeigt, wie weit die Verantwortlichen in Afghanistan von der Realität entfernt sind!
international unterstützt und gestützt wird, ist Wahlfälschung doch ein Kavaliersdelikt. Natürlich war Karsai der Wunschkandidat der USA und ihrer Verbündeten, trotz offensichtlich umfassenden Wissens um seine Bestechlichkeit. Und das macht doch nun wirklich deutlich, dass das afghanische Volk dabei auf der Strecke bleibt. Und BennoR: Die Rosinen picken nicht die Afghanen sondern ihre Politiker, die sich von denen in den Staaten der sog. Helfer, die ich immer mehr als Mörder gerieren, nicht unterscheiden.
Mir klingt seit gestern immer wieder der interessante Satz der Kanzlerin im Ohr:"Sollte es zivile Opfer gegeben haben, werde ich das natürlich zutiefst bedauern." Ein Armutszeugnis. Oder?
Das ganze lässt sich hinsichtlich der Wahlmanipulation dahingehend ausführen: Sollte die Wahl tatsächlich manipuliert sein, was soll`s, es ha ja unser Wunschpräsident getan.
Paging