Affäre Jasper Der falsche Doktor von der CDU

CDU-Parlamentarier Dieter Jasper gerät wegen eines falschen Doktortitels unter Druck. Er gibt sich unschuldig - hätte aber alles Nötige wissen können.

Von Thorsten Denkler

Der Mann ist seit kurzem bundesweit bekannt, aber der Grund passt nicht für einen Bundestagsabgeordneten der CDU. Wer will schon groß in der Presse stehen, weil er einen ominösen Doktortitel gekauft hat, der in der akademischen Welt soviel wert ist wie ein Schmierzettel?

Dieter Jasper wählt da die Strategie der Vorwärtsverteidigung. Ja, er habe einen Fehler gemacht und sei "dämlich genug" gewesen, den Versprechungen zu glauben. Er sei "Betrügern aufgesessen". Das sei ihm allerdings erst im Jahr 2009 gewahr geworden.

Zwei Prozentpunkte Vorsprung - dank Doktortitel?

Durch Berichte über gekaufte Ehrentitel alarmiert, habe er im Oktober eine Anwaltskanzlei beauftragt, seinen eigenen 2004 an der "Freien Universität Teufen" in der Schweiz erworbenen Doktortitel auf Rechtmäßigkeit zu prüfen.

So eine Promotion macht etwas her im politischen Alltagsgeschäft. Jasper ist seit der Bundestagswahl im Herbst 2009 Abgeordneter der CDU aus dem Münsterland. Seinen Wahlkreis Steinfurt III hat er knapp dem SPD-Politiker Reinhold Hemker mit zwei Prozent Vorsprung abgejagt.

Sozialdemokrat Hemker wie auch seine lokalen Kollegen von Grünen und Linken glauben inzwischen, dass der vermeintliche Doktortitel ihm den entscheidenden Vertrauensbonus in der Bevölkerung verschafft habe. Hemker fordert Jaspers Rücktritt. Die Linke-Bundestagsabgeordnete Kathrin Vogler hat nun offenbar schriftlich Beschwerde bei Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) eingelegt. Sie verlangt Neuwahlen in Jaspers Wahlkreis.

Lokalen Medien erklärte Jasper, der Wirtschaftswissenschaften an der Uni Münster studiert hat, er sei 2003 bei der Suche nach einer nicht ganz so strengen Promotionsordnung auf die "Freie Universität Teufen" in der Schweiz gestoßen. Er habe nach einer leichten und berufsbegleitend möglichen Weise gesucht, den Doktor zu machen, weil er weiterhin für die Firma seines Vaters, die Behälter- und Apparatebau Josef Jasper GmbH & Co. KG in Hopsten, arbeiten wollte.

Das Thema seiner Arbeit: "Elemente und Strukturen von Managementsystemen in KMU (Klein- und Mittelständische Unternehmen) - Betriebswirtschaftliche Analyse für einen Betrieb der Metall verarbeitenden Industrie".

Uni ohne Studenten und feste Mitarbeiter

Jasper muss schon sehr blauäugig gewesen sein, sich auf die Dienste der "Freien Universität Teufen" einzulassen. Sie ist seit 1985 bekannt als Titelmühle, die wahllos Doktor-, Professorentitel und Diplome in mehr als einem Dutzend Fachgebieten an zahlungswillige Kunden ausstellt. Weder in der Schweiz noch sonst wo auf der Welt genießt sie universitären Status.

An dieser sehr speziellen Universität, die sich als Fernuni ausgibt, gibt es keine Studenten und keine festen Mitarbeiter. Nicht mal mit einer eigenen Internetpräsenz mag sich die selbst ernannte Universität schmücken. Wer hier seinen Doktor machen will, muss in der Regel die Dienste eines windigen Promotionsberaters in Anspruch nehmen.

An der Postadresse der vermeintlichen Bildungsstätte findet sich lediglich ein Briefkasten. Die Universität ist ein Unternehmen nach Schweizer Recht, dessen Abschlüsse nicht mal in der Schweiz anerkannt sind. Wohl auch deshalb findet sich auf der Internetseite der Gemeinde Teufen kein Hinweis auf die höhere Bildungseinrichtung.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum der CDU-Abgeordnete Jasper hätte gewarnt sein müssen.

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