Ägyptens Präsident Mursi Hilferuf nach den Vertriebenen

Ägyptens Präsident Mursi versucht, die Unruhen im Land unter Kontrolle zu bringen - in Zukunft auch mit Hilfe des Militärs. 

(Foto: REUTERS)

Ägyptens Präsident Mursi hat dem Volk zivile Herrschaft versprochen - und verlässt sich in der Stunde der Verzweiflung auf das von ihm vertriebene Militär. Sein Hilferuf steht für seinen totalen Glaubwürdigkeitsverlust. Dabei braucht Ägypten eine Regierung, die rettet - solange es noch etwas zu retten gibt.

Ein Kommentar von Tomas Avenarius, Kairo

Ägyptens Staatschef Mohammed Mursi ist eine fast schon tragische Figur. Konfrontiert mit neuen Unruhen muss er die Armee zu Hilfe rufen - jene Offiziere, die er im Sommer 2012 von der Macht vertrieben hatte. Mursis Hilferuf steht für seinen totalen Glaubwürdigkeitsverlust: Er hat dem Volk zivile Herrschaft versprochen und ruft in der Stunde der Verzweiflung nach dem Militär.

Die Gründe für Mursis Scheitern sind bekannt. Politisch ist Ägypten in der Sackgasse, wirtschaftlich auch. Die Polizei ist bei Demonstrationen nur bedingt einsatzfähig. Sie verbarrikadiert sich vor Ministerien, an Orten wie dem Tahrir-Platz hat sie wenig zu melden. Die Demonstranten wiederum haben sich radikalisiert. Die Revolution wurde 2011 von Jugendlichen getragen. Und Jugendliche sind es, die nun für neue Probleme sorgen - Fußball-Hooligans und ein "schwarzer Block" stehen in vorderer Front, wenn Steine fliegen.

Die politischen Ziele dieser Protestierenden bleiben vage. Der Ruf nach dem Rücktritt eines trotz aller Vorbehalte demokratisch legitimierten Präsidenten ist ein Slogan, kein Programm. Die in Parteien organisierte Opposition macht auch keine griffigen Vorschläge - der Boykott der Parlamentswahl im Frühjahr alleine kann es wohl nicht sein. In einem aber hat die Opposition recht: Aus der Misere führen kann Ägypten nur noch eine Regierung der nationalen Rettung - solange es noch etwas zu retten gibt.