Ägypten Gewalttätige Proteste im ganzen Land

Proteste in Ägypten:  Ein Demonstrant vor dem Präsidentenpalast in Kairo inmitten von Tränengas. 

(Foto: REUTERS)

Bei neuen Protesten gegen den ägyptischen Staatschef Mursi sind am Freitag zahlreiche Menschen verletzt worden. Mehr als 120 Menschen wurden verletzt.

Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Gegnern der regierenden Islamisten in Ägypten sind am Freitag mehr als 120 Menschen verletzt worden. Das gab das ägyptische Gesundheitsministerium nach Angaben lokaler Medien bekannt.

Vor dem Präsidentenpalast in Kairo, in Alexandria und mehreren Provinzstädten setzte die Polizei Tränengas ein. Einige Demonstranten warfen Steine und Brandbomben, Autoreifen wurden in Brand gesetzt. Auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo, wo sich mehr als 10.000 Regierungsgegner versammelten, blieb es dagegen friedlich. Einige Demonstranten blockierten eine U-Bahn-Station in Kairo. Friedlich blieb es auch bei einer Kundgebung von Salafisten vor einer Kairoer Moschee.

Die Regierungsgegner riefen "Nieder mit der Herrschaft der Muslimbrüder" und "Das Innenministerium ist genauso wie früher, Schlägertrupps, Schlägertrupps". In der Hafenstadt Alexandria warfen Demonstranten Steine auf die Polizeistation des Stadtteils Sidi Gaber, woraufhin die Polizei Tränengas einsetzte.

In der Industriestadt Al-Mahalla ging die Ordnungspolizei nach Informationen des regierungsnahen Nachrichtenportals Al-Ahram auf Demonstranten los, die versuchten, das Gebäude der Stadtverwaltung zu stürmen. Auch in Kafr al-Scheich, Tanta und in Zagazig, der Heimatstadt von Präsident Mohammed Mursi, kam es zu Gewalt.

In mehreren Städten der Provinz Gharbija im Nildelta gab es ebenfalls Zusammenstöße: 28 Menschen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums verletzt, die meisten durch das Einatmen von Tränengas. In der Provinz Alexandria wurde die Zahl der Verletzten mit 20 angegeben.

"Freitg des Abgangs"

Zu den wohl heftigsten Ausschreitungen kam es in Tanta, der Heimatstadt des 23-jährigen Aktivisten, der von Sicherheitsleuten in Kairo zu Tode geprügelt worden war. Dort warfen Demonstranten Brandsätze gegen die Polizei, diese antwortete mit Tränengas.

Auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo, wo sich mehr als 10.000 Regierungsgegner versammelten, blieb es dagegen friedlich. Einige Demonstranten blockierten eine U-Bahn-Station in Kairo.

Die Proteste der Gegner von Präsident Mohammed Mursi standen diesmal unter dem Motto "Freitag des Abgangs", das ägyptische Demonstranten auch schon vor zwei Jahren benutzt hatten, als sie gegen den damaligen Präsidenten Husni Mubarak demonstrierten. Die Proteste richten sich auch gegen Polizeigewalt und gegen die jüngsten Todesdrohungen gegen mehrere prominente Oppositionsführer.

Die Aktivisten prangerten erneut das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten an. In den vergangenen Tagen waren mehrere Aktivisten ums Leben gekommen.

Proteste in Kairo Video mit Polizeigewalt schockiert Ägypten

Es waren die ersten Demonstrationen nach einigen Tagen der Ruhe. Zwischen 25. Januar und 4. Februar waren mindestens 59 Menschen bei Protesten ums Leben gekommen. Kritiker werfen Mursi vor, die Ziele und den Geist der vor zwei Jahren gestarteten Revolution verraten zu haben, indem er zuviel Macht in seiner Hand und bei den Muslimbrüdern konzentriere.