Abu Ghraib Obama will Folter-Fotos geheim halten

Neue Fotos aus Abu Ghraib: Entgegen der Ankündigung will Präsident Obama die Bilder von Misshandlungen nicht veröffentlichen. Er fürchte um die Sicherheit der US-Soldaten.

Die US-Regierung will anders als ursprünglich geplant Fotos von misshandelten Häftlingen im Gefängnis Abu Ghraib im Irak doch nicht veröffentlichen. Präsident Barack Obama habe die Anweisung gegeben, die Bilder von den Quälereien durch US-Soldaten nicht publik zu machen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, am Mittwoch in Washington.

Hat sich umentschieden: US-Präsident Barack Obama.

(Foto: Foto: AP)

Grund sei die Sorge, dass eine Veröffentlichung anti-amerikanische Stimmungen schüren und dadurch die Sicherheit der Truppen im Irak und in Afghanistan gefährden könne. "Er (Obama) ist der Meinung, dass die Veröffentlichung dieser Fotos eine Bedrohung für unsere Männer und Frauen sein könnte, die im Irak und Afghanistan Gefahren ausgesetzt sind", sagte der Sprecher.

Das Pentagon hatte kürzlich die Freigabe der Fotos angekündigt, nachdem die Bürgerrechtsunion ACLU eine Veröffentlichung vor Gericht erstritten hatte. Obama wolle diese Entscheidung juristisch anfechten lassen. Er gehe davon aus, dass bei der Gerichtsentscheidung die Sicherheit der Truppen nicht ausreichend berücksichtigt worden sei.

Die jetzt in Frage stehenden Fotos seien nicht so sensationell wie die 2004 veröffentlichten Bilder aus dem Gefängnis Abu Ghraib, sagte Obama. Allerdings sei jeder Missbrauch von Gefangenen durch Angehörige der Streitkräfte inakzeptabel.

Die nach Bekanntwerden der früheren Fotos in Gang gebrachten Strafverfahren sind abgeschlossen. Noch anhängig sind 200 weitere Ermittlungen des Pentagons auf der Grundlage von später aufgetauchten Fotos.

"Die Entscheidung, die Fotos nicht freizugeben, machen Präsident Obamas Versprechen der Transparenz und Rechenschaft zum Gespött", sagte der Anwalt Amrit Singh von der ACLU. "Es ist wesentlich, dass diese Fotos freigegeben werden, damit die Öffentlichkeit selbst das ganze Ausmaß des Missbrauchs von Gefangenen überprüfen kann, der in ihrem Namen begangen wurde." Auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte die Erklärung Obamas.

Die Republikaner begrüßten hingegen, dass der Präsident seine Haltung geändert habe.

Bereits im April 2004 waren von Wärtern aufgenommene private Fotos von misshandelten und sexuell gedemütigten Häftlingen aus Abu Ghraib an die Öffentlichkeit gelangt. Sie lösten einen weltweiten Sturm der Entrüstung aus. So waren nackte Gefangene zu sehen, die zu einer Pyramide aufgetürmt oder wie Hunde an der Leine geführt wurden.