Abschüsse von Flugzeugen Passagiermaschinen als Ziele

Fatale Fehler, gezielte Abschüsse: Flug MH17 ist nicht das erste zivile Passagierflugzeug, das gezielt oder aufgrund einer Verwechslung abgeschossen wurde. Vor allem der Kalte Krieg forderte eine Reihe von Opfern.

Von Lara Gruben

Die Trümmer der Malaysia Airlines Maschine liegen auf einer Fläche von 36 Quadratkilometern verstreut.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Wer ist schuld am Tod von 298 Menschen? Sie starben am Donnerstag, als im Osten der Ukraine ein Passagierflugzeug abstürzte. Die USA vermuten, dass Flug MH17 gezielt abgeschossen wurde. Es wäre nicht das erste Mal in der Luftfahrtgeschichte, dass eine Passagiermaschine beschossen wird. Die wichtigsten Fälle:

14. Juni 1940: Kaleva, OH-ALL

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde eine finnische Passagiermaschine von der sowjetischen Luftwaffe abgeschossen. Das Flugzeug war auf dem Weg von Tallinn nach Helsinki. Neun Passagiere waren an Bord des Flugzeuges, unter ihnen ein amerikanischer Diplomat. Er soll geheime Dokumente bei sich gehabt haben, die sowjetische Pläne, das Baltikum zu besetzen, belegt hätten, berichtet das Flugmagazin Historic Wings.

3. März 1942: KNILM, PK-AFV

Der Flug PK-AFV der niederländischen Airline KNILM wurde am 3. März über Australien von japanischen Flugzeugen beschossen und zur Notlandung gezwungen. Vier der neun Passagiere wurden getötet. Der Flug sollte von Indonesien nach Broome im Nordwesten Australiens gehen. Dem Piloten gelang es, das Flugzeug an der australischen Küste, 80 Kilometer nördlich von Broome, notzulanden. Angeblich waren an Bord der Maschine Diamanten mit einem Wert von 9,5 bis 19 Millionen australischen Dollar, die direkt nach der Landung gestohlen wurden.

1. Juni 1943: BOAC-Flug 777

Ein britisches Passagierflugzeug wurde am 1. Juni 1943 im Golf von Biskaya, nahe der französischen Atlantikküste, von der deutschen Luftwaffe abgeschossen. Angeblich vermuteten die Schützen den britischen Premier Winston Churchill an Bord, so mutmaßt die Bristol Post. Das Flugzeug war auf dem Weg von Lissabon ins britische Bristol. An Bord war der berühmte britische Schauspieler Leslie Howard. Bekannt wurde er in seiner Rolle als Ashley Wilkes in "Vom Winde verweht". Zwölf weitere Passagiere und vier Besatzungsmitglieder der Airline kamen beim Absturz ums Leben.

27. Juli 1955: El Al, Flug 402

Im bulgarischen Petritsch kamen 1955 51 Passagiere und sieben Mitarbeiter ums Leben. Flug 402 der israelischen Fluggesellschaft El Al war auf dem Weg von London über Wien und Istanbul nach Tel Aviv und wurde von bulgarischen MiG-15 abgeschossen. Ein Navigationsfehler brachte die Maschine in bulgarischen Luftraum.

21. Februar 1973: Libyan Arab Airline, Flug 114

Eine Boeing 727 der Libyan Arab Airline, die von Tripolis nach Kairo fliegen sollte, verließ ihre eigentliche Route und steuerte Richtung Israel. Aufrufe, die Flugroute zu ändern, ignorierte der Pilot. Warnschüsse wurden ebenfalls ignoriert. Daraufhin feuerten israelische Kampfflugzeuge aus 20-mm-Geschützen auf die Maschine und brachten sie in der Wüste Sinai zum Absturz. Von den 113 Menschen an Bord überlebten nur fünf.

20. April 1978 Korean Air Lines, Flug 902

Ein Passagierflugzeug der Korean Air Lines wurde über sowjetischem Gebiet beschossen und musste notlanden. Das Flugzeug sollte von Paris nach Seoul fliegen. Dabei kam es von der eigentlichen Route ab und drang in den sowjetischen Luftraum ein. Sowjetische Abfangjäger beschossen das Flugzeug, das nachts auf einem gefrorenen See notlandete. Zwei der 107 Menschen an Bord wurden beim Raketentreffer einer Tragfläche durch Splitter getötet .

3. September 1978: Air Rhodesia, Flug RH825

Der Flug RH825 der Air Rhodesia sollte von Kariba im heutigen Simbabwe in die Hauptstadt Salisbury, die heute Harare heißt, fliegen. Am 3. September 1978 wurde das Flugzeug von der Zimbabwe People's Revolutionary Army (ZIPRA), einer Guerillagruppe, abgeschossen. 18 der 56 Passagiere überlebten den Absturz. Zehn der Überlebenden wurden nach dem Absturz noch am Unfallort von den Guerillakämpfern ermordet.

12. Februar 1979: Air Rhodesia, Flug RH827

Fünf Monate nach dem Absturz von Flug RH825 wurde ein weiteres Flugzeug von Air Rhodesia auf der Strecke von Kariba nach Salisbury abgeschossen. Wieder waren ZIPRA-Rebellen für den Absturz verantwortlich. Dieses Mal überlebte keiner der 59 Menschen an Bord.

1. September 1983: Korean Air Lines, Flug 007

Ein Passagierflug, der 1983 von New York nach Seoul fliegen sollte, geriet versehentlich in sowjetisches Gebiet. Ähnlich der Notlandung der koreanischen Maschine 1978 kam das Flugzeug von der geplanten Route ab. Der Pilot soll nicht auf Warnschüsse reagiert haben. Das Flugzeug war zum Zeitpunkt des Abschusses südwestlich der Insel Sachalin im "Autopilot"-Modus unterwegs. 240 Passagiere und 29 Besatzungsmitglieder kamen bei dem Absturz ums Leben. Der Vorfall verschärfte die Spannungen des Kalten Krieges.

6. November 1987: Air Malawi, 7Q-YMB

Eine Passagiermaschine der Air Malawi wurde über Mosambik zum Absturz gebracht. Der Inlandsflug 7Q-YMB sollte von Blantyre, im Süden Malawis nach Lilongwe im Zentrum des Landes fliegen. Dabei überquerte der Flug plangemäß das Bürgerkriegsland Mosambik. Über der Stadt Ulongwe wurde das Flugzeug abgeschossen. Zehn Menschen kamen dabei ums Leben.

3. Juli 1988: Iran Air, Flug 655

Gegen Ende des iranisch-irakischen Krieges 1988 wurde ein Passagierflugzeug abgeschossen. Eine Rakete der US Navy, abgefeuert von der USS Vincennes im Persischen Golf, traf das Flugzeug. 274 Passagiere und 16 Besatzungsmitglieder kamen bei dem Absturz ums Leben. Das Flugzeug war auf dem Weg vom iranischen Bandar Abbas nach Dubai. Noch heute ist ungeklärt, was genau zu dem Abschuss geführt hat.

21.-23. September 1993, Transair Georgia

Innerhalb von drei Tagen wurden drei Passagierflugzeuge angegriffen. Das erste flog am 21. September auf dem Weg von Sotschi über das Schwarze Meer. Es wurde von einer Flugabwehrrakete der abchasischen Rebellen beim Landeanflug auf Suchumi getroffen. Alle 27 Menschen an Bord starben bei dem Absturz. Am 22. September wurde ein weiteres Flugzeug der Transair Georgia abgeschossen. Es war auf dem Weg von Tbilisi nach Suchumi, der Hauptstadt der abtrünnigen georgischen Teilrepublik Abchasien. Erneut einen Tag später, am 23. September, wurde eine Passagiermaschine in Suchumi noch vor Abflug von Rebellen mit Mörsergranaten oder Artillerie beschossen. Es ging in Feuer auf. Ein Besatzungsmitglied wurde getötet. Insgesamt starben an drei Tagen 136 Menschen.

4. Oktober 2001: Siberian Airlines, Flug 1812

2001 wurde ein Passagierflugzeug über dem südöstlichen Schwarzen Meer abgeschossen. Der Flug sollte von Tel Aviv ins russische Nowosibirsk gehen. Über dem Schwarzen Meer schoss das ukrainische Militär während eines Manövers die Maschine ab - eine Rakete verfehlte eine Zieldrohne, da diese bereits zerstört war, und steuerte ohne erfolgte Selbstzerstörung nunmehr die 250 Kilometer entfernte Maschine an. Alle 78 Menschen an Bord starben. Ursprünglich gingen die russischen Behörden von einem Anschlag tschetschenischer Terroristen aus.

Ein Flugzeug des Typs Tu-154, wie im Bild zu sehen, ist 2001 über dem Schwarzen Meer versehentlich abgeschossen worden.

(Foto: AFP)