Weltgrößter Skihalle droht die Schließung Bottrops Zukunft gerät ins Rutschen

In Bottrop steht die längste Skihalle der Welt. Sie sollte eigentlich die Zukunft sein, wenn die letzte Zeche Deutschlands den Betrieb einstellt. Nun könnten die Bergleute noch länger unter Tage fahren als die Skifahrer bergab: Der Halle droht die Schließung - aus Sicherheitsgründen.

Von Bernd Dörries

Zur Eröffnung 2001 kam Rosi Mittermaier vorbei, fasste in den Schnee, rieb ihn zwischen den Fingern und stellte fest, dass der heuer im Ruhrgebiet besser sei als in Garmisch. Das war auch gar nicht so verwunderlich, denn der Schnee kam ja aus Tirol, mit dem Laster herangeschafft, weil die Schneeanlage in Bottrop nicht funktionierte, wie so vieles andere später auch nicht richtig lief. Zehn Jahre ist das jetzt her, und wenn man sagt, dass die längste Skihalle der Welt seither eine durchaus bewegte Geschichte hatte, dann kann darüber gerade niemand lachen in Bottrop.

Der Berg, der eigentlich eine Halde ist, ist ins Rutschen geraten - wenige Zentimeter noch, und die Halle muss geschlossen werden. Eine Halle, die aussieht wie ein langer grüner Kühlschrank, gebaut auf einer Abraumhalde des Bergwerks Prosper-Haniel nebenan. Die Zeche wird 2018 als letzte Deutschlands schließen, die Skihalle nebenan sollte die Zukunft sein. Wenn es ganz schlecht läuft für den Freizeitpark Alpincenter, werden die Bergleute noch länger unter Tage fahren als die Skifahrer bergab.

Die Skihalle ist mit 640 Metern die längste auf der Welt, sie wurde nicht direkt auf die 113 Meter hohe Halde gebaut, sondern auf 180 Pfeiler. Etwa 50 Millionen Euro hat das gekostet, Gutachter sagten, alles sei sicher. Ist es aber offenbar nicht. Im Sommer wurden an 15 Pfeilern Bewegungen festgestellt. Gutachter erarbeiteten ein Sicherungskonzept, elf Pfeiler wurden mit tonnenschweren Betonfundamenten verstärkt, um ein weiteres Abrutschen zu verhindern.

Bei vielen Pfeilern funktionierte das auch, aber bei Messungen vor einigen Tagen wurde an zweien eine stark beschleunigte Bewegung festgestellt. Ein Pfeiler ist besonders problematisch, er weicht um 22 Zentimeter von seiner ursprünglichen Position ab. "Der gesetzliche Grenzwert liegt bei 25 Zentimeter, dann müssen wir die Halle schließen. Auch wenn es uns leidtut", sagt ein Sprecher der Stadt.

An diesem Dienstag will der Stadtrat über die Lage beraten. Über die Ursachen der Schieflage gebe es keine gesicherten Erkenntnisse, sagt der Stadtsprecher. Möglich sei, dass in der Halde, die aus Abraum aus dem Bergbau besteht, auch feine Sande seien, die sich noch stärker absetzen würden als gedacht.