Weihnachtswetter in Europa Schnee und Sturm behindern Verkehr

Alpenpässe in der Schweiz sind gesperrt, Fährverbindungen in Italien unterbrochen und in Großbritannien fehlt noch immer Zehntausenden Haushalten der Strom. Vielerorts in Europa hat Tief Dirk für chaotische Weihnachten gesorgt. Und der nächste Sturm ist schon unterwegs.

Wie dieses Haus im englischen Yalding waren etliche Gebäude im Süden des Landes überschwemmt.

(Foto: Getty Images)

"Wir haben über dem Holzofen ein bisschen Brot getoastet und wir haben einen kleinen Campingkocher für Tee und Kaffee, also machten wir ein wenig Rührei. Dazu tranken wir ein Glas Wein, zum Nachtisch gab es Schokoladenkuchen. Es hat sehr gut geschmeckt." Wie Judy Davis aus der Grafschaft East Sussex, die ihre Geschichte der BBC schilderte, haben Tausende Familien im Süden Englands nach heftigen Stürmen und Überschwemmungen den Weihnachtstag verbracht. Ohne Strom, ohne elektrisches Licht oder Heizung und mit Notfall-Keksen statt Festschmaus. Die Tageszeitung The Telegraph titelte an diesem Donnerstag "Der Sturm, der Weihnachten stahl".

Zwischenzeitlich waren bis zu 300.000 Haushalte ohne Strom, am 25. Dezember waren es laut Netzbetreibern noch 50.000. Nicht überall wird die Elektrizitätsversorgung bis zum Abend des zweiten Weihnachtsfeiertages wieder hergestellt sein. Orkanartige Winde und sintflutartige Regenfälle sorgten in Teilen Frankreichs und Großbritanniens an Heiligabend für Chaos. Beiderseits des Ärmelkanals wurden am Dienstag Windgeschwindigkeiten von bis zu 145 Kilometer pro Stunde gemessen. Insgesamt kamen bei dem Sturm mindestens sechs Menschen ums Leben, fünf davon in Großbritannien. In der Bretagne und der Normandie fiel in 240.000 Haushalten der Strom aus.

Auch andere Teile Europas haben an den Feiertagen mit extremen Wetterverhältnissen zu kämpfen. In Norditalien und in der Schweiz haben Sturm und Schnee am zweiten Weihnachtstag den Verkehr - besonders den auf der Schiene - stark behindert. In den Schweizer Alpen waren wegen Lawinengefahr mehrere Strecken unterbrochen. Wegen starker Schneefälle werden Züge von Genf, Lausanne, Bern und Basel in Richtung Mailand auf unbestimmte Zeit ausfallen, teilte die Schweizer Bundesbahn (SBB) mit.

In der Schweiz behinderten Schneefälle vielerorts den Verkehr, wie hier bei Airolo.

(Foto: AP)

In der italienischen Hafenstadt Genua konnten Fähren zeitweise nicht ablegen. Bei Erdrutschen wurden in der Lombardei zwei Menschen in ihren Autos verletzt. In Ligurien brachten sich etwa 50 Einwohner wegen starker Regenfälle in Sicherheit - in der Gegend starben 2011 bei Überschwemmungen sieben Menschen.

Unfall in Tiroler Skigebiet

In Österreich ließen am ersten Weihnachtsfeiertag heftige Windböen eine Seilbahngondel mit 21 Wintersportlern aus der Führung springen. Die Bahn am Tiroler Berg Venet sei automatisch abgeschaltet worden, teilte die Polizei mit. Stundenlang mussten die Passagiere bis zu ihrer Rettung in der Gondel ausharren. In Polen rissen heftige Sturmböen Bäume um.

Im polnischen Zakopane riss Sturmtief "Dirk" Bäume um.

(Foto: dpa)

Deutschland blieb von Dirk, wie das Sturmtief heißt, weitgehend verschont. An Heiligabend traten zwar auf den Nordseeinseln vorübergehend Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h auf, am Nachmittag schwächte sich der Wind jedoch wieder ab.

An einigen Orten gab es zumindest am zweiten Feiertag weiße Weihnachten. Auf dem Feldberg im Schwarzwald wurde an diesem Donnerstag laut Deutschem Wetterdienst eine Schneehöhe von 31 Zentimetern gemessen.

Das nächste Tief ist schon unterwegs und bringt weitere Niederschläge nach Deutschland - wo die Schneefallgrenze bei 600 bis 800 Meter liegen dürfte - und nach Großbritannien. Dort warnt die Wetterbehörde Met Office vor neuen Regenfällen und Windgeschwindigkeiten von bis zu 113 km/h. Das Sturmtief soll die britischen Inseln am Donnerstagabend erreichen.