Veruntreuung von Stiftungsgeldern Spaniens Prinzessin Cristina schwer belastet

Schluss jetzt: Die Inselhauptstadt Palma will nicht, dass eine Straße länger "Allee der Herzöge von Palma de Mallorca" heißt. Der Mann von Infantin Cristina, gegen den ermittelt wird, ist Herzog von Palma.

(Foto: REUTERS)

Iñaki Urdangarin - Ehemann von Infantin Cristina von Spanien - soll mehrere Millionen Euro an Stiftungsgeldern veruntreut haben. Er ist das erste Mitglied des spanischen Königshauses, das jemals angeklagt wurde. Doch nun beschuldigt sein Komplize auch das Königshaus und die Prinzessin selbst.

Von Thomas Urban, Madrid

In dem Prozess in Palma de Mallorca über die Unterschlagung von mehreren Millionen Euro an Stiftungsgeldern hat am Samstag einer der Angeklagten die spanische Königstochter Cristina schwer belastet. An der Spitze der Stiftung hatte in den Jahren 2004 bis 2006 deren Ehemann Iñaki Urdangarin gestanden, ein aus dem Baskenland stammender früherer Handballnationalspieler, der nach seiner Hochzeit mit der Infantin 1997 den Titel eines Herzogs von Palma verliehen bekam. Gemeinsam mit seinem früheren Geschäftspartner Diego Torres ist er Hauptangeklagter in dem Prozess.

Torres erklärte nun, die Herzogin sei als Mitglied des Aufsichtsrats der gemeinnützigen Stiftung Instituto Nóos, die Sport- und Gesundheitskongresse organisiert hatte, über alle Schritte der Leitung informiert gewesen. Überdies habe auch das königliche Hofamt in Madrid die Stiftung nach Kräften gefördert.

Vom Hofamt bedrängt?

Als Beleg für seine Aussagen übergaben die Verteidiger Torres', der seit dem Beginn der Ermittlungen mit seinem früheren Kompagnon Urdangarin völlig zerstritten ist, die Kopien von 200 Mails. Der Geschäftsmann sagte bei seiner siebenstündigen Anhörung, dass Vertreter des Hofamtes ihn bedrängt hätten, die Hauptschuld an den Unregelmäßigkeiten in der Stiftung auf sich zu nehmen. Die Anwälte hätten erreichen wollen, dass Urdangarin mit einer Geldstrafe davonkomme - und Torres zusätzlich mit einer Bewährungsstrafe. Ihm sei ein sehr gut dotierter Posten bei einer spanischen Institution oder einer Firma in Südamerika in Aussicht gestellt worden. Die Anwälte von Urdangarin wiesen diese Version als erfunden zurück.

Spaniens Infantin Cristina und ihr Mann Iñaki Urdangarín während ihrer Hochzeitszeremonie im Oktober 1997.

(Foto: REUTERS)

In der Stiftung sind laut Anklage Ausschreibungen fingiert, Scheinaufträge erteilt und mindestens acht Millionen Euro auf private Konten verschoben worden. Urdangarin ist das erste Mitglied des Königshauses, das vor Gericht steht. Offenbar, um sich aus der Schusslinie zu nehmen, zog er vor vier Jahren mit seiner Frau und den vier Kindern als Repräsentant des Konzerns Telefónica nach Washington. König Juan Carlos schloss ihn 2011 von offiziellen Auftritten des Königshauses aus. Urdangarin droht die Pfändung seiner Villa in Barcelona, da er sich bislang geweigert hat, die vom Gericht geforderte Kaution in Höhe von vier Millionen Euro zu hinterlegen.

Die Elite steht unter Korruptionsverdacht

Die neue Wendung in dem Prozess trifft das Königshaus fast genau ein Jahr nach der Affäre um die Luxussafari Juan Carlos' in Südafrika. Die Presseberichte aus Palma de Mallorca ergänzen das Bild, das die spanische Öffentlichkeit in den vergangenen Wochen in Unruhe versetzt hat: Nahezu die gesamte politische Elite steht unter Korruptionsverdacht. Die konservative Volkspartei von Premierminister Mariano Rajoy hat Berichten zufolge ihren Spitzenleuten jahrelang aus schwarzen Kassen erkleckliche Summen zukommen lassen. Die Sozialisten haben in Andalusien eigene Gefolgsleute aus den öffentlichen Kassen versorgt und stehen womöglich hinter einer dubiosen Abhöraffäre in Katalonien. Und das dort regierende Parteienbündnis CiU soll ebenfalls krumme Geschäfte in Millionenhöhe zu verantworten haben.

Torres sagte in dem Prozess aus, der Sekretär der Infantin habe die Aufgabe gehabt, Probleme mit den Behörden unter Berufung auf den Königshof zu lösen. Über einige der geplanten Veranstaltungen sei auf Zusammenkünften im Madrider Zarzuela-Palast geredet worden. Doch sei der König dabei nicht zugegen gewesen. Presseberichten zufolge sollen mehrere Hofbeamte dazu ihre Aussagen machen. Bislang hat das Gericht allerdings alle Anträge der Verteidigung Torres' zurückgewiesen, die Königstochter als Zeugin zu befragen.

Auch Name von Sayn-Wittgenstein taucht auf

Wegen des Prozesses hat der Stadtrat von Palma de Mallorca beschlossen, eine der beliebtesten Straßen der Stadt umzubenennen: Die Schilder mit der Aufschrift "Rambla dels Ducs de Palma" (Allee der Herzöge von Palma) wurden durch neue ersetzt, auf denen schlicht La Rambla steht.

Für Juan Carlos ist besonders peinlich, dass in Torres' Aussagen auch Corinna von Sayn-Wittgenstein auftaucht, die schon als seine Begleiterin bei der Safari nach Botswana 2012 Schlagzeilen gemacht hatte. Für diese hätten gut bezahlte Aufgaben bei Veranstaltungen der Stiftung gesucht werden sollen. Der Familienname der in Frankfurt aufgewachsenen Tochter eines dänischen Geschäftsmannes rührt aus ihrer kurzen Ehe mit einem zwölf Jahre jüngeren Prinzen. Von dem Adelshaus wird sie nicht als Mitglied anerkannt, den Titel "Prinzessin" darf sie nicht führen. Seit der Safari, bei der Juan Carlos einen Elefanten geschossen hatte, halten sich die spanischen Medien nicht mehr mit Mutmaßungen zurück, dass sie seine Geliebte gewesen sei.

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