Vergewaltigungsprozess Gericht lehnt Kachelmann-Gutachter ab

Schwere Niederlage für Kachelmann: Das Gericht hat einen Gutachter aus dem Vergewaltigungsprozess ausgeschlossen - wegen Befangenheit.

Wegen Befangenheit hat das Gericht im Kachelmann-Prozess einen Sachverständigen von der Verteidigung abgelehnt. Es bestünden Zweifel an der Unparteilichkeit des rechtsmedizinischen Gutachters Bernd Brinkmann, begründete der Vorsitzende Richter Michael Seidling die Entscheidung. Brinkmann wird nun nicht mehr gehört, hat kein Fragerecht mehr und sein Gutachten ist nicht mehr Teil des Verfahrens.

Jörg Kachelmann muss sich seit Anfang September vor dem Mannheimer Landgericht verantworten.

(Foto: dapd)

"Mit den inhaltlichen Positionen werden wir uns jedoch weiter auseinandersetzen", stellten Gericht und Staatsanwaltschaft klar.

Die Verteidigung von Fernsehmoderator Jörg Kachelmann beantragte, die Hauptverhandlung zu unterbrechen. Darüber wird das Gericht am Montag entscheiden. In einer Expertise hatte Brinkmann noch vor Verfahrensbeginn geschrieben, dass sich das 37-jährige mutmaßliche Opfer seine Verletzungen selbst zugefügt haben könnte, um eine Vergewaltigung vorzutäuschen.

Als Belege führte er Fotos von Blutergüssen an, die auf dem Computer der Frau gefunden wurden. Brinkmann sprach von "Selbststudien" der Frau, um herauszufinden, wie Hämatome entstehen. Brinkmann habe sofort sexuelle Praktiken und andere Ursachen für die Verletzungen ausgeschlossen und sich auf die These der Selbstverletzung beschränkt, sagte Seidling. Er warf Brinkmann eine "Überbetonung des eigenen Standpunkts" vor.

"Beckenbauer der Rechtsmedizin"?

Die Verteidigung kritisierte die Entscheidung heftig. "Brinkmann ist für die Rechtsmedizin so etwas wie Beckenbauer für die Fußballwelt", betonte Kachelmanns Verteidiger Reinhard Birkenstock. Er sei seit Jahrzehnten einer der führenden Experten der Rechtsmedizin in Deutschland und bekannt für sein klares Urteil. "Am Inhalt des Gutachtens geht kein Weg vorbei", kritisierte Birkenstock.

Kachelmanns Verteidiger will nun einen neuen Befangenheitsantrag gegen die Richter prüfen. Ein erster Versuch gleich zu Prozessbeginn war gescheitert.

Der 52-jährige Wettermoderator muss sich seit Anfang September vor dem Mannheimer Landgericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Er selbst beteuert seine Unschuld.

In den vier Wochen seit Prozessbeginn wird vor allem hinter verschlossenen Türen verhandelt. Am Mittwoch wurden zwei Ex- Freundinnen Kachelmanns unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen: eine 37 Jahre alte verheiratete Lehrerin und eine 33- jährige Meteorologin und Moderatorin.

Schon bei der Befragung der Eltern des 37-jährigen mutmaßlichen Opfers und anderer ehemaliger Geliebter waren Besucher und Pressevertreter vor die Tür gebeten worden. Am Montag soll der Prozess fortgesetzt werden.

Das Gericht entscheidet dann, ob die Verhandlung unterbrochen wird. Ansonsten stehen weitere Vernehmungen von Ex-Freundinnen an. Am Mittwoch (13. Oktober) soll das mutmaßliche Opfer aussagen. Auch hier wird mit dem Ausschluss der Öffentlichkeit gerechnet.