USA US-Staatsanwalt klagt Bill Cosby an

Bill Cosby muss sich wohl bald wegen Vergewaltigungsvorwürfen vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Pennsylvannia hat Anklage gegen ihn erhoben.

(Foto: AP)
  • Gegen den US-Schauspieler Bill Cosby wird wegen sexueller Nötigung Anklage erhoben.
  • Es geht um den Fall Andrea Constand, die Cosby im Jahr 2004 unter Drogen gesetzt und missbraucht haben soll.
  • Der Druck auf den Schauspieler war in den vergangenen Monaten immer stärker geworden. Er soll mehrere Frauen missbraucht haben

Anklage nur Tage vor der Verjährungsfrist

Die Staatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Pennsylvania hat Anklage gegen den Schauspieler Bill Cosby erhoben.

Es geht um den Fall der Universitätsmitarbeiterin Andrea Constand, die der Schauspieler im Jahr 2004 unter Drogen gesetzt und missbraucht haben soll. Auf einer Pressekonferenz begründete ein Vertreter der Anklagebehörde den Antrag. Im Juli dieses Jahres habe man neue Informationen erhalten. Danach sehe die Staatsanwaltschaft es als erwiesen an, dass Cosby die Frau im Jahr 2004 zweimal sexuell bedrängt haben soll.

Der Druck auf den Schauspieler war in den vergangenen Monaten immer stärker geworden. Mehrere Dutzend Frauen meldeten sich und gaben an, von dem heute 78-Jährigen vergewaltigt worden zu sein. Ende Juli zeigte ein US-Magazin auf seinem Cover 35 Frauen, die Bill Cosby vorwerfen, sie sexuell missbraucht zu haben.

Teilweise liegen die Fälle schon Jahrzehnte zurück. Einige mutmaßliche Taten könnten verjährt sein. Im Fall von Andrea Constand haben die Behörden jetzt aber offenbar gerade noch rechtzeitig Anklage erhoben. Wie die Zeitung LATimes berichtet, wäre die Verjährungsfrist "in den kommenden Tagen" abgelaufen.

Bereits 2005 gab es ein Verfahren im Fall Constand

Zu viele schweigen

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Zu einem strafrechtlichen Verfahren war es bisher nie gekommen, Cosbys Anwälte wiesen sämtliche Anschuldigungen zurück. Vergangene Woche hatten sie einen juristischen Gegenschlag gestartet und sieben Frauen wegen Verleumdung verklagt. Ihre Anschuldigungen seien ein "opportunistischer Versuch, sich zu bereichern", hieß es in einem 89-Seiten-Dokument, das Cosbys Anwältin vor einem Gericht im Bundesstaat Massachusetts verlas.

Zwar hatte der heute 78-Jährige bereits 2005 - in einem Prozess, den damals ebenfalls Andrea Constand angestrengt hatte - unter Eid ausgesagt und zugegeben, dass er in früheren Jahren Frauen Beruhigungsmittel verabreicht hatte, um mit ihnen Sex zu haben. Doch die Angelegenheit wurde damals ohne Urteil beigelegt, beide Seiten einigten sich vertraulich. (Details zu dem damaligen Gerichtsverfahren in diesem New York Times-Artikel)

Cosby sagte damals, er habe mit Constand in den frühen 2000er Jahren eine Beziehung gehabt, sie zu sich nach Hause eingeladen und mit ihr über Familie und Pläne für ihre Ausbildung gesprochen. Er sei ein guter Menschenkenner und verstehe, wenn ihm eine Frau ohne Worte signalisiere, dass sie ihn begehre. Constand sagte, sie habe die Beziehung nach der Vergewaltigung beendet. Cosby nannte sie eine Lügnerin.

Nach Aussage der Staatsanwaltschaft in Pennsylvania sind im vergangenen Jahr neue Ermittlungsergebnisse ans Licht gekommen. Die Beweislage gegen Cosby sei "erdrückend", für die Ermittler steht fest, dass Cosby die Frau vergewaltigt hat. Es habe von Seiten Cosbys zwei Annäherungsversuche gegeben, die Constand jeweils abgelehnt habe. Anschließend habe der Schauspieler die Frau gedrängt, Tabletten zu nehmen und Wein zu trinken, so dass sie nicht mehr in der Lage gewesen sei, sich seiner Zudringlichkeiten zu erwehren.