Tote Familie in Köpenick Vormieter verstopften Abzugsrohr

Nach dem Tod einer sechsköpfigen Familie in Berlin-Köpenick ermittelt die Polizei jetzt gegen zwei frühere Mieter der Wohnung. Sie hatten vor Jahren das Abzugsrohr der damals stillgelegten Gastherme verstopft - um ihren Wohnkomfort zu erhöhen.

Zwei frühere Mieter der Wohnung in Berlin-Köpenick, in der eine sechsköpfige Familie umkam, stehen nun im Visier der Ermittler. Sie räumten in Vernehmungen ein, vor mehreren Jahren das Abzugsrohr der damals abgestellten Gastherme zum Schutz vor Zugluft und Kälte mit Stoff und Zeitungen verstopft zu haben, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft.

Die Behörden leiteten gegen die Frau und ihren erwachsenen Sohn ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ein. Die Gegenstände seien in dem Abzugsrohr gefunden worden, hieß es.

Prüfung läuft weiter

Dessen ungeachtet hieß es, die Ermittlungen bezüglich weiterer Unglücksfaktoren und einer möglichen Verantwortung Dritter dauerten an.

Die Familie war an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben. Die Ermittler ließen daraufhin die Gastherme in der Wohnung überprüfen. Die Leichen der vier kleinen Kinder und der beiden Erwachsenen waren am Montag im Berliner Stadtteil Köpenick gefunden worden. Am Nachmittag hatten die Ermittler berichtet, sie prüften neben der Gastherme in der Wohnung auch noch mögliche andere Auslöser. Es werde unter anderem untersucht, "ob noch weitere technische Geräte vorhanden" waren, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Simone Herbeth. "Wir schauen in alle Richtungen."

Kohlenmonoxid: Unsichtbar, geruchlos, tödlich

Aus Sicht der Schornsteinfeger-Innung ist die Gastherme Auslöser des tödlichen Unglücks. Die Anlage sei 2005 stillgelegt und erst 2011 wieder in Betrieb genommen worden, sagte Innungssprecher Henry Laubenstein. "In dem Moment, wo sie wieder in Betrieb gesetzt wurde, hätte sie abgenommen werden müssen." Die Hausverwaltung habe sich dazu jedoch nicht an die Schornsteinfeger gewandt. Gefährliche Ablagerungen hätten dadurch nicht beseitigt werden können. "Es ist offensichtlich so, dass die Abgase nicht abziehen konnten", sagte Laubenstein.

Kohlenmonoxid ist ein farb- und geruchloses, hochgiftiges Gas, das bei unvollständigen Verbrennungsprozessen und unzureichender Belüftung der Räume entsteht. Immer wieder geschehen Unfälle mit Kohlenmonoxid, das etwa aus defekten Öfen oder Gasheizungen austritt. Infolge des Gasaustritts kommt es zu einem Sauerstoffmangel.