Todesfälle beim Fotografieren Indische Polizei warnt vor tödlichen Selfies

Sikh procession ahead of birth anniversary of Guru Gobind Singh i epa05085852 Indian Sikh devotees take a selfie while taking part in a Sikh procession by community members ahead of the birth anniversary of the tenth Guru of the Sikhs, Guru Gobind Singh, in Jammu, the winter capital of Kashmir, India, 02 January 2016. Guru Gobind Singh Ji was the last Sikh Guru who initiated the special order or sect of the Sikhs called the 'Khalsa Panth.' EPA/JAIPAL SINGH +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: dpa)

Selbstporträts sind in Indien außerordentlich beliebt - sogar der Premierminister postet sie ständig bei Twitter. Doch in keinem anderen Land gibt es so viele schwere Unglücke durch Selfies.

Raucher kennen das Problem. Nirgendwo darf man mehr in Ruhe quarzen. Denn das ist einfach besser für die Gesundheit der Mitmenschen. In Indien gibt es statt "No-smoking-areas" inzwischen auch viele "No-selfie-areas".

Denn das Selbstporträt mit dem Smartphone kann lebensgefährlich sein. Nicht unbedingt für die Mitmenschen, aber für die Fotografen. Der starre Blick aufs Display wird ihnen zum Verhängnis, wenn sie auf der Suche nach besonders aufregenden Motiven abstürzten oder überfahren werden.

In Indien passieren besonders viele Unfälle durch unachtsame Selfie-Knipser. Wie die Washington Post berichtet, ereignete sich im Jahr 2015 etwa die Hälfte der weltweit 27 Selfie-Todesfälle dort.

Rettungsschwimmer, die verunglückte Fotografen im Ernstfall retten können

In der Millionenstadt Mumbai haben die Behörden jetzt reagiert. Nachdem vor zwei Wochen eine 18-Jährige ertrank, die ein Selbstporträt an einer Klippe aufnehmen wollte, prüft die Stadt, an welchen Orten Selfies künftig verboten werden. So sollen Touristen an der Uferpromenade und am beliebten Strand "Girgaum Chowpatty" mit entsprechenden Hinweisschilder gewarnt werden. Die Behörden wollen sogar Rettungsschwimmer postieren, die verunglückte Fotografen im Ernstfall retten können, sagte Polizeisprecher Dhananjay Kulkarni der britischen BBC.

In den vergangenen Monaten erregten mehrere tödliche Selfie-Unglücke die Öffentlichkeit in Indien: Im September wollte sich ein Ingenieursstudent am Abgrund einer knapp 20 Meter hohen Klippe fotografieren. Doch während er aufs Handy blickte, brach unter seinen Füßen offenbar ein Stein weg und der Mann stürzte in die Tiefe. Drei weitere Studenten starben im vergangenen Jahr bei einem besonders schweren Unglück in der Nähe der Stadt Kosi Kalan. Die Gruppe wollte ein Bild aufnehmen, dass sie vor einem herannahenden Zug zeigt. Doch scheinbar unterschätzten sie die Geschwindigkeit des heranrollenden Zuges. Alle drei waren sofort tot.

Man darf gespannt sein, ob sich die Inder vom Verbot beeindrucken lassen. Selfies sind in dem Land außerordentlich populär. Auch Präsident Narendra Modi hat die Kraft des Selbstporträts erkannt. Seinen zwölf Millionen Twitter-Followern präsentiert er regelmäßig Bilder, die ihn mit anderen Staatsmännern zeigen. Im vergangenen Jahr fotografierte Modi sich zusammen mit dem chinesischen Premier Li Keqiang. "It's selfie time!", kommentierte Modi das Bild. Das Wall Street Journal bezeichnete es als womöglich "mächtigstes Selfie der Geschichte".