Titisee-Neustadt im Schwarzwald 14 Menschen sterben bei Brand in Behindertenwerkstatt

Bei einem Brand in einer Behinderteneinrichtung der Caritas in Titisee-Neustadt sind 14 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern seien Menschen mit Behinderung und Betreuer, teilte die Polizei mit. Sie seien vermutlich durch Rauchvergiftung gestorben. Acht weitere Personen wurden schwer verletzt. Möglicherweise hat eine Explosion das verheerende Feuer ausgelöst.

Flammen schlagen aus dem zweistöckigen Flachbau, aus den Fenstern dringt dichter, dunkler Qualm. Als die Feuerwehr am frühen Montagnachmittag den Einsatzort im Stadtteil Neustadt erreicht, kann sie die Katastrophe nicht mehr verhindern. 14 Menschen sterben in der Behindertenwerkstatt in der Straße "Im Bildstöckle", die meisten vermutlich durch Rauchvergiftung. Unter den Todesopfern sind Menschen mit Behinderung und Betreuer. Acht Personen werden schwer verletzt. Es ist einer der schlimmsten Brände in Deutschland in jüngerer Vergangenheit.

Drängende Fragen stellen sich, allen voran, wie es zu dem Unglück mit so vielen Toten kommen konnte. Wurden Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten? Waren die Notfall-Pläne nicht den besonderen Bedingungen angepasst? Das jedenfalls legt die Aussage eines leitenden Feuerwehrmanns nahe. Viele der Geretteten, darunter Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen, seien bei ihrer Rettung in Panik gewesen, berichtete er. "Wir haben es mit Menschen zu tun, die naturgemäß nicht rational reagieren."

Konkrete Antworten auf das Wie und Warum gibt es am Montagabend jedoch noch nicht. Zur Unglücksursache heißt es von Seiten der Polizei, es habe in einem Lagerraum eine Explosion gegeben, möglicherweise wurden dort Chemikalien aufbewahrt. Daraufhin sei gegen 14 Uhr ein Feuer ausgebrochen. Doch ob das tatsächlich der Grund für den verheerenden Brand ist, müssen nun Experten untersuchen.

Auch Stunden nach dem Unglück dringt noch Rauch aus den Fenstern

Der Caritas-Verband Freiburg-Stadt zeigte sich erschüttert über das Unglück in seiner Einrichtung: "Wir sind völlig fassungslos, wie in einer modernen und gut ausgestatteten Werkstatt am helllichten Tag eine solche Katastrophe passieren kann", sagte der Stellvertreter des Vorstands, Rainer Gantert. Die Brandsicherheit entspreche nach jetzigem Stand "absolut jeglichen Anforderungen", sagte er.

In einer dramatischen Aktion hatten Feuerwehrleute mit schwerem Atemgerät zahlreiche Menschen aus dem brennenden und völlig verrauchten Gebäude gerettet. Zeitweise waren 300 Rettungskräfte vor Ort, Hubschrauber kamen zum Einsatz. Auch Stunden nach Ausbruch des Feuers drang noch Rauch aus den Fenstern des Flachbaus, erst am späten Nachmittag meldete die Feuerwehr, der Brand sei unter Kontrolle.

In der Caritas-Einrichtung etwa 40 Kilometer östlich von Freiburg im Breisgau arbeiten bis zu 120 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Als das Feuer ausbrach, hätten sich etwa 100 Personen in dem Gebäude befunden, hieß es von Seiten der Polizei. Viele von ihnen seien wegen der Flammen in Panik geraten, berichtete Kreisbrandmeister Alexander Widmaier.

Die Polizei richtete in einer benachbarten Spedition eine Sammelstelle ein und bat Menschen, die bei Ausbruch des Feuers in dem Gebäude waren, sich zu melden. Für Gerettete, Angehörige und Einsatzkräfte sind Psychologen vor Ort.

Gedenkgottesdienst für die Opfer

Baden Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Innenminister Reinhold Gall (SPD) reisten noch am späten Nachmittag an den Unglücksort.

"Die Nachricht über den Brand in der Behindertenwerkstatt und das schreckliche Ausmaß hat mich zutiefst getroffen", teilte Grünen-Politiker Kretschmann mit. "In Gedanken bin ich bei den Opfern, und mein tiefes Mitgefühl gilt ihren Angehörigen." Er habe die Bundeskanzlerin über die Brandkatstrophe informiert, auch Angela Merkel sei "sprachlos und fassunglos angesichts dieser schrecklichen Ereignisse".

Bundespräsident Joachim Gauck hat der Opfer der Brandkatastrophe im Schwarzwald gedacht. "Ich denke an die armen Menschen, die Opfer zu beklagen haben", sagte Gauck in Duisburg zum Abschluss seines Antrittsbesuchs in Nordrhein-Westfalen.

Bei einem Abendgottesdienst im Freiburger Münster ist der Opfer der Brandkatastrophe in einer Behinderteneinrichtung in Titisee-Neustadt gedacht worden. "Wir beten für die Opfer, ihre Angehörigen und Freunde sowie für alle Rettungskräfte. Auch den Menschen, die bei der Feuerkatastrophe verletzt wurden, gelten unsere mitfühlenden Gedanken", sagte Erzbischof Robert Zollitsch in Freiburg.