Terror in Belgien Diese Männer stecken hinter den Anschlägen von Brüssel

Drei Attentäter sind tot, darunter die El-Bakraoui-Brüder und Najim Laachraoui. Einer soll auf der Flucht sein. Und einer hat sogar ein Testament hinterlassen.

Von Felicitas Kock und Simon Hurtz

Einer sprengte sich am Flughafen in die Luft, der andere in der Metro: Die Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui stecken hinter den Anschlägen von Brüssel. Das bestätigte der französische Generalstaatsanwalt Frédéric Van Leeuw bei einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag. Am Abend wurde der zweite Selbstmordattentäter vom Flughafen als Najim Laachraoui identifiziert. Ein weiterer, noch nicht identifizierter Attentäter befindet sich auf der Flucht. Die Details:

Khalid und Ibrahim El Bakraoui

Khalid El Bakraoui war 27, sein Bruder Ibrahim 30 Jahre alt, als sie am Dienstag ihre Bomben zündeten und 31 Menschen mit in den Tod rissen. Ibrahim verübte sein Attentat am Flughafen Zaventem, das Foto einer Überwachungskamera zeigt ihn zwischen zwei anderen Terroristen. Khalid sprengte sich in der U-Bahn-Station Maelbeek in die Luft.

Die Flughafen-Attentäter: In der Mitte Ibrahim El Bakraoui, links Najim Laachraoui Beide sprengten sich selbst in die Luft. Rechts in der weißen Jacke der flüchtige, noch nicht identifizierte Attentäter.

(Foto: Reuters)

Die Fahndung nach den El-Bakraoui-Brüdern lief der französischen Zeitung Libération zufolge seit vergangenem Dienstag, 15. März - dem Tag, als die belgische Polizei eine Wohnung im Brüsseler Stadtteil Forest gestürmt hatte. Khalid El Bakraoui soll das Apartment unter falschem Namen angemietet haben. So kamen ihm die Ermittler auf die Spur.

Bei der Erstürmung der Wohnung war der Algerier Mohamed Belkaid erschossen worden. Zwei Männer flüchteten durchs Fenster. In der Wohnung wurden Waffen und eine Fahne der IS-Miliz sichergestellt, außerdem DNA und Fingerabdrücke von Salah Abdeslam - dem mutmaßliche Terrorhelfer von Paris, der drei Tage später, am 18. März, im Brüsseler Stadtteil Molenbeek festgenommen werden konnte.

"Das ist ein schwarzer Tag für uns"

Wie reagieren die Belgier auf die Terroranschläge? Eine Straßenumfrage. mehr ...

Der belgische Nachrichtensender RTBF berichtet, Khalid habe im vergangenen Herbst außerdem ein Apartment in Charleroi angemietet, von dem aus die Anschläge von Paris geplant wurden.

Nach Angaben von RTBF waren die Brüder bereits seit Langem polizeibekannt - allerdings aufgrund organisierter Kriminalität und nicht wegen Terrorverdachts. La Dernière Heure schreibt, dass Ibrahim El Bakroui Anfang 2010 mit einer Kalaschnikow auf Polizisten gefeuert und einen der Beamten verletzt habe. Dafür sei er zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Warum er offenbar vorzeitig entlassen wurde, ist bislang unklar.

"Die Terroristen wollen in Europa ein feindliches Klima für Muslime schaffen"

Während der Anschläge in Brüssel haben IS-Anhänger versucht, Hass und Angst auf Twitter zu verbreiten. Funktioniert das? Interview von Lukas Ondreka mehr ...

Auch sein Bruder Khalid soll vorbestraft gewesen sein. 2011 habe ihn ein Richter zu fünf Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Khalid El Bakroui habe mehrfach Autos gestohlen, bei seiner Verhaftung seien bei ihm und seinen Komplizen Kalaschnikows gefunden worden.

Ibrahim El Bakraoui hat eine Art Testament hinterlassen, das auf einem Computer gefunden wurde, der in einem Mülleimer im Brüsseler Viertel Schaerbeek lag. "Ich wusste nicht mehr, was ich machen sollte und hatte keine Sicherheit mehr. Wenn das so weitergeht, endet das bei mir in einer Gefängniszelle", heißt es darin.

Najim Laachraoui

Der linke Mann auf dem Überwachungsbild vom Flughafen ist Najim Laachraoui. Zunächst hatten belgische Medien fälschlicherweise berichtet, Laachraoui sei auf der Flucht. Jetzt ist bekannt, dass er sich auf dem Flughafen in die Luft gesprengt hat. Das lässt die belgischen Ermittler nicht gerade in einem guten Licht dastehen: Nach dem Mann wird bereits seit Dezember gefahndet.

Am Montag hatte die Polizei den Namen Laachraoui an die Öffentlichkeit gegeben. Bis dahin war er unter falschem Namen bekannt: Als Soufiane Kayal hatte der 25-Jährige im südbelgischen Auvelais ein Haus angemietet, das den Terroristen von Paris (neben dem Versteck in Charlesroi) als Basis diente. Seine Fingerabdrücke wurden in dem Haus gefunden - und in einer Wohnung im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek, die vor den Anschlägen am Montag von den Terroristen genutzt wurde.

Als Soufiane Kayal war Laachraoui auch kontrolliert worden, als er am 9. September in einem Auto die österreichisch-ungarische Grenze passierte. Damals mit im Auto: der am Freitag festgenommene Salah Abdeslam und der bei der Razzia in Forest erschossene Mohamed Belkaid.

Laachraoui und Belkaid befanden sich vermutlich in Belgien, als das Terrorkommando von Paris mordend durch die Straßen der französischen Hauptstadt zog. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie in Kontakt standen. Die Paris-Attentäter schickten eine SMS an ein belgisches Handy, bevor sie mit ihrem Angriff begannen. Der mutmaßliche Paris-Drahtzieher Abdelhamid Abaaoud, der wenige Tage nach den Anschlägen von der Polizei in einem Pariser Vorort getötet wurde, rief zudem eine belgische Nummer an, die womöglich Laachraoui gehörte. Über Belkaid und Laachraoui hieß es zuletzt, sie hätten in der Hierarchie wohl höher gestanden als Abaaoud, hätten die Angriffe in Paris womöglich koordiniert.

Über Laachraouis Hintergrund ist bislang wenig bekannt. Im Februar 2013 soll er sich eine Weile in Syrien aufgehalten haben. Auf seine Spur kamen die Ermittler etwa drei Wochen nach den Anschlägen von Paris. Seit 4. Dezember fahndet die Polizei nach dem 25-Jährigen.