Sternenhimmel Weihnachtsstern gesucht

Darstellung: SZ-Grafik.

Konnte Adam Elsheimer 1609 dank eines selbstgebastelten Fernrohrs eine derart detaillierte Darstellung der Milchstraße malen? Heute lässt sich dank moderner Teleskope jede Einzelheit am Winterhimmel erkennen.

Von Helmut Hornung

Adam Elsheimer vollendete im Jahr 1609 ein Gemälde mit dem Titel "Flucht nach Ägypten", und das ist auch für Astronomen interessant: Elsheimer malte die Milchstraße mit mehr als 1200 Einzelsternen und den Vollmond mit vielen Details. Der Künstler musste also den Himmel durch ein Fernrohr betrachtet haben. Fachleute halten es allerdings für unwahrscheinlich, dass er eines der extrem seltenen Exemplare des eben erst erfundenen Instruments besaß. Möglicherweise hatte er mit zwei unterschiedlich großen, aus Glas geblasenen und mit Wasser gefüllten Hohlsphären experimentiert. Werden diese beiden "Schusterkugeln" hintereinander platziert, wirken sie wie ein Fernrohr.

Schon Mitte des 13. Jahrhunderts hantierte Rogerius Baco offenbar mit Glaslinsen. Der englische Mönch beschrieb, wie er Kinder als Riesen gesehen und Sonne und Mond herangezogen habe. Auch Leonardo da Vinci dachte wohl über die vergrößernde Wirkung von Linsen nach. Aber erst Anfang des 17. Jahrhunderts erlangte das Instrument die Marktreife. Als der holländische Brillenmacher Hans Lipperhey 1608 ein Patent anmelden wollte, wurde er abgelehnt: Es gebe schon diverse Nachbauten. Auch der italienische Astronom Galileo Galilei hörte von der Erfindung und konstruierte sein eigenes "Teleskop". Diesen Namen erhielt das Röhrchen 1611 auf einem Bankett, das Fürst Federico Cesi zu Ehren seines Freundes Galilei veranstaltete. Der wusste genau, was in dem Gerät zum "Weitwegblicken" steckt. Er hatte damit in den vergangenen zwei Jahren die sichelförmige Gestalt der Venus, vier Satelliten des Jupiter, Berge und Täler auf dem Mond sowie die Sonnenflecken beobachtet.

Im Dezember 2016 lässt sich auf den ersten Blick auch ohne das Teleskop erkennen, dass Venus in der Adventszeit den "Weihnachtsstern" gibt; der Nachbarplanet strahlt nach Sonnenuntergang hell im Südwesten. Uranus in den Fischen erreicht Mitte des Monats um 20 Uhr seine höchste Stellung im Süden, Neptun im Wassermann zeigt sich am frühen Abend. Saturn steht am Taghimmel. Der Mondlauf: Erstes Viertel am 7., Vollmond am 14., Letztes Viertel am 21. und Neumond am 29. Dezember. In der Nacht zum 14. flitzen stündlich bis zu 120 Geminiden über den Himmel, aber das Licht des Vollmonds stört die Beobachtung. Am 21. Dezember um 11.44 Uhr erreicht die Sonne den niedrigsten Punkt ihrer Jahresbahn, der astronomische Winter beginnt.