Steinerne Vulva in Tübingen Heillos verklemmt

Pikant: Ein amerikanischer Austauschstudent steckt in der Steinernen Vulva in Tübingen fest.

(Foto: dpa)

"Eine Person ist in einer Stein-Vulva eingeklemmt." Dieser Notruf ging bei der Polizei in Tübingen ein. Ein amerikanischer Austauschstudent wollte das Kunstwerk erkunden - und blieb stecken. Ein Fall für 22 Feuerwehrleute.

Von Roman Deininger

Tübingen ist eine liberale Studentenstadt, es gibt dort einen grünen Oberbürgermeister und eine steinerne Vagina, an solch kühnen Dingen nimmt niemand Anstoß. Andernorts würde eine riesenhafte, durchaus detaillierte Skulptur des weiblichen Geschlechts sicher zu einer Generalmobilmachung der Sittenwächter führen. In Tübingen war das Problem bisher höchstens, dass das Großwerk des peruanischen Künstlers Fernando de la Jara 13 Jahre lange allzu unbeachtet vor dem Institut für Mikrobiologie und Virologie herumstand.

Zwischenzeitlich regte das Schwäbische Tagblatt an, man könnte den 32 Tonnen Veroneser Marmor einen prominenteren Platz zuweisen und eventuell noch einen Phallus daneben-stellen - zur Erbauung der Touristen. Aber nichts geschah. Erst jetzt bekommt "Pi-Chacan", was in Peru wohl so viel wie "Liebe machen" bedeutet, die gebührende Aufmerksamkeit.

Es war Freitagmittag, als die Tübinger Polizei ein Notruf erreichte, der durch seine schnörkellose Ernsthaftigkeit bestach: "Eine Person ist in einer Stein-Vulva eingeklemmt." Bei der Person handelte es sich zielgruppengemäß um einen amerikanischen Austauschstudenten und offensichtlichen Kunstfreund. Vielleicht hatte er an Niki de Saint Phalle gedacht, die einst mit einem begehbaren Frauenkörper berühmt geworden war. Jedenfalls zwängte er sich übermütig in den Hohlraum der Vagina, rutschte ab und blieb mit den Beinen an einer Engstelle stecken. Etwa 15 umstehende Personen, mutmaßlich alles fachkundige Mikrobiologen und Virologen, konnten nicht helfen.

Verunglückter Höhlenforscher aus den USA

Der Künstler de la Jara sieht in der Scheide das Tor zur Welt; für den Amerikaner wurde sie zum Tor zu eher zweifelhaftem Internetruhm. Zum zweiten Mal in wenigen Tagen ging die Nachricht von der spektakulären Rettung eines verunglückten Höhlenforschers von Deutschland aus um den Erdball. Die Feuerwehr eilte mit fünf Fahrzeugen an den Unfallort, laut Einsatzleiter brachten sie den jungen Mann "händisch ohne Geräteinsatz" zurück ans Tageslicht. Der Student blieb unverletzt, die 120 000 Euro teure Skulptur unbeschädigt. Journalisten im ganzen Land nutzten geistesgegenwärtig die seltene Gelegenheit, Begriffe wie "Marmor-Muschi" oder "Marmor-Möse" in ihren Texten unterzubringen.

Boris Palmer, der grüne OB, erklärte, er könne sich "auch unter Berücksichtigung maximaler Adoleszenzphantasien" nicht vorstellen, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. "Für eine solche Glanzleistung 22 Feuerwehrleute einsetzen zu müssen, verursacht geradezu seelische Qualen." Die Retter haben immerhin einen Einsatz erlebt, von dem sie später ihren Enkeln erzählen können. Aber natürlich erst, wenn sie alt genug sind.