Sexuelle Gewalt in Südafrika Mädchen aus Kapstadt stirbt nach Vergewaltigung

"Die ganze Nation ist empört" - Südafrikas Präsident Jacob Zuma verurteilte die Vergewaltigung einer 17-Jährigen.

(Foto: AFP)

14 Stunden kämpfen Ärzte um ihr Leben - doch vergeblich: Ein 17-jähriges Mädchen aus Kapstadt, das von mehreren Männern vergewaltigt und verstümmelt wurde, starb an seinen Verletzungen. In Südafrika ist sexuelle Gewalt trauriger Alltag. Menschenrechtler sprechen von einem "geheimen Krieg gegen Kinder und Frauen".

Das Verbrechen war so entsetzlich, dass der Anblick des Opfers Pfleger und Schwestern im "Tygerberg Hospital" überforderte. Die Hilfskräfte brauchten psychologischen Beistand. Sie hatten die 17 Jahre alte Anene Booysen als erste versorgt. Das Mädchen war von mehreren Männern auf einem Industriegelände in Bredasdorp nahe Kapstadt vergewaltigt worden. Später wurde sie verstümmelt in die Klinik gebracht.

14 Stunden kämpften Ärzte um ihr Überleben - schließlich starb Anene Booysen in der vergangenen Woche "friedlich", wie ihre Tante sagte. Die Vergewaltigung rief auch in Südafrika Erinnerungen an die Ereignisse in Neu Delhi wach. Dort hatte die Gruppenvergewaltigung einer 23-Jährigen im Dezember eine Welle öffentlicher Proteste ausgelöst. In Südafrika blieb ein solcher öffentlicher Aufschrei der Empörung jedoch aus - wenn auch Politiker und Menschenrechtler die Tat scharf verurteilten.

Der Gewerkschaftsverband Cosatu forderte, den Protest gegen sexuelle Gewalt wie in Indien auf die Straße zu tragen: "Wir müssen der Welt zeigen, dass die Südafrikaner nicht weniger zornig sind über solche Verbrechen", so der Aufruf. Aber ihm folgte kaum jemand.

Viele Südafrikaner scheinen die alltägliche Gegenwart von Gewalt fatalistisch hinzunehmen. "Haben wir Gewalt und Vergewaltigungen inzwischen als Normalität akzeptiert?", fragte bitter der Kolumnist Mbuyiselo Botha in der Sunday Times. Viele Südafrikaner glauben genau das. Umfragen zeigen, dass das Vertrauen in Polizei und Justiz seit Jahren sinkt. Vergewaltigungen gehören in Südafrika fast zum Alltag: Etwa 64.000 Anzeigen wegen sexueller Gewalt gibt es jährlich. Das sind fast zehnmal so viele wie in Deutschland, das aber mit 82 Millionen deutlich mehr Einwohner hat als Südafrika, in dem 50 Millionen Menschen leben.

"Schockierend, grausam und im höchsten Maße unmenschlich"

Polizei und Frauenverbände in Südafrika schätzen die Dunkelziffer bei sexueller Gewalt auf das 10- bis 25-fache der offiziellen Zahlen. Bei einer Umfrage des renommierten Medizin-Instituts MRC sagte 2010 jede vierte Frau, sie sei schon einmal vergewaltigt worden. Unter den Opfern sexueller Gewalt sind auch viele kleine Kinder und alte Frauen. "Herr Präsident, Sie können sich nicht vorstellen, wie beängstigend es heute in Südafrika ist, eine Frau oder ein Kind zu sein", schrieb die populäre TV-Moderatorin Redi Tlhabi in einem offenen Brief an das Staatsoberhaupt.

Ein zentrales Thema der Politik ist sexuelle Gewalt in Südafrika dennoch nicht - auch wenn diesmal die bestialische Ermordung des Mädchens unerwartete Reaktionen provozierte: "Die ganze Nation ist empört", sagte Südafrikas Präsident Jacob Zuma. Die Tat sei "schockierend, grausam und im höchsten Maße unmenschlich". Er werde sich für harte Strafen einsetzen.

Frauenorganisationen aber klagen, dass es nur selten überhaupt zu Verfahren gegen mutmaßliche Vergewaltiger käme. Die oppositionelle Demokratische Allianz (DA) spricht von einem "geheimen Krieg gegen Kinder und Frauen", so die DA-Fraktionschefin Lindiwe Mazibuko. Es sei Zeit, "harte Fragen zu stellen, die wir viel zu lange vermieden haben". Denn eine Ursache der Gewaltkultur liege auch "in einer patriarchalischen und ungerechten Gesellschaft, in der die Rechte der Frauen nicht respektiert werden".

Selbst die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, die Südafrikanerin Navi Pillay, mahnte ihre Landsleute aus Genf: "Die tief verwurzelte Kultur der sexuellen Gewalt, die in Südafrika herrscht, muss beendet werden". Wegen der Vergewaltigung Anene Booysens, die bei ihrer Tante in bitterer Armut aufgewachsen war, sind inzwischen drei Männer in Haft. Bevor das Mädchen starb, hatte es die Täter benannt. Einer von ihnen soll ihr 22-jähriger Ex-Freund sein.