Schwerte Zollfahnder finden 700 Waffen in Wohnhaus

Ob Flur, Schlafzimmer oder Keller: Überall im Haus hätten Waffen ungesichert herumgestanden, schilderten die Fahnder.

(Foto: dpa)
  • Etwa 700 Waffen und etwa 2,2 Tonnen Munition haben Zollfahnder in einem Einfamilienhaus in Schwerte gefunden.
  • Der 54-Jährige besaß keine gültige Genehmigung für den Verkauf der Waffen.
  • Der Mann muss sich nun unter anderem wegen unerlaubten Handels mit erlaubnispflichtigen Waffen verantworten.

Zwei Tage lang Gewehre und Pistolen herausgetragen

Ermittler des Zollfahndungsamtes Essen haben in einem Einfamilienhaus in Schwerte etwa 700 Waffen und 2,2 Tonnen Munition sichergestellt. "Wir konnten kaum glauben, dass jemand so viele Waffen in seinem Haus hortet, wo er mit Frau und Sohn wohnt. Unsere Leute haben zwei Tage lang Gewehre und Pistolen da herausgeholt", sagte der Leiter der Essener Behörde, Hans-Joachim Brandl bei einer Pressekonferenz.

Langwaffen standen ungesichert an der Flurgarderobe angelehnt. In Wohnzimmer und Küche lagen Waffen auf den Tischen und auf dem Boden, im Keller versperrten Waffen den Weg zur Waschmaschine. Die wenigen Waffen- und Munitionsschränke waren laut Zoll überfüllt. Munition in Eimern und in abgepackter Form stapelte sich dichtgedrängt und für jedermann frei zugänglich im ganzen Haus, vornehmlich auf Schwerlastregalen im Keller. Der überwiegende Teil der scharfen Munition lagerte zudem in unmittelbarer Nähe der Ölheizung des Hauses, das in einem Wohngebiet liegt.

"Unvorstellbar, wie ein Mensch aus Gewinnsucht seine Familie und seine Nachbarn derart unverantwortlich in Gefahr bringen kann", sagte Zollsprecherin Ruth Haliti.

Ermittlungen dauern an

Neben dem unerlaubten Handel mit erlaubnispflichtigen Waffen, Waffenteilen und Munition muss sich der Mann nun auch wegen der unsachgemäßen Lagerung von Waffen und Munition sowie von etwa einem halben Kilogramm "Schießpulver" verantworten. Die Ermittlungen in dem Fall dauern noch an.

Der 54 Jahre alte Bewohner hatte keine gültige Genehmigung für den Verkauf von Waffen, sondern benutzte die eines Freundes. Zu seinen Kunden hätten Jäger und Sammler gehört. Auch ein illegaler Stockdegen und ein Schießstock gehörten zu dem im März entdeckten Arsenal des Mannes.

Fahnder hoben auch Untergrundlabor aus

Die Essener Behörde, das größte von acht Zollfahndungsämtern bundesweit, stellte weitere herausragende Fälle des vergangenen Jahres vor.

So hoben Ermittler in Witten, im Ruhrgebiet, ein häusliches Untergrundlabor aus, in dem ein 28 Jahre alter Physiotherapeut illegale Dopingmittel hergestellt haben soll. Die Fahnder fanden Anabolikaampullen, Testosteronpräparate und selbst hergestellte Potenzmittel. "Wir sind im Deliktbereich der Arzneimittelkriminalität vor allem für den Gesundheitsschutz der Verbraucher unterwegs", betonte ein Sprecher.

In einem weiteren Fall wurden drei Tonnen Cannabis mit einem Straßenverkaufswert von 30 Millionen Euro gefunden. Zwei Männer aus dem Sauerland, die in Antwerpen festgenommen wurden, sollen das Rauschgift in Säcken mit Palmkernschalen geschmuggelt haben.

2014 hat das Zollamt Essen 3555 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Daraus ergaben sich in Summe 415 vollstreckte Haftbefehle fast 1000 Jahre Freiheitsstrafen.