Religion "Wichtiger als ein Feiertag wäre mir eine gesicherte Rente"

Hannan Salamat, 32, Islam- und Religionswissenschaftlerin aus München

(Foto: privat)

Innenminister de Maizière denkt über einen muslimischen Feiertag nach und sorgt damit für Streit. Eine Gruppe kommt dabei kaum zu Wort: die Muslime selbst. Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen.

Protokolle von Julia Ley

Hannan Salamat, 32, Islam- und Religionswissenschaftlerin aus München

"Ich verstehe die Debatte um einen islamischen Feiertag nicht. Ich bin als Muslimin in Deutschland geboren und aufgewachsen und ich habe einen Feiertag bisher nicht vermisst.

In der Schulzeit war es so, dass Kinder, egal welcher Religion, an ihren Feiertagen daheimbleiben konnten. Wenn man nun einen islamischen Feiertag einführen würde, für welchen Tag würde man sich entscheiden? Zucker- oder Opferfest? Nennt man dann einfach einen willkürlichen Tag 'Islamtag'?

Und was ist mit den anderen Religionen? Wieso gibt es eigentlich noch keinen jüdischen Feiertag? Wer entscheidet, wer bei welcher Religion 'dazugehört' und den Feiertag nehmen darf? Wo setzt man die Grenze? Wäre es nicht sinnvoller, alle religiösen Feiertage abzuschaffen und dafür die Natur zu feiern: Wintersonnenwende am 21. Dezember oder den Frühlingsbeginn am 21. März?

Und stehen nicht eigentlich gerade ganz andere Probleme im Vordergrund? Ich zum Beispiel hätte lieber eine gesicherte Rente und die gleiche Bezahlung wie meine männlichen Arbeitskollegen. Auch Massentierhaltung, Bildungspolitik und Altersarmut sind Themen, über die ich als Muslimin in Deutschland gerne sprechen würde."