Prozess in Darmstadt Die Frau und der Mann, die Serienmörder werden wollten

Prozessbeginn am Landgericht Darmstadt um ein Paar, das eine Rentnerin ermordet haben soll.

(Foto: dpa)
  • Vor dem Landgericht Darmstadt hat der Mordprozess gegen eine Frau und einen Mann begonnen, die aus Geldnot und inspiriert von einer TV-Serie zu Serienmördern werden wollten.
  • Der Anklage zufolge soll das Paar eine 81-jährige Rentnerin aus Tötungswillen und Habgier erstochen haben.
  • Der Mann hat die Tat bereits gestanden, seine Aussage sei laut einem Gutachter aber sehr widersprüchlich.

Der Vorwurf klingt beinahe zu absurd, um wahr zu sein. Dennoch ist sich die Staatsanwaltschaft sicher: Inspiriert von einer Fernsehserie über "Killer-Paare" und aus Geldnot soll sich ein Paar aus Hessen entschlossen haben, Serienmörder zu werden. Der Anklage zufolge wählten die 38-jährige Frau und ihr zehn Jahre jüngerer damaliger Lebensgefährte die Nachbarin seiner Mutter als ihr erstes Opfer aus - eine 81-jährige Rentnerin.

Jetzt müssen sich die beiden wegen Mordes vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass beide Angeklagte gemeinschaftlich und heimtückisch handelten, vorrangig aus Tötungswillen, aber auch aus Habgier. "Ihr soziales Umfeld war nicht mehr bereit, ihnen Geld zu leihen oder schenken", sagte Staatsanwalt Nico Kalb.

Sie suchten nach Geld, fanden aber keines

Das Paar soll bei der arglosen Frau geklingelt, sich Eintritt in ihre Wohnung verschafft und sie im Wohnzimmer erstochen haben. Dabei seien sie nach einem Plan vorgegangen. Der Mann habe von hinten, die Frau von vorne auf die 81-Jährige eingestochen. Das Opfer starb an Verletzungen von insgesamt elf Messerstichen in den Hals, den Nacken und den Oberkörper. Anschließend suchten sie unter der Matratze der Frau nach Geld, fanden aber keines. Das Paar nahm schließlich die Eheringe der Witwe.

Am nächsten Tag kehrten die beiden an den mutmaßlichen Tatort zurück. Sie besuchten die Mutter des Angeklagten in der Nachbarwohnung und sahen den Ermittlungen der Polizei zu.

Schließlich flüchteten sie mit dem Auto über Frankreich nach Spanien. Eine Woche nach der Tat wurde das Paar in der spanischen Stadt Algeciras gefasst und kurz darauf nach Deutschland ausgeliefert.

Der Angeklagte hat die Tat bereits gestanden. Der psychiatrische Sachverständige sprach vor der Strafkammer jedoch von "elementaren Widersprüchen". So habe der Beschuldigte zunächst gesagt, seine frühere Freundin sei bei der Tat nicht anwesend gewesen. Später habe er behauptet, sie habe auch zugestochen und er wisse nicht, wer von ihnen beiden die Rentnerin letztlich umgebracht habe. Um einer Auslieferung zu entgehen, hätten sie nach der Tat nach Afrika fliehen wollen. Auf dem Weg dorthin hätten sie sich wie Bonnie und Clyde gefühlt.

Die Frau sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Der Mann ist in der Forensischen Psychiatrie in Haina untergebracht. Für den Prozess sind insgesamt acht Verhandlungstage angesetzt.

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