Protestaktion im Kölner Dom Femen-Aktivistin muss Geldstrafe zahlen

Josephine Markmann bei ihrer Femen-Aktion im Kölner Dom: Während der Weihnachtsmesse springt sie auf den Altar.

(Foto: Elke Lehrenkrauss/dpa)

Hat sich der barbusige Protest abgenutzt? Die Femen-Bewegung gerät aus dem Blickfeld. Eine Aktivistin, die oben ohne im Kölner Dom protestiert hatte, muss 1200 Euro Strafe zahlen.

Von Kristiana Ludwig, Köln

Als sie auf dem Altar stand und in die Gesichter der Kölner Domgemeinde blickte, hob Josephine Markmann beide Arme wie zum Segen. "I am God", stand in schwarzen Buchstaben auf ihrer nackten Brust. "Eine selbstbestimmte Frau", rief sie in den Weihnachtsgottesdienst. Kirchenleute griffen ihren Körper, ein Gottesdienstbesucher schlug sie nieder - Markmann kennt das schon.

Dies war eine typische Aktion für ihre Protestgruppe Femen, die sich diesmal gegen Kardinal Joachim Meisner richten sollte. Knapp ein Jahr später nun sitzt Markmann, 21 Jahre alt, im Saal zwei des Kölner Amtsgerichts und lächelt. Mal den Blick gesenkt, mal in die Kameras von mehr als 30 Journalisten. Auch hier ist sie für Femen im Einsatz. Am Mittwoch wird sie verurteilt, wegen "Störung der Religionsausübung" zu einer Geldstrafe von 1200 Euro. Sie steht dazu. "Ein Ideologiedelikt" nennt das der Staatsanwalt.

Die Femen-Frauen erschreckten auch Markus Lanz und Wladimir Putin

Markmann stieg 2013 in die Bewegung ein, die die Rechtsanwaltsgehilfin Zana Ramadani mit einer Freundin gegründet hatte. Das erste Mal protestierte Markmann barbusig gegen Neonazis in Berlin. "No NPD" stand da auf ihrem Bauch. Mit ihren Nacktprotesten erschreckten die Femen-Frauen anschließend auch Heidi Klum, Markus Lanz oder Wladimir Putin.

Im Sommer 2013 saß Josephine Markmann einen Monat lang im tunesischen Gefängnis, weil sie dort für die Freilassung einer Mitstreiterin protestiert hatte. Alle Zeitungen berichteten. "Das war die Hochphase", sagt Markmann. In dieser Hochphase meldete Zana Ramadani einen Verein an: Femen Germany e.V. - nach dem Vorbild der ukrainischen Protestgruppe, die bereits in den Jahren zuvor unbekleidet ihre politische Forderungen in die Kameras schrien.

Heute herrscht Krieg in der Ukraine, und Femen hat sich verändert. Vier der Frauen sind nach Frankreich geflüchtet, in Paris treffen sich Aktivistinnen nun in einem besetzten Haus und nennen sich "Femen International". Von dort aus planen sie Aktionen gegen Abtreibungsverbote, Putin und Dschihadisten, sagt die Ukrainerin Inna Schewtschenko.