Papst-Kammerdiener Gabriele vor Gericht Kurzer Prozess

Der frühere Kammerdiener des Papstes darf ein rasches, ordentliches Verfahren erwarten. Unwahrscheinlich, dass er am Ende tatsächlich ins Gefängnis muss. Ebenso unwahrscheinlich erscheint es allerdings, dass bei Urteilsverkündung die ganze Wahrheit über den Vatileaks-Skandal bekannt ist.

Ein Kommentar von Andrea Bachstein

Alles ist normal gelaufen vor dem weltlichen Tribunal des Vatikanstaats, am ersten Tag des mit so viel Spannung erwarteten Prozesses gegen den treulosen Kammerdiener des Papstes. Paolo Gabriele, wegen des Diebstahls vertraulicher Vatikan-Dokumente angeklagt, kann ein ordentliches, kurzes Verfahren erwarten. Das Gericht lässt sich anscheinend wenig beeindrucken von der öffentlichen Aufregung um die Vatileaks-Affäre, und Gabriele hat seine Taten im Wesentlichen ohnehin zugegeben.

Die Richter und der Staatsanwalt werden sich an die Ermittlungsakten halten und an das, was Zeugen und Angeklagte aussagen werden. Eine besondere Schärfe gegen den gefallenen Diener haben sie zum Auftakt nicht erkennen lassen. Egal wie das Urteil ausfällt, es ist kaum vorstellbar, dass Gabriele am Ende tatsächlich ins Gefängnis muss und Papst Benedikt ihm nicht die erbetene Gnade erweisen wird. Doch unwahrscheinlich ist auch, dass nach Prozessende die ganze Wahrheit über den Skandal auf dem Tisch liegt.

Es ist viel spekuliert worden über Machtkämpfe im Vatikan, die hinter der Straftat stecken sollen. Es gibt diese; aber das Mysterium, das den Vatikan umgibt, hat manche Phantasien auch zu sehr beflügelt. Dass Gabriele, ein offenkundig nicht sonderlich intelligenter Mann, auf dem im Moment die ganze Last der Affäre liegt, alleine gehandelt haben soll, ist freilich kaum zu glauben.