Nach Verzehr von Lebensmitteln aus Fukushima Japanischer TV-Moderator an Leukämie erkrankt

"Lasst uns dem Norden helfen, indem wir seine Produkte essen": Im März verspeiste der Moderator einer japanischen Morgensendung Lebensmittel aus Fukushima. Jetzt wurde bei ihm Blutkrebs diagnostiziert.

Norikazu Otsuka ist einer der beliebtesten TV-Moderatoren Japans - und japanischen Medienberichten zufolge an Leukämie erkrankt. Sein Schicksal versetzt das Land in Sorge, die über schlichte Anteilnahme hinausgeht. Denn im März hatte Otsuka in seiner Morgensendung Mezamashi TV in einem Anflug von falsch verstandenem Patriotismus Lebensmittel aus der Gegend um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Daiichi verspeist. "Lasst uns dem Norden helfen, indem wir seine Produkte essen", verkündete er.

Vor wenigen Wochen entdeckte der 65 Jahre alte Moderator dann einen geschwollenen Lymphknoten an seinem Hals, kurz darauf diagnostizierten die Ärzte eine akute Blutkrebserkrankung. Otsuka muss sich nun Berichten zufolge schnellstmöglich einer Chemo-Therapie unterziehen.

Zwar ist fraglich, ob die Symptome des Mannes mit der Strahlenkatastrophe vom 11. März zusammenhängen. Doch Otsukas Krankheit steht in einer Reihe von Vorkommnissen, die entgegen der offiziellen Sicherheitsbeteuerungen die Unruhe in der Bevölkerung befördern dürften.

Erst am Donnerstag hatte die japanische Regierung erstmals eine Lieferung von Reis aus der Umgebung des havarierten Atomkraftwerks wegen zu hoher Strahlenwerte gestoppt - dabei hatte die Präfektur Fukushima noch im Oktober ihren Reis für sicher erklärt. Auch hatten Politiker und Journalisten immer wieder öffentlich beteuert, Produkte aus dem Norden könnten gefahrlos konsumiert werden. Vor zwei Wochen trank ein Abgeordneter ein Glas Wasser aus einer Pfütze vor der Ruine des Atommeilers, um zu beweisen, dass die akute Strahlengefahr vorbei sei.

An Hunderten Stellen wurde der Reis aus der Gegend um das Kraftwerk in Fukushima getestet, der Cäsium-Grenzwert von 500 Becquerel wurde zwar einmal erreicht, jedoch nie überschritten - bis jetzt. Bei Tests von Reis aus Onami, das zur Stadt Fukushima gehört, wurden 630 Becquerel pro Kilogramm an Cäsium gemessen.

Die japanische Regierung verhängte ein Auslieferungsverbot für den betroffenen Reis und bemühte sich um Schadensbegrenzung: Der verseuchte Reis sei nicht in den Handel gelangt, versichterte Regierungssprecher Osamu Fujimura. Die Provinzverwaltung sei aufgefordert worden, die Inspektionen in der Gegend zu verstärken.

Niemand müsse sich über Reis, der bereits in den Handel gelangt sei, Sorgen zu machen, beteuerte Fujimura. Reis aus Fukushima sei "sicher". Die Regierung werde auch weiterhin versuchen, eine Ausbreitung unbegründeter Gerüchte über radioaktiv verseuchte Produkte aus Japan zu verhindern, zitierte die Nachrichtenagentur Kyodo den Regierungssprecher.