Nach Gruppenvergewaltigung in Delhi Leiche der vergewaltigten Inderin eingeäschert

Die Vergewaltigung einer jungen Frau, ihr langer Überlebenskampf und ihr Tod bewegen Indien seit zwei Wochen. Nun wurde die Leiche der 23-Jährigen in Delhi eingeäschert. Nach der Zeremonie kam es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten.

Der Leichnam der von mehreren Männern vergewaltigten indischen Studentin ist nach seiner Rückkehr aus Singapur am Sonntag in Delhi eingeäschert worden. Der Sarg der 23-Jährigen sei in einer von der Regierung gemieteten Chartermaschine aus Singapur überführt worden, sagte ein Sprecher der Polizei. Das Krematorium war von Polizeikräften abgeriegelt.

Sowohl Premierminister Manmohan Singh als auch die Chefin der regierenden Kongresspartei, Sonia Gandhi, waren am Flughafen, als die Chartermaschine eintraf, wie der staatliche Rundfunksender AIR berichtete. Mit an Bord der Air-India-Maschine waren auch die Eltern der Toten sowie zwei Brüder, die alle in den letzten Stunden bei der Studentin gewesen waren.

Ein Polizeisprecher sagte, die Einäscherungszeremonie nach hinduistischem Brauch habe auf Wunsch der Familie im engsten Kreise stattgefunden. Einige ranghohe Politiker wollten durch ihre Anwesenheit ihr Beileid ausdrücken.

Nachbarn, die an der Einäscherung teilnahmen, sagten der Nachrichtenagentur AFP, die Frau habe im Februar ihren Freund heiraten wollen. "Sie hatten bereits alle Vorbereitungen getroffen und eine Hochzeitsparty in Delhi geplant", sagte Meena Rai, die zusammen mit der künftigen Braut schon nach Hochzeitskleidern Ausschau gehalten hatte.

Tatverdächtigen droht die Todesstrafe

Die Studentin war am Samstag in einem Krankenhaus in Singapur ihren schweren Verletzungen erlegen, die sie in einem Bus in Delhi am 16. Dezember erlitten hatte. Die junge Frau war von mehreren Männern vergewaltigt, mit einer Eisenstange malträtiert und nackt aus dem fahrenden Fahrzeug geworfen worden. Die sechs Tatverdächtigen sollen des Mordes angeklagt werden. Ihnen droht die Todesstrafe.

Der 13 Tage währende Überlebenskampf der Studentin hatte in Indien zum Teil gewalttätige Proteste gegen die in der indischen Gesellschaft verbreitete Gewalt gegen Frauen und die Untätigkeit der Behörden ausgelöst. Auch nach der Zeremonie am Sonntag kam es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Der Nachrichtensender NDTV zeigte Bilder, auf denen einige aufgebrachte Menschen versuchten die Barrikaden der Beamten niederzureißen. Außerdem seien Steine in Richtung der Polizisten geflogen, berichtete ein Reporter. Hunderte trauerten allerdings friedlich um die 23-Jährige.