Nach Feuer in Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt Gerichtsmediziner identifizieren Todesopfer

Entsetzen nach der Brandkatastrophe im Schwarzwald: Warum mussten 14 Personen - 13 Menschen mit Behinderung und eine Betreuerin - in der Caritas-Einrichtung in Titisee-Neustadt sterben? Experten suchen am Unglücksort nach der Brandursache, erste Spekulationen zu den Gründen scheinen sich nicht zu bestätigen.

Für 14 Menschen wurde die Caritas-Einrichtung in Titisee-Neustadt zur Todesfalle. Sie schafften es nicht rechtzeitig aus dem brennenden Gebäude in der Straße "Im Bildstöckle". Nach ersten Erkenntnissen starben die meisten Opfer - 13 Menschen mit Behinderung und eine Betreuerin - vermutlich durch Rauchvergiftung. Neun weitere Personen liegen noch schwerverletzt in Krankenhäusern, sie sollen aber alle außer Lebensgefahr sein.

Am Tag danach stellen sich drängende Fragen, allen voran, wie es zu dem verheerenden Unglück kommen konnte: Wurden Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten? Zwar stammt ein Teil des Gebäudekomplexes der Caritas von Ende der siebziger Jahre. Der zweistöckige Flachbau jedoch, in dem das Feuer am frühen Montagnachmittag ausbrach, wurde viel später erbaut.

Bei ersten Untersuchungen seien keine Hinweise auf fehlende Sicherheitseinrichtungen oder Mängel beim Brandschutz gefunden worden, hieß es von Behördenseite. Bereits in der Nacht hatte eine Ermittlungsgruppe die Arbeit aufgenommen, im Einsatz sind Brandsachverständige und Spezialermittler. Am Nachmittag will die Polizei ihre Erkenntnisse bekanntgeben.

Inzwischen haben Gerichtsmediziner alle 14 Opfer identifiziert: Bei den Toten handele es sich um eine 50-jährige Betreuerin der Caritas-Werkstatt, zehn Mitarbeiterinnen mit Behinderung im Alter von 28 bis 68 Jahren sowie drei Mitarbeiter mit Behinderung zwischen 45 und 68 Jahren, teilte die Freiburger Polizei mit.

Am Tag des Brandes hatten nicht alle Opfer identifiziert und die Angehörigen verständigt werden können. Die Behörden hatten sich deshalb mit Informationen zunächst zurückgehalten.

300 Rettungskräfte im Einsatz

Das Feuer war am Montag in einer Werkstatt der Caritas etwa 40 Kilometer östlich von Freiburg im Breisgau ausgebrochen. Dort arbeiten bis zu 120 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Als das Feuer ausbrach, hätten sich etwa 100 Personen in dem Gebäude befunden, hieß es von Seiten der Polizei. Viele von ihnen seien wegen der Flammen in Panik geraten, berichtete Kreisbrandmeister Alexander Widmaier.

Feuerwehrleute hatten zahlreiche Menschen mit schwerem Atemgerät aus dem brennenden und völlig verrauchten Gebäude gerettet. Zeitweise waren 300 Rettungskräfte vor Ort, Hubschrauber waren im Einsatz. Auch Stunden nach Ausbruch des Feuers drang noch Rauch aus den Fenstern des Flachbaus, erst am späten Nachmittag meldete die Feuerwehr, der Brand sei unter Kontrolle.

Die Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) waren die ganze Nacht mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Große Teile der Werkstatt wurden zerstört, sagte ein Sprecher der Caritas.

Wann die Einrichtung wieder öffne, sei unklar. Angehörige und die Rettungskräfte sollen auch in den kommenden Tagen psychologisch betreut werden. Die Stadt plane eine Trauerfeier, sagte Bürgermeister Armin Hinterseh. Zudem habe sie für Angehörige ein Telefon-Hotline eingerichtet.