Nach Einsturz von Fabrikgebäude EU fordert Sicherheitsstandards in Bangladesch

Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken böten sowohl sicherheits- als auch gesundheitstechnisch großen Anlass zur Sorge, hieß es in der Erklärung der EU.

(Foto: Bloomberg)

Für Hungerlöhne wird in Bangladesch Kleidung hergestellt. Das Hauptziel der Ware: Europa. Nun fordert die EU, dass das Land internationale Sicherheitsstandards einhalten solle.

Sie produzieren für Hungerlöhne, kaum mehr als 30 Euro im Monat. In den Textilfarbriken Bangladeschs stellen Arbeiter unter katastrophalen Bedingungen Kleidung her. Das Ziel der Waren: Europa. Der Hauptanteil der Textil-Exporte, die 80 Prozent der nationalen Ausfuhren ausmachen, geht in die EU.

Nach dem Einsturz einer Textilfabrik mit über 400 Toten hat die EU Bangladesch nun aufgefordert, internationale Sicherheitsstandards einzuhalten. Dhaka müsse sofort handeln, erklärten die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und EU-Handelskommissar Karel De Gucht.

Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken des südasiatischen Landes böten sowohl sicherheits- als auch gesundheitstechnisch großen Anlass zur Sorge, hieß es in der Erklärung. Die EU als größter Handelspartner des Landes bot ihre Hilfe bei der Umsetzung internationaler Standards an.

Bislang bestätigte nur die britische Kette Primark, dass sie in dem Unglücksgebäude arbeiten ließ. Die spanische Kleidermarke Mango forderte nach eigenen Angaben lediglich Muster an; der italienische Konzern Benetton bestätigte eine "einmalige Bestellung".

Währenddessen ist die Zahl der Toten bei der Katastrophe auf über 400 gestiegen. Eine Woche nach dem Einsturz des Fabrikgebäudes sind nach offiziellen Angaben 413 Leichen geborgen worden. Mehr als 2400 Menschen wurden verletzt, als das achtstöckige "Rana Plaza", in dem fünf Textilfabriken sowie Geschäfte und eine Bankfiliale untergebracht waren, in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka in sich zusammenfiel.

Auch am Mittwochmorgen war noch nicht klar, wie viele Menschen noch unter dem Trümmerberg liegen könnten. Angehörige ließen 1300 Namen von Vermissten bei der Polizei registrieren, dabei könnten aber viele Namen mehrfach notiert worden sein.

Video-Umfrage zum Kaufverhalten "Wir könnten sicherlich was tun"

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(Video: Süddeutsche.de, Foto: Süddeutsche.de)